Nahverkehr
BVG will U-Bahnen sauberer machen
Sie werden beschmiert, zerkratzt und bespuckt. Berlins U-Bahnhöfe sind keine gute Visitenkarte für die Stadt. Mit einer Sauberkeitsoffensive wollen die Berliner Verkehrsbetriebe jetzt gegen das Schmuddel-Image ihrer Stationen vorgehen.
Von Thomas Fülling
Berlins U-Bahnhöfe sind oft alles andere als eine gute Visitenkarte für die Stadt. „Es gibt nur wenige, wo ich mich länger aufhalten will“, sagt etwa Jens Wieseke vom Berliner Fahrgastverband Igeb. Mit einer Sauberkeitsoffensive wollen die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) jetzt aber gegen das Schmuddelimage ihrer Bahnhöfe vorgehen. Wichtigste Elemente der neuen Strategie: Die Leistung der beauftragten Reinigungsfirmen sollen künftig stärker nach der Qualität und nicht nach der Quantität bewertet und bezahlt werden. Zudem sollen die Stationen so umgestaltet werden, dass Dreckecken möglichst verschwinden.
"Die Sauberkeit auf den U-Bahnhöfen und in den Fahrzeugen ist verbesserungsbedürftig“, räumte U-Bahn-Chef Hans-Christian Kaiser jetzt bei einer Veranstaltung des Berliner Fahrgastverbandes Igeb ein. Kaiser verwies auf die Ergebnisse der jährlich erfolgenden Kundenbefragung der Verkehrsbetriebe. Danach liegt die U-Bahn mit der Durchschnittsnote in der Bewertung zwar an der Spitze aller öffentlichen Verkehrsmittel in der Stadt. Doch im Detail zeigt die Kundenbefragung Verbesserungsmöglichkeiten. So sind etwa 21 Prozent der Befragten unzufrieden mit der Anschlusssicherheit der Züge in der Nacht, zehn Prozent beklagen sich über unzureichende Informationen bei Störungen, neun Prozent bemängeln fehlende Freundlichkeit des Personals. In der Kritik, so Kaiser, würde aber oft auch die Sauberkeit auf den Bahnsteigen und in den Fahrzeugen stehen.
Als Konsequenz daraus bereitet die BVG nun eine Neuausschreibung des Reinigungsvertrages für die Bahnhöfe vor. Geplant ist dabei ein Paradigmenwechsel: Wird gegenwärtig den Gebäudereinigern von der BVG genau vorgeschrieben, wann und wie oft sie die Bahnsteige zu wischen haben, so soll künftig stärker auf die Qualität der Arbeit geachtet werden. „Manchmal kann man den Eindruck gewinnen, dass mit einem Eimer Wasser gleich mehrere Bahnhöfe hintereinander gewischt werden“, sagte Uwe Kutscher, der bei der BVG für die Instandhaltung und Modernisierung der Bahnhöfe zuständig ist. Besonders ärgerlich für Kutscher ist, wenn gerade mit Millionenaufwand frisch renovierte Stationen in kürzester Zeit wieder verdrecken und mit Graffiti beschmiert werden. Verantwortlich dafür seien einige wenige. Der Aufwand für die Reinigung müsse aber von allen Fahrgästen und dem Steuerzahler getragen werden.
BVG-Bauchef Kutscher will daher auch mit einigen baulichen Änderungen dafür sorgen, dass die Bahnhöfe nicht so schnell verwahrlosen. Als Schwachpunkt erwiesen sich in der Vergangenheit insbesondere die Papierkörbe, die oft demoliert werden und deren Inhalt sich dann schnell in der gesamten Station ausbreitet. Um die Zahl von Dreckecken zu verringern, soll zum einen die Zahl der Körbe auf den Bahnsteigen verringert, gleichzeitig aber einer neuer, robuster Typ aus Edelstahl aufgestellt werden. „Die sind zwar etwas teurer in der Anschaffung, über die Zeit rechnet sich das aber“, so Kutscher.
Ungeliebte Schutzfolien
Doch auch die Fahrzeuge sollen künftig besser gegen Vandalismus und Verschmutzung geschützt werden. Die Maßnahmen dazu sind allerdings nicht unumstritten. Besonders in der Kritik der Fahrgastvertreter ist etwa die Schutzfolie mit dem „Brandenburger-Tor-Signet“, mit der seit 2003 die Fensterscheiben der U-Bahn-Wagen beklebt werden. Sie sollen das sogenannte Scratching – das Zerkratzen – der Scheiben erschweren. Für die Fahrgäste bedeutet das allerdings, dass ihre Sicht nach draußen stark eingeschränkt wird. Die BVG verweist darauf, dass sie durch den Folieneinsatz bereits eine Million Euro weniger für die Schadensbeseitigung ausgeben musste. „Der Erfolg gibt uns recht“, sagte U-Bahn-Chef Kaiser.
Eine ähnliche Wirkung erhofft sich Kaiser von einer weiteren, gleichfalls umstrittenen Neuerung. So werden bei der Modernisierung von 182 Wagen der in den 70er-Jahren gebauten F-Reihe – leicht erkennbar an den quer eingebauten Sitzbänken – die Sitzpolster durch Schalensitze aus Plastik ersetzt. Rund eine Million Euro muss die BVG jährlich bezahlen, um aufgeschlitzte oder zerstochene Polster zu reparieren. Plastiksitze, so Kaiser, hätten sich in umgebauten Testwagen bisher als vandalismusresistent erwiesen.
Kritiker der neuen Sitze monieren dagegen, dass diese nicht nur den Sitzkomfort deutlich verschlechtern, sondern etwa bei Schnellbremsungen auch für unfreiwillige Rutschpartien sorgen könnten. „Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht“, sagte Martin Süß, bei der U-Bahn verantwortlich für die Fahrzeuge. Bei mehreren Fahrgast-Befragungen zwischen 2003 und 2009 seien drei Sitztypen – neben der Kunststoffschale auch der Holzsitz und der Polstersitz – zur Wahl gestellt worden. Bei der jüngsten Umfrage im Vorjahr hätten sich immerhin 81 Prozent der Befragten für den Kunststoffsitz ausgesprochen. Eine generelle Umrüstung aller Sitze in der U-Bahn werde es aber nicht geben, betonte Süß.
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