Steigende Mieten
Fast jeder vierte Berliner denkt an Umzug
Steigende Mieten führen in einigen Kiezen zur Verdrängung. Viele Familien sehen sich laut einer Umfrage finanziell überfordert. Die Berliner Grünen werfen Rot-Rot Versäumnisse vor.
Wegen steigender Mieten sehen sich offenbar viele Berliner Familien finanziell überfordert. Laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa im Auftrag der „Berliner Zeitung“ wollen 23 Prozent der Haushalte, deren Miete in den vergangenen drei Jahren erhöht wurde, in eine preiswertere Wohnung umziehen. Unterdessen werfen die Grünen der rot-roten Koalition Versäumnisse in der Wohnungspolitik vor.
Deutliche Unterschiede gibt es bei den Umzugsplänen der Umfrage zufolge zwischen Ost und West. Während im Ostteil 19 Prozent eine günstigere Wohnung suchen, sind es im Westen 26 Prozent. Dreiviertel der Mieter, die eine Mieterhöhung erhalten haben, planen keinen Umzug. Befragt wurden 1.001 Menschen zwischen dem 5. und 13. Januar.
Hälfte der Haushalte zahlt mehr Miete
Jeder zweite Haushalt hat der Umfrage zufolge in den vergangenen drei Jahren eine Mieterhöhung erhalten. In den meisten Fällen sei der Anstieg mit bis zu fünf Prozent moderat ausgefallen. 28 Prozent mussten bis zu zehn Prozent mehr zahlen. Bei sieben Prozent ist die Miete um bis zu 15 Prozent gestiegen, bei acht Prozent um mehr als 15 Prozent.
Bewohner in den östlichen Bezirken hätten dabei höhere Mietsteigerungen hinnehmen müssen als Haushalte im Westen. Im Osten wuchs die Belastung für 19 Prozent um mehr als 10 Prozent, im Westteil für 13 Prozent. Als Grund vermutet die Zeitung, dass in den östlichen Bezirken deutlich mehr saniert wurde.
Grüne: Rot-Rot entdeckt Mieter im Wahlkampf
Grünen-Bauexperte Andreas Otto kritisierte, Rot-Rot habe wenige Monate vor der Abgeordnetenhauswahl die Mietenpolitik als Wahlkampfthema entdeckt. Linke-Spitzenkandidat, Wirtschaftssenator Harald Wolf hatte zuvor angekündigt, die „gravierenden Mietsteigerungen“ in einigen Stadtteilen öffentlich debattieren zu wollen. Er sprach sich für einen neuen sozialen Wohnungsbau und eine stärker an sozialen Kriterien ausgerichtete Geschäftspolitik der landeseigenen Wohnungsunternehmen aus.
Die Koalition habe seit ihrem Amtsantritt 2002 Zeit gehabt, mehr für den Berliner Wohnungsbestand zu tun, betonte Otto. Der Verkauf der GSW im Jahr 2004 sei eine „deutliche Schwächung des landeseigenen Wohnungsbestandes“ gewesen. Dieser sei inzwischen in Steglitz-Zehlendorf auf unter 4 und in Charlottenburg-Wilmersdorf auf 7 Prozent zurückgegangen, obwohl etwa 15 Prozent als sinnvoll angesehen würden.
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