Flughafen BBI
Erste Berliner gründen Initiative gegen Flugrouten
Donnerstag, 9. September 2010 10:06 - Von Katrin SchoelkopfBewohner von Wannsee und Nikolassee wollen gegen die Streckenführung beim Großflughafen BBI vorgehen. Sie fürchten Fluglärm. Aus der Brandenburgerf CDU heißt es, man glaube im Zusammenhang mit BBI gar nichts mehr.

Im Berliner Süden regt sich Widerstand gegen die von der Deutschen Flugsicherung (DFS) erstmals vorgestellten Abflugrouten vom künftigen Hauptstadtflughafen BBI. So herrscht vor allem Unsicherheit darüber, inwieweit die geplanten Strecken zu Lärmbelastungen insbesondere in Wannsee und Nikolassee führen. Nur zwei Tage nach Bekanntwerden gründet sich in den Ortsteilen bereits eine Bürgerinitiative gegen die Flugroutenplanung.
Bei der Planfeststellungsbehörde heißt es intern, dass die Deutsche Flugsicherung damals darüber nicht informiert habe. Die Grünen-Bundestagsabgeordnete Cornelia Behm nannte die BBI-Planungen am Mittwoch „ein Stück aus dem Tollhaus“, weil nun „auf einmal ganz andere Kommunen vom BBI betroffen sein können“. „Neben der Region Teltow könnte nun auch wieder das Berliner Stadtgebiet zum Überfluggebiet gehören“, sagte Behm. Auch Zehlendorfs Bürgermeister Norbert Kopp (CDU) findet deutliche Worte, nachdem er sich am Dienstag noch abwartend geäußert hatte. Nun nannte auch er die Vorschläge der DFS „inakzeptabel“.
„Wir sind völlig überrascht worden von den Vorschlägen, wurden am Verfahren nicht beteiligt und hatten keinerlei Gutachten bekommen“, sagte Kopp. Er habe auch „die eine oder andere E-Mail von besorgten Bürgern“ bekommen. Mit der neuen Bürgerinitiative will sich der CDU-Politiker am Donnerstag treffen.
CDU wirft Senat Desinformationspolitik vor
Wie berichtet wird vor allem der Süden Berlins überflogen. Betroffen sind die Bezirke Steglitz-Zehlendorf, Tempelhof-Schöneberg, Neukölln und Treptow-Köpenick. Aber auch über Friedrichshain-Kreuzberg, Mitte und Marzahn-Hellersdorf verlaufen die Abflugrouten. Die DFS nannte bislang eine Überflughöhe von 3000 Metern und stufte dies als nicht lärmrelevant ein. Auch in Wannsee, wo die Maschinen voraussichtlich in einer Höhe von 2000 bis 2600 Meter fliegen werden, erwarten Experten „keine Lärmrelevanz“. Auch am Mittwoch hieß es vonseiten der DFS, dass es mit der Eröffnung des BBI eine deutliche Lärmentlastung für Berlin gibt. „So niedrig wie aufgrund des Flughafens Tegel derzeit über Berlin geflogen wird, wird kein Flugzeug mehr über dem Stadtgebiet fliegen“, sagte Hans Niebergall von der DFS.
Dennoch ist die Verunsicherung und auch die Empörung vor allem darüber, dass den Anwohnern offenbar Informationen vorenthalten wurden und man überrascht wurde, groß. „Es kann unmöglich sein, dass der rot-rote Senat jahrelang das Argument der notwendigen Schließung Tegels und Tempelhofs – auch und gerade aus Lärmschutzgründen – wie eine Monstranz vor sich hertrug und die Berliner nun durch die Hintertür zum Beschallungsraum werden“, teilte die CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus mit. „Wir werfen dem Senat eine Desinformationspolitik vor und fordern umgehend Aufklärung und Transparenz in den anstehenden Verhandlungen zu den Routen“, sagte die CDU-Abgeordnete Cornelia Seibeld.
Von der Brandenburger CDU, die die Flughafenpolitik als langjährige Regierungspartei bis zur letzten Landtagswahl im September 2009 entscheidend mit zu verantworten hat, hieß es am Mittwoch von ihrem Generalsekretär Dieter Dombrowski lediglich, dass er „im Zusammenhang mit dem BBI gar nichts mehr glaube“. Bei den Grünen im Berliner Abgeordnetenhaus verweist man auf den CDU-Mann und ehemaligen Regierenden Bürgermeister Eberhard Diepgen, der mit seiner Entscheidung für Schönefeld als neuem Großflughafen und Single-Airport „uns einen Bärendienst“ erwiesen habe. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass mit den geplanten Flugrouten über Berlin die Umweltbilanz, die den BBI rechtfertigt, aufgeht“, sagt die verkehrspolitische Sprecherin der Grünen, Claudia Hämmerling. „Wer wirklich glaubt, dass 200.000 Berliner mit dem BBI vom Lärm entlastet und nur 42.000 belastet werden, wäre mit dem Klammerbeutel gepudert.“
FDP warnt vor Panikmache
Nach Angaben der Flughafengesellschaft aber hat diese Umweltbilanz auch mit den neuen Flugrouten Bestand. „Mit dem BBI wird es eine deutliche Lärmentlastung geben, auch wenn das Stadtgebiet in mehreren Tausend Metern Höhe überflogen wird“, sagte Flughafensprecher Ralf Kunkel. „Nach wie vor gilt, dass mit der Schließung von Tegel und Tempelhof und der Bündelung des Flugverkehrs auf dem BBI 200.000 Menschen in Berlin entlastet und 42.000 Menschen belastet werden.“ Die Zahlen beziehen sich auf die Anzahl der Menschen, die in den ausgewiesenen Flughafen-Lärmzonen mit Anspruch auf Schallschutz liegen.
Experten glauben nicht, dass sich diese Lärmzonen durch die neuen Flugrouten nach Berlin hinein verschieben. Derzeit liegen als Berliner Gebiete nur Bohnsdorf, Müggelheim und Karolinenhof, die zu Treptow-Köpenick gehören, in den derzeit gültigen Lärmzonen. Der Berliner FDP-Abgeordnete Klaus-Peter Lüdeke warnt indes vor Panikmache. „Dass jetzt Flugzeuge über Wannsee und Nikolassee wummern, ist blanker Unsinn. Man sollte kein Schreckgespenst an die Wand malen.“ Schon heute würden Maschinen über Wannsee fliegen. Dennoch fordert der Abgeordnete, der selbst in Nikolassee wohnt, genaue Informationen zu geplanten Flughöhen und entsprechenden Lärmwerten. Der Verkehrsexperte der SPD, Christian Gaebler, äußerte Verständnis für die Besorgnis der Anwohner, sagte aber auch, dass in Wannsee Flugzeuge nicht über die Köpfe donnern würden wie es zum Beispiel in den Gemeinden am BBI der Fall ist. „Unser Ziel ist es, dass über Berlin entweder keine Maschinen fliegen oder eine Höhe eingehalten wird, die keine Lärmbelastung darstellt.“






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