Prozessauftakt
Ex-Chefs der "Paris Bar" stehen vor Gericht
Sie sollen bei der Umsatzsteuer getrickst und Mitarbeiter schwarz bezahlt haben. Zwei ehemalige Geschäftsführer der bekannten "Paris Bar" an der Kantstraße stehen wegen Steuerhinterziehung und Vorenthalten von Arbeitsentgelt vor Gericht. Es geht um Millionen Euro.
Zwei frühere Geschäftsführer der „Paris Bar“ in Berlin-Charlottenburg müssen sich seit Mittwoch vor dem Berliner Landgericht verantworten. Den heute 67 und 72 Jahre alten Barbesitzern wird Steuerhinterziehung und Vorenthalten von Arbeitsentgelt vorgeworfen. Sie sind angeklagt, zwischen 2001 und 2005 Umsatzsteuern in Höhe von 1,3 Millionen Euro durch falsche Angaben hinterzogen zu haben. Zudem sollen sie durch Schwarzarbeit Lohnsteuern- und Sozialversicherungsbeiträge in Höhe von weiteren 1,5 Millionen Euro vorenthalten haben.
Rund 25 Jahre waren die Angeklagten Geschäftsführer der „Paris Bar“ an der Kantstraße. Ende der 1990er Jahre entschieden sie sich, ein weiteres Restaurant mit dem Namen „Bar du Paris“ zu eröffnen. Bis zu 50 Angestellte zählte die Firma bis zur Insolvenz Ende 2005. Vor Gericht haben die Angeklagten die Vorwürfe gestanden. Darin gaben sie zu, dass die Hälfte ihres Geschäfts „schwarz gelaufen ist“. Mitarbeiter wurden schwarz bezahlt und nur die Hälfte der Einkäufe in der Buchhaltung erfasst.
„Es stand außer Diskussion, dass Teile der Löhne schwarz gezahlt werden. Das war üblich“, äußerte der 72-Jährige. Sein Vorgänger habe ihm das damals so erklärt und er habe es „nicht hinterfragt“. Übrig geblieben sei aber nichts. Er und der Mitangeklagte hätten privat viel „hinein gebuttert“, bestätigte der 67-Jährige. Es sei immer eng gewesen. Der Laden „glänzte nach außen, war aber innen offensichtlich schlecht gemanagt“, räumte der 72-Jährige ein.
„Die Angst aufzufliegen“ habe immer über ihnen geschwebt. So sei er erleichtert, dass dieser Zustand jetzt zu Ende sei, auch wenn er dadurch sein Lebenswerk und das soziale Umfeld verloren habe, sagte der 72-Jährige im Prozess. Der 67-jährige Mitangeklagte wurde von dem Nachfolger der „Paris Bar“ dagegen wieder eingestellt. Der Prozess wird am 9. März fortgesetzt.
Die „Paris Bar“ gilt als „Wohnzimmer“ zahlreicher prominenter Schauspieler und Künstler. Das Lokal war in den 1950er Jahren von einem ehemaligen französischen Besatzungssoldat gegründet worden. Seit 1979 betrieben die beiden Angeklagten das Lokal. Ende November 2005 mussten die Betreiber Insolvenz beantragen, weil sie den Forderungen des Finanzamts nicht nachkommen konnten.
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