30.06.11

Katholische Kirche

Berliner Erzbischof Georg Sterzinsky gestorben

Der Berliner Erzbischof Georg Kardinal Sterzinsky ist tot. Er starb am Donnerstag in den frühen Morgenstunden nach langer Krankheit.

Foto: Christian Hahn
Wurde 75 Jahre alte: Georg Kardinal Sterzinsky
Wurde 75 Jahre alte: Georg Kardinal Sterzinsky

Georg Kardinal Sterzinsky, viele Jahre Oberhirte der Berliner Katholiken, ist am Donnerstagmorgen nach langer schwerer Krankheit verstorben. Das bestätigte der Sprecher des Erzbistums. Papst Benedikt XVI. hatte Ende Februar 2011 den Rücktritt des schwer erkrankten 75 Jahre alten Erzbischofs angenommen, der seit 1989 an der Spitze des flächenmäßig drittgrößten deutschen Erzbistums stand. In Berlin leben etwa 390.000 Katholiken. Das Bistum umfasst neben der Bundeshauptstadt auch Teile Brandenburgs sowie den Osten Mecklenburg-Vorpommerns.

Georg Maximilian Sterzinsky war seit fast 22 Jahren die respektierte Stimme des Katholizismus im weitgehend säkularisierten Berlin.

Nach zwei schweren Operationen wurden im Februar alle Feiern zu seinem 75. Geburtstag abgesagt. Sterzinsky hatte lange im künstlichen Koma gelegen, aus dem er Ende März aufgeweckt wurde. Mitte April trat er eine Reha-Maßnahme an.

"Kardinal Sterzinsky, vom Wesen her eher ein Ungeduldiger, nahm seine zunehmenden leiblichen Beschwerden mit größter Geduld auf sich", heißt es in einem Nachruf auf der Internetseite des Erzbistums . Er sei sein ganzes Leben "ein Heimatloser" gewesen, der in Berlin nur schwer heimisch wurde. "Vielleicht hätten wir Berliner es ihm leichter machen können?", heißt es weiter. Das Erzbistum verdanke ihm seine neue äußere Gestalt, die es nach der staatlichen Wiedervereinigung erhalten hat. "Um eine erneuerte innere Gestalt zu beten und zu ringen, die er ihm einprägen wollte, einen tiefen und lebendigen Glauben, ist sein Vermächtnis, das uns verpflichtet."

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, hat Georg Kardinal Sterzinsky als bescheidene und wegweisende Persönlichkeit gewürdigt. Er habe wie kaum ein anderer Bischof in Deutschland zum Wachsen der Verbundenheit zwischen Ost und West und zum wechselseitigen Verständnis der Menschen beigetragen, hieß es in einem Nachruf Zollitschs vom Donnerstag. Mit Weitblick und Umsicht habe Sterzinsky am Aufbau neuer Kirchenstrukturen in Deutschland und einer gesamtdeutschen Bischofskonferenz mitgewirkt.

Aus diesem Prozess sei eine neue Kirchenprovinz geschaffen und das Bistum Berlin zum Erzbistum erhoben worden - dessen erster Erzbischof Sterzinsky 1994 wurde. Er habe sich mit bemerkenswertem Engagement in die Migrationskommission der Deutschen Bischofskonferenz und im päpstlichen Rat für Zuwanderer eingebracht. Bis heute wisse die Bischofskonferenz den Einsatz des Verstorbenen zum Erhalt des Religionsunterrichts an Berliner Schulen und für die Achtung des Sonntagsschutzes zu schätzen.

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) zeigt sich betroffen vom Tod Sterzinskys. Der Kardinal sei ein "herausragender Vertreter" der Kirchen in Berlin gewesen, sagte Wowereit. Sterzinsky habe den Dialog mit anderen Kirchen angestrebt und sei ein "verlässlicher Partner" gewesen.

Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) sagte, nicht nur die Katholiken in Brandenburg und Berlin, sondern in ganz Deutschland hätten eine herausragende Persönlichkeit verloren, sagte er. Der Regierungschef verwies darauf, dass Sterzinsky die Neuordnung der katholischen Kirche in Ostdeutschland maßgeblich begleitet habe. Brandenburg werde ihm ein bleibendes Andenken bewahren.

Das Leben dieses Kirchenmannes: eine für viele Deutsche des Jahrgangs 1936 typische Biografie. Der Kardinal stammte aus Warlack (Ostpreußen). Seine große Familie traf wie Millionen das Schicksal der Vertreibung, sie fand in Thüringen eine neue Bleibe. In Erfurt studierte Sterzinsky Theologie, als 24-Jähriger wird er 1960 zum Priester geweiht. Es folgten Stationen als Kaplan und Pfarrer, 1981 übernahm er im damaligen Bischöflichen Amt Erfurt-Meiningen die Funktion des Generalvikars. Im Juni 1989 berief ihn Papst Johannes Paul II. nach vorangegangener Wahl im Domkapitel zum Bischof von Berlin – als Nachfolger des nach Köln transferierten Kardinals Joachim Meisner. Die Mauer stand noch, als er am 9. September 1989 die Bischofsweihe empfing. Im Frühjahr 1990, die deutsche Wiedervereinigung war noch nicht vollzogen, konnte er Gläubige aus West und Ost zum Katholikentag in Berlin begrüßen. Ein Jahr später wurde Sterzinsky Mitglied des Kardinalskollegiums, seit 1994 war er der erste Erzbischof des 1930 gegründeten Hauptstadtbistums.

Seit dem Rücktritt Sterzinskys leitet Weihbischof Matthias Heinrich (56) das Erzbistum Berlin bis zum Amtsantritt eines neuen Erzbischofs.

In der St. Hedwigs-Kathedrale (Bebelplatz in Berlin-Mitte) liegt ein Kondolenzbuch aus. Zu den Öffnungszeiten der Kirche zwischen 10 und 18 Uhr besteht die Möglichkeit, sich darin einzutragen.

Quelle: dapd/dpa/sei
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