06.09.10

Flugrouten

Wo die BBI-Jets über Berlin fliegen sollen

Wenn der neue Hauptstadtflughafen BBI in Betrieb geht, müssen sich die Anwohner rund um Schönefeld auf mindestens dreimal so viele Starts und Landungen einstellen wie bisher. Aber auch Berliner wird es treffen. Morgenpost Online zeigt, wo es laut werden könnte.

Von Katrin Schoelkopf
Foto: pure rendering GmbH

Am 3. Juni 2012 sollte der Flughafen Berlin Brandenburg International in Schönefeld eröffnet werden. Vier Wochen vor dem großen Tag wurde die Eröffnung verschoben. Zum zweiten Mal. Denn ursprünglich sollte der BER am 30. Oktober 2011 an den Start gehen.

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Die Deutsche Flugsicherung (DFS) hat am Montag erstmals der Fluglärmkommission und damit den Bürgermeistern der Anrainerkommunen die Flugrouten vom und zum künftigen Hauptstadtflughafen BBI in Schönefeld vorgestellt. Im Grundsatz stehen die Routen fest. Doch können im Rahmen des vorgeschriebenen mehrmonatigen Beratungsverfahrens noch Änderungen vorgenommen werden. Bis zur Eröffnung des BBI am 3. Juni 2012 müssen die An- und Abflugverfahren jedenfalls endgültig und genehmigt vorliegen.

Nach der Sitzung ist klar, dass die Routen bis über die Mitte Berlins geführt werden. Zur Überraschung der Kommunen aber hat die DFS den Aspekt der Lärmreduzierung durchaus berücksichtigt. Das wurde am Montagnachmittag nach der Sitzung der Flugärmkommission bekannt. Nach Ansicht des Vorsitzenden der "Schutzgemeinschaft Umlandgemeinden Flughafen Schönefeld" und Bürgermeisters von Großbeeren, Carl Ahlgrimm, kann dies zu einer neuen Ausrichtung der Lärmschutzgebiete führen. Damit würden sich auch die Ansprüche der Flughafenanwohner auf Schallschutz ändern.

Klar ist zunächst, dass aufgrund des Parallelbetriebs der zwei Start- und Landebahnen am BBI die Routen der startenden Maschinen nicht mehr in der direkten Verlängerung der Bahnen liegen werden, sondern jeweils mindestens 15 Grad nach außen abknicken. Parallel startende Maschinen drehen also voneinander ab – wie weit voneinander hängt von der Größe der Maschinen ab.

Damit würden Kommunen in der direkten Verlängerung der Bahnen wie Blankenfelde oder Diedersdorf im Westen des BBI und voraussichtlich Schulzendorf und Eichwalde im Osten von startenden Maschinen nicht direkt überflogen. Andere Gemeinde dagegen wie Rangsdorf müssen mit mehr Lärm als bislang angenommen rechnen. Die Anflugrouten zum BBI bleiben wie sie sind. So werden Maschinen im Endanflug 20 Kilometer vor den Landebahnen gradlinig darauf zugeführt.

"Ich bin positiv überrascht, dass die Deutsche Flugsicherung die Flugrouten nicht nach Schema F festgelegt hat und wider Erwarten die Maschinen nicht gradlinig von den Bahnen starten lassen will", sagte der Vorsitzende der "Schutzgemeinschaft Umlandgemeinden Flughafen Schönefeld" und Bürgermeister von Großbeeren, Carl Ahlgrimm (parteilos), gestern nach der Sitzung der Fluglärmkommission. "Den eigentlichen Paukenschlag" aber nennt Ahlgrimm, die Folgen, die mit der von der DFS vorgesehenen Routenführung verbunden sind. "Dass die Maschinen nach dem Start jetzt nach Norden beziehungsweise nach Süden schwenken müssen, ändert natürlich die im BBI-Planfeststellungsbeschluss festgelegten Lärmkonturen", sagt Ahlgrimm. "Die Lärmteppiche werden verlagert und damit ändert sich natürlich auch die Anspruchsberechtigung der Einwohner auf Schallschutz."

Wer zum Beispiel aufgrund seines Anspruchs aus dem Planfeststellungsbeschluss bereits schallschutzdichte Fenster eingebaut bekommen hat, hat demnach möglicherweise keinen Anspruch mehr darauf, während Anwohner plötzlich mehr belasteter Kommunen Anspruch hätten. "Warum die Planfeststellungsbehörde im Brandenburger Infrastrukturministerium die Vorschrift von 2004, dass startende Maschinen bei Parallelbetrieb von einander abdrehen müssen, im Planfeststellungsbeschluss, der ebenfalls von 2004 ist, nicht berücksichtigt hat, ist völlig unklar", sagte Ahlgrimm.

Derzeit haben 25.000 Haushalte und damit um die 45.000 Menschen Anspruch auf Schallschutzmaßnahmen wie den Einbau von Lärmschutzfenstern.

Dass die Lärmbelastung mit der Bündelung des Flugverkehrs auf nur noch einen Flughafen wesentlich stärker als durch das derzeitige Flugverkehraufkommen in Schönefeld wird, liegt auf der Hand, schließlich wird sich der Flugverkehr mehr als verdreifachen. Von derzeit 75.000 Starts und Landungen werden es bei Start des BBI mindestens 230.000 sein.

Nicht nur die Anrainerkommunen und die entfernter gelegenen Gemeinden wie Stahnsdorf und Teltow im Westen oder Erkner im Osten werden mehr belastet, sondern auch über dem Berliner Süden und der Berliner Mitte muss jetzt mit mehr Flugbetrieb und Lärm gerechnet werden. So reichen die Flugrouten anders als bisher bis über die Bezirke Friedrichshain-Kreuzberg und Mitte. Dort allerdings werden die Maschinen bereits in einer Höhe von drei Kilometern fliegen. Experten nennen diese Höhe "nicht mehr fluglärmrelevant". In Stahnsdorf, Teltow oder Erkner aber haben startende Maschinen erst eine Höhe von 1700 Metern erreicht, wird also auch dort mehr Lärm zu erwarten sein. Insbesondere der Westen des BBI wird mehr belastet sein, weil der Wind zu 60 Prozent aus Westen kommt und Maschinen gegen den Wind starten.

Bis letztlich das Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung (Baf) die BBI-Flugrouten der DFS genehmigt, durchläuft die Routenfestlegung ein zeitlich vorgeschriebenes Beratungsverfahren, an dem nicht nur die Fluglärmkommission, sondern auch das Bundesjustizministerium, das Bundesumweltamt und schließlich das Baf beteiligt sind. Mit der gestrigen Sitzung der Fluglärmkommission hat das förmliche Verfahren noch nicht begonnen. Denn aufgrund der siebenmonatigen Verzögerung beim Bau des BBI und geplanter Fertigstellung am 3. Juni 2012 beginnt das Verfahren voraussichtlich erst im Frühjahr 2011. "Wir wollen, dass die Routen Mitte 2011 mit uns beraten und abgestimmt sind, damit sie Mitte 2011 zur Genehmigung vorliegen", sagte der Vorsitzende der Umlandgemeinden Ahlgrimm.

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