Verweigerte Aussage
Berliner Pokerprozess wird zum Geduldsspiel
Wegen seines beharrlichen Schweigens muss ein Zeuge im Prozess gegen die Hintermänner des Pokerraubs erneut in Beugehaft. Der 22-Jährige bereits verurteilte Pokerräuber verweigerte auch am Donnerstag Fragen des Gerichts.
Der Prozess gegen die mutmaßlichen Drahtzieher des spektakulären Pokerraubs gerät zunehmend zum Geduldsspiel. Seit mehr als einem Monat bleibt einer der wichtigsten Zeugen Auskunft über Hintermänner und den Verbleib der bis heute zum großen Teil verschwundenen Beute schuldig. Am Donnerstag verfügte das Berliner Landgericht erneut Beugehaft gegen den 22-Jährigen. Nach einer Entscheidung des Kammergerichts bestehe kein umfassendes Auskunftsverweigerungsrecht, hieß es zur Begründung.
Seit August 2010 verhandelt die 10. Strafkammer im zweiten Pokerprozess gegen einen 32-Jährigen, von dem die Idee zu dem spektakulären Überfall auf das internationale Turnier im Hotel Grand Hyatt stammen soll. Der 29-jährige Mitangeklagte soll die eigentlichen Räuber bei dem Coup vom 6. März 2010 instruiert haben. Er soll auch das Fluchtfahrzeug gesteuert haben. Der Großteil der Beute in Höhe von 242 000 Euro ist immer noch verschwunden. Beide Männer schweigen.
Der 22-jährige Zeuge und drei weitere Räuber sind im Juli 2010 in einem schnellen Prozess zu Strafen von dreieinhalb bis zu drei Jahren und neun Monaten verurteilt worden. Keiner hat später als Zeuge Angaben zu Drahtziehern gemacht. Alle beriefen sich darauf, dass sie im eigenen Verfahren gelogen haben könnten. Der 22-Jährige befürchtet eigenen Angaben nach zusätzlich, einen Verwandten zu verstricken, der möglicherweise das Fluchtfahrzeug gefahren habe. Er werde lieber sechs Monate Beugehaft absitzen als aussagen.
Der Prozess wird am 8. März fortgesetzt. Nach Einschätzung eines Gerichtsmediziners besteht Hoffnung, dass sich die Gesundheit des 29-jährigen Angeklagten inzwischen stabilisiert. Der mutmaßliche Fahrer des Fluchtfahrzeugs war wegen Depressionen zuletzt nur kurz verhandlungsfähig. Er kam diese Woche in das Haftkrankenhaus. Im Gespräch mit dem Gutachter hatte er über Halluzinationen und Kopfschmerzen geklagt.
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