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14.04.11

Menschenhandel

Kinder aus Haiti für Sex nach Berlin verschleppt

Die Polizei hat einen Menschenhändler-Ring gesprengt, der Kinder aus Lateinamerika in Berlin an Pädophile verkauft hat. Die Minderjährigen stammten vor allem aus dem vom Erdbeben verwüsteten Haiti. Als Tarnung diente offenbar eine Hilfsorganisation.

© AFP
In den Slums von Port-au-Prince: Menschenhändler nutzten das Leid der Kinder nach dem Erdbeben aus
In den Slums von Port-au-Prince: Menschenhändler nutzten das Leid der Kinder nach dem Erdbeben aus

Eine international agierende Bande hat offenbar gezielt Kinder aus Lateinamerika und dem Karibikraum nach Berlin geschmuggelt, um sie hier an zahlungswillige Pädophile zu vermitteln. Das erfuhr Morgenpost Online aus ranghohen Sicherheitskreisen. Demnach wurden Mitte der Woche zwei in Berlin lebende Männer auf dem Flughafen München festgenommen, als sie mit einem zehnjährigen Jungen nach Deutschland einreisen wollten. Die mutmaßlichen Täter sollen das Kind mit gefälschten Papieren der brasilianischen Regierung ausgestattet haben. Inzwischen sind gegen die beiden Beschuldigten Haftbefehle erlassen worden, das Berliner Landeskriminalamt (LKA) führt gemeinsam mit der Staatsanwaltschaft die Ermittlungen.

Den Bundespolizisten am Flughafen in München waren die beiden Männer und der aus Costa Rica stammende Junge bei der Passkontrolle aufgefallen – die Papiere des Minderjährigen waren offenbar gefälscht. In der Folge wurden die ihn begleitenden Männer festgenommen. Bei ihnen handelt es sich nach vorliegenden Informationen um einen Berliner und einen seit geraumer Zeit in Berlin lebenden Mann aus Schweden. Ihnen soll organisierter Menschenhandel vorgeworfen werden, ein Richter erließ Haftbefehl. Ob sie zu den Vorwürfen bereits Stellung genommen haben, war zunächst unklar.

Einem Ermittler zufolge sollen sich die mutmaßlichen Täter vor allem im vom Erdbeben verwüsteten Haiti mit einer von ihnen selbst gegründeten angeblichen Hilfsorganisation um minderjährige Straßenkinder gekümmert haben – aber offenbar nicht aus humanitären Gründen. „Die Kinder wurden wahrscheinlich unter dem Vorwand, in Deutschland ein neues und besseres Leben führen zu können, nach Berlin gelockt. Dabei handelte es sich zum Teil auch zum Waisen“, so ein Fahnder. Tatsächlich sei jedoch Ziel der Täter gewesen, die Kinder an in Berlin lebende Pädophile für den sexuellen Missbrauch zu vermitteln. „Die Kinder werden in ein Abhängigkeitsverhältnis gesetzt und dann in der Szene weitergereicht. Nach Ablauf der normalen Visa-Zeit von drei Monaten werden sie dann wieder in ihre Heimat geschickt – mit seelischen Schäden, wie man sie sich wohl nicht vorstellen kann.“

Das LKA muss jetzt die Strukturen der Organisation aufklären, das soll nach Informationen von Morgenpost Online auch in Zusammenarbeit mit den Sicherheitsbehörden der betroffenen Länder geschehen. Die Ermittler in Berlin beschäftigt vor allem eine Frage: Wer waren die Kunden der Kinderhändler? „Wer den Aufwand betreiben lässt, sich Minderjährige für sexuelle Übergriffe aus dem Ausland kommen zu lassen und diese dann noch weiterzureichen, der muss nicht nur über einen großen Komplizenkreis verfügen, sondern auch über erheblichen Einfluss und erhebliche finanzielle Mittel“, so ein Kriminalbeamter. Die Dimension des Pädophilen-Netzwerks und seiner Kundenkartei konnte bislang nicht abschließend beleuchtet werden. Der Fall werde allerdings sehr ernst genommen, hieß es aus Polizeikreisen.

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