Abonnenten-Login Serviceangebote der Berliner Morgenpost Specials der Berliner Morgenpost
01.10.10

Berliner Wasserpreise

Kartellamt ermittelt gegen Wasserbetriebe

Berliner, die unter den hohen Wasserpreisen ächzen, können nun hoffen. Das Bundeskartellamt wird nun die Wasserbetriebe zur Offenlegung der Kalkulationen zwingen.

© picture-alliance/ dpa/dpaweb/dpa
Symbolbild Wasser

Das Bundeskartellamt macht Ernst: Die Bonner Wettbewerbshüter sind entschlossen, die Berliner Wasserpreise bis ins Detail und im Vergleich mit anderen Städten zu überprüfen. „Es besteht ein Anfangsverdacht, dass die Berliner Wasserpreise aus kartellrechtlicher Sicht zu hoch sind“, heißt es in einem Schreiben der Behörden an die Berliner Wasserbetriebe (BWB) und deren Anwälte, das Morgenpost Online vorliegt. „Auf den ersten Anschein vergleichbare Wasserversorger wie Hamburg, München und Köln“ lägen teilweise erheblich unter den Berliner Preisen, stellen die Wettbewerbshüter fest. Für Argwohn sorgt die immense Umsatzrendite der Wasserbetriebe: Die liegt bei 25 Prozent, die Hamburger Versorger schaffen 14 Prozent.

Um Klarheit zu erlangen, hat das Kartellamt 45 Wasserversorger aus ganz Deutschland aufgefordert, Daten über ihre Tarifkalkulationen zu schicken. Bis Donnerstag hatten die Unternehmen Zeit, dieser Pflicht nachzukommen. Ende des Jahres sollen die Auswertungen der Vergleichsdaten vorliegen. Die Attacke der Kartellwächter auf Deutschlands größten Wasserversorger sorgt für Aufsehen in der Szene. Reihenweise widmen sich Fachtagungen dem Pilotverfahren gegen die Berliner Wasserbetriebe (BWB). „Die Branche ist aufgewacht“, sagt ein Kenner.

BGH ebnete den Rechtsweg

Der Warnschuss kam bereits vor sechs Monaten: Im Februar entschied der Bundesgerichtshof in einem Grundsatzurteil zu den Wasserpreisen im hessischen Wetzlar, dass Wasserversorger sich nach bestimmten Kriterien vergleichen lassen müssten und dass die Preise für Trinkwasser der kartellrechtlichen Kontrolle unterliegen.

In der BWB-Zentrale in Mitte warten die Manager voller Sorgen auf die Ergebnisse der Bundeskartellamtsprüfung. „Es ist ernst“, heißt es. Experten außerhalb der BWB, die die Interna dennoch gut kennen, gehen davon aus, dass der Berliner Wasserpreis um 20 bis 30 Prozent sinken könnte, wenn das Kartellrecht greift.

In Berlin nehmen die Beamten des Bundeskartellamts erstmals einen kommunalen, teilprivatisierten Wasserversorger unter die Lupe. Normalerweise erledigen das die Kartellbehörden der Länder. Im Stadtstaat Berlin liegen die Dinge jedoch komplizierter. Denn die Berliner Kartellbehörde untersteht dem Wirtschaftssenator Harald Wolf (Linke), der selbst dem BWB-Aufsichtsrat vorsitzt. Um eine unabhängige Kontrolle der Kalkulationen zu ermöglichen, hatte Wolf im Frühjahr das Bundeskartellamt eingeschaltet.

Skepsis gegenüber den Berliner Gepflogenheiten

Juristisch auszufechten zwischen Bundeskartellamt und Berliner Wasserbetrieben ist nicht nur die Frage, ob die Bundesbeamten überhaupt zuständig sind oder ob Landesrecht die Wasserpreise festlegen darf. Die wichtigere Frage ist, ob die Wettbewerbshüter inhaltlich in der Tarifkalkulation missbräuchliches Handeln feststellen. Hier lassen die Kartellbeamten Skepsis gegenüber den Berliner Gepflogenheiten durchblicken.

So viel kostet Wasser in deutschen Städten
In Berlin sind die Wasserpreise im bundesweiten Vergleich sehr hoch. Der Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen hat die Tarife in ausgewählten Großstädten erfasst.
Angeführt wird die Liste nicht von der Hauptstadt, sondern von Potsdam. Hier zahlt man 5,83 Euro pro Kubikmeter Wasser. 2,14 Euro werden dabei für Trinkwasser (TW), 3,69 Euro für Abwasser (AW) fällig.
Auf Platz zwei liegt Halle (Saale) mit 5,72 Euro. Der Kubikmeter TW kostet 2,46, AW 3,26 Euro. Dann folgt schon...
... Berlin: Die Hauptstädter zahlen 5,12 Euro pro Kubikmeter Wasser. Davon werden 2,24 Euro für Trink- und 2,88 Euro für Abwasser erhoben.
Ein wenig billiger ist Rostock mit einem Wasserpreis von 5,07 Euro (TW: 2,06 Euro; AW: 3,01 Euro).
In Magdeburg zahlen die Bürger 4,98 Euro pro Kubikmeter Wasser (TW: 1,91 Euro; AW: 3,07 Euro) und in Bremen 4,78 Euro (TW: 1,99 Euro; AW: 2,79 Euro). Kaum Preisunterschiede gibt es zwischen...
... Chemnitz mit 4,43 Euro (TW: 2,11 Euro; AW: 2,33 Euro), Erfurt mit 4,41 Euro (TW: 2,24 Euro; AW: 2,17 Euro) und Schwerin mit 4,40 Euro (TW: 1,95 Euro; AW: 2,45 Euro).
In der zweitgrößten Stadt Hamburg zahlen die Bürger 4,29 Euro pro Kubikmeter Wasser. Davon sind 1,62 Euro Trinkwasser und 2,67 Euro Abwasser. Noch günstiger ist das Wasser in...
... Sachsens Landeshauptstadt Dresden: 4,18 Euro (TW: 2,21 Euro; AW: 1,98 Euro). Nochmal deutlich tiefer liegen die Wasserpreise in...
... Leipzig mit 3,82 Euro (TW: 1,99 Euro; AW: 1,83 Euro) und Stuttgart mit 3,81 Euro (TW: 1,44 Euro; AW: 2,37 Euro). Nochmals um Cent-Beträge billiger ist das Wasser in...
... Dortmund mit 3,80 Euro (TW: 1,76 Euro; AW: 2,03 Euro) und der Banker-Metropole Frankfurt am Main mit 3,79 Euro (TW: 2,03 Euro; AW: 1,76 Euro). Gleichauf liegen...
... mit 3,59 Euro pro Kubikmeter Wasser Düsseldorf (TW: 1,91 Euro; AW: 1,67 Euro) und München (TW: 1,52 Euro; AW: 2,07 Euro).
Im Städtevergleich fast am billigsten ist das Wasser in Essen, nämlich 3,40 Euro pro Kubikmeter (TW: 1,94 Euro; AW: 1,45 Euro). Am günstigsten ist...
... Köln: Hier zahlen die Bürger 3,26 Euro (TW: 1,64 Euro; AW: 1,62 Euro).
Quelle: Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (Stand: 01.01.2009)
Leser-Kommentare
Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

Die Moderation der Kommentare liegt allein bei MORGENPOST ONLINE.
Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in der Netiquette.
blog comments powered by Disqus
 
Top-Thema
Schwarze Frauenbeine mit High-Heels
Gefahr durch High Heels

Je höher der Absatz ist, desto ungesünder sind die Schuhe.

Video Nachrichten mehr
Störungen Kabelbrand legt Berliner S-Bahn lahm
Euro-Debatte Thilo Sarrazin stellt neues Buch vor
Hollywood in Cannes Brad Pitt begeistert mal wieder auf ganzer Linie
Drama in Bayern Bayerische Schüler in Angst vor Amoklauf
 
PromoTeaser_img.jpg
Urlaub an der See

Aktuelle Reisetipps für Ihren nächsten Deutschlandurlaub.mehr

Sommerkoll-klein.png
Sommer Trends

Lindner - Das sind die Sommer Trends 2012!mehr

bio10_onsite-teaser.jpg
Netzwerker

Für eine moderne Energieversorgung in Berlinmehr

 
Top Bildershows mehr
Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

A380 und A400M

Große Flugzeuge am Himmel über der Region

Nahverkehr

S-Bahn-Verkehr nach Kabelbrand gestört

In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote