U-Bahnhof Lichtenberg
Jugendliche prügeln Fahrgast ins Koma
Eine Jugendbande hat auf dem U-Bahnhof Lichtenberg einen 30-Jährigen verprügelt und so lange auf ihn eingetreten, bis er regungslos am Boden lag. Das Opfer befindet sich im Koma. Die Polizei hat mittlerweile vier Verdächtige gefasst.
Von Michael Behrendt
Auf dem U-Bahnhof Lichtenberg haben vier Jugendliche einen 30 Jahre alten Mann brutal attackiert.
Vier Jugendliche haben einen 30-Jährigen bei einem Raubüberfall im Berliner U-Bahnhof Lichtenberg lebensgefährlich verletzt. Das Opfer wurde so schwer zusammengeschlagen, dass der Mann im Koma liegt. Die Ärzte fürchten schwere bleibende Schäden bei dem Patienten. Am Dienstag konnte die 2. Mordkommission vier Tatverdächtige im Alter zwischen 14 und 17 Jahren festnehmen Gegen sie wird wegen versuchten Raubmordes und gefährlicher Körperverletzung ermittelt.
Der 30 Jahre alte Maler und ein gleichaltriger Kollege waren am Freitag nach einem Lokalbesuch gegen 23.50 Uhr auf dem Heimweg, als sie auf dem Bahnsteig von den vier Jugendlichen angegriffen wurden. Während der Kollege leicht verletzt flüchten konnte, wurde der 30-Jährige mit „äußerster Brutalität zusammengeschlagen und -getreten“, teilte die Polizei mit. Die Täter raubten danach persönliche Gegenstände des Opfers und flüchteten.
Passanten entdeckten wenig später den Mann, der bewusstlos auf dem Bahnsteig lag, und riefen Polizei und Feuerwehr. Ein Rettungswagen brachte das Opfer in ein nahe gelegenes Krankenhaus. Im Laufe des Sonntags verschlechterte sich der Zustand des 30-jährigen Komapatienten so dramatisch, dass die Ärzte mit dem Schlimmsten rechneten. Inzwischen habe sich der Zustand stabilisiert, der Mann schwebe jedoch weiter in Lebensgefahr. Wie Morgenpost Online erfuhr, soll er durch die Schläge und Tritte schwerste Schädel- und Hirnverletzungen erlitten haben. „Sollte er jemals wieder erwachen, wird er wahrscheinlich schwer behindert sein“, so ein Polizeibeamter.
Bei den Ermittlungen stützten sich die Beamten der Mordkommission auf die Aufzeichnungen der Überwachungskameras, auf denen die Täter gut zu erkennen sind. Sie zeigten Kopien davon den Beamten der für Lichtenberg zuständigen Kriminalpolizei. Dabei erinnerte sich ein Ermittler an einen Jungen, den er vor drei Jahren bei einer Präventionsveranstaltung an einer Lichtenberger Schule kennengelernt hatte. Ein Gespräch mit dem Rektor wenig später führte zur Identifizierung eines 17 Jahre alten Kenianers, der gestern Mittag in der Schule festgenommen wurde.
Im Laufe des Tages ermittelte die 2.Mordkommission mit Hochdruck weiter und startete auch eine Öffentlichkeitsfahndung, durch die erstmals über den Fall informiert wurde. Bis 16.30 Uhr konnten die Ermittler dann aber alle vier Tatverdächtigen stellen, unterstützt wurde sie dabei von der sogenannten Operativen Gruppe Jugendgewalt (OGJ). Unter den weiteren Festgenommenen sind auch ein Iraker und ein Mann aus dem Kosovo. Zunächst wurde der 17-jährige Kenianer vernommen. Nach Informationen der Berliner Morgenpost ist er bei der Polizei bislang nur durch Kleinigkeiten aufgefallen.
Weder die Polizei noch die Staatsanwaltschaft hatten am Dienstag Hinweise darauf, dass die späteren Opfer die Attacke provoziert hätten. Zum einen sei es ein Raubüberfall gewesen, zum anderen hätten die bislang befragten Zeugen nichts in dieser Hinsicht berichtet, hieß es gestern.
Um das Verbrechen vollständig aufzuklären, bittet die Polizei weitere Zeugen, sich zu melden. Nach Angaben eines Sprechers konnten inzwischen aus verschiedenen Videoüberwachungsanlagen Bilder und Sequenzen ausgewertet werden. Aus den Aufnahmen werde deutlich, dass es weitere Beobachter gibt, die der Polizei noch nicht bekannt sind. „Diese Menschen sind sehr wichtig bei der detailgetreuen Aufklärung dieser schweren Tat“, so der Sprecher der Berliner Staatsanwaltschaft, Michael Steltner.
Auch erfahrene Beamte reagierten schockiert auf die Brutalität des Überfalls. „Wer derart hart zutritt und zuschlägt, nimmt den Tod des Opfers in Kauf“, so ein Ermittler. „Außerdem haben die Täter keinerlei Versuche unternommen, dem Schwerstverletzten zu helfen, sondern haben sich an dem Wehrlosen auch noch bereichert.“ Im Falle einer Verurteilung drohen den jugendlichen Tatverdächtigen bis zu zehn Jahren Haft - die Höchststrafe.
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