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08.11.10

BVG-Panne

Computerchaos - U-Bahn stellt auf Handbetrieb um

Eine Störung im Computer-System hat für den Ausfall sämtlicher Stellwerke bei der Berliner U-Bahn gesorgt. Seit dem Mittag fuhren die Züge der BVG im Schleichtempo, die Beeinträchtigungen dauerten bis in den Nachmittag hinein an.

© Paul Zinken
U-Bahnhof Stadtmitte: Das warten auf den nächsten Zug wurde zur Geduldsprobe
U-Bahnhof Stadtmitte: Das warten auf den nächsten Zug wurde zur Geduldsprobe

Eine Computerpanne hat am Montag für stundenlange, massive Behinderungen im U-Bahnverkehr der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) gesorgt.

Nach der Rechnerstörung in der Leitstelle waren gegen 12.30 Uhr sämtliche Stellwerke ausgefallen. Erst gegen 14.30 Uhr war der Schaden soweit behoben, dass der Regelbetrieb wieder allmählich anlaufen konnte. Zu Verspätungen kam es aber zunächst weiter. Zum abendlichen Berufsverkehr sollte sich der U-Bahnverkehr wieder normalisieren, teilten die Verkehrsbetriebe mit.

Wie es zu der Panne kommen konnte, blieb zunächst offen. Eine technische Störung habe offenbar den Datentransfer der Stellwerke behindert, hieß es in einer ersten Erklärung der BVG. Die mehr als 30 Stellwerke arbeiten alle nach einem Fahrplanprogramm. Gegen Mittag floss der Datenstrom immer langsamer, bis die Rechner schließlich stillstanden. Auf die Frage, warum die Störung den gesamten Verkehr einer Hauptlebensader der Stadt lahm legen konnte, gab es bis zum Nachmittag aber keine konkrete Antwort.

Hunderttausende U-Bahnfahrgäste erlebten zeitweise ein Chaos, das an die schlimmsten Tage der S-Bahn-Krise erinnerte, als technische Mängel über Tage den Regelverkehr kollabieren ließen. Auch am Montag brach der Fahrplan für mehrere Stunden faktisch zusammen. Ohne die aus den Stellwerken gesteuerte Signaltechnik konnten die Triebfahrzeugführer nur auf Sicht und im Schleichtempo fahren.

sPer Funk mussten sie sich für jeden Streckenabschnitt die Freigabe aus der Zentrale holen. Es ging nur im Bummeltempo mit zahlreichen Zwangspausen vorwärts. Große Verspätungen waren auf allen Linien die Folge. Besonders lang fielen sie auf der Linie 5 von und nach Hönow aus. Hier kam es zu Verzögerungen von bis zu 40 Minuten. Zu kompletten Ausfällen ganzer Fahrten sei es hingegen nicht gekommen, hieß es am Nachmittag von den Verkehrsbetrieben.

Auf den Bahnsteigen informierten Lautsprecherdurchsagen über den „unregelmäßigen Zugverkehr“. Triebfahrzeugführer teilten per Mikrophon mit, dass der Verkehr „auf unbestimmte Zeit ausgesetzt“ sei. Unregelmäßig und unbestimmt, das hieß für viele Fahrgäste vor allem eines: langes Warten oder nach Alternativen suchen. „Ich habe 30 Minuten im stehenden Zug am Senefelderplatz gesessen“, sagte ein entnervter BVG-Kunde. „Der Fahrer konnte auch nicht sagen, wann es weitergeht. Da habe ich mich entschlossen zu laufen.“

Andere versuchten, ein Taxi zu erwischen, auf parallel fahrende Buslinien auszuweichen oder zumindest per Handy Termine abzusagen. Weil die Störungen das gesamte Netz betrafen, war es nicht möglich, einen flächendeckenden Ersatzverkehr mit Bussen zu organisieren.

Die BVG betreibt das größte zusammenhängende U-Bahnnetz Deutschlands. Die neun U-Bahn-Linien erreichen zusammen eine Länge von 146 Kilometern und verbinden 173 Bahnhöfe.

Wie haben Sie den U-Bahn-Chaostag erlebt? Reden Sie hier mit!

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