PR-Kampagne
Berliner Lokal kokettiert mit Kannibalen-Essen
Donnerstag, 2. September 2010 07:26 - Von Johannes WiedemannEin neues Berliner Restaurant wirbt mit Gerichten nach "Wari"-Tradition. Die Wari sind brasilianische Ureinwohner – und dafür bekannt, in ihrer Geschichte Kannibalismus praktiziert zu haben.
Leber mit Butterbohnen, Schenkel vom Grill, Fleischstücke mit Reis – diese sehr allgemein klingenden Gerichte stehen auf der Speisekarte des neuen brasilianischen Restaurants Flimé, das angeblich am 8. September in Berlin eröffnen soll. Dass nicht dabei steht, von welchem Tier das Fleisch stammt, hat einen Grund: Die Betreiber kokettieren damit, dass sie als „erstes Restaurant weltweit“ das Essen nach „Wari-Tradition“ zubereiten. Die Wari sind brasilianische Ureinwohner – und dafür bekannt, in ihrer Geschichte Kannibalismus praktiziert zu haben.
Vor allem auf der Website des neuen Restaurants wird das groteske Possentheater an seine Grenzen getrieben: Dort steht ein Antragsformular für die Mitgliedschaft im Flimé bereit. Es erfasst unter anderem den Körpermasse-Index der Bewerber und stellt intime Fragen zu ihrem körperlichen Befinden. In einer Fußnote steht: „Mitglieder erklären sich dazu bereit, einen beliebigen Teil ihres Körpers an das Flimé zu spenden.“ Dabei könnten die Kandidaten den Körperteil selbst bestimmen, das Restaurant übernehme die Krankenhauskosten. Die Fußnote schließt mit dem Satz: „Der Verwendungszweck der Spende ist dem Flimé frei überlassen.“
Ernst genommen wird der absurde Hype natürlich von niemandem. „Wir halten das selbstverständlich für eine groß angelegte PR-Kampagne“, sagte Marie-Luise Dittmar, Sprecherin der Senatsverwaltung für Gesundheit, Morgenpost Online. Ob es sich beim Flimé um ein Restaurant handle oder sich etwas ganz anderes dahinter verstecke, werde man kommende Woche sehen: „Da warten wir mal ab“.
Von moralischer Entrüstung lässt sich die absurde PR-Kampagne natürlich nicht aufhalten. So lädt das Flimé am Donnerstag gar zu einem Pressetermin in Friedrichshain ein. Dabei solle „der Zweifel, ob und in welcher Form Menschenfleisch angeboten wird, durch eine kostenlose Verkostung aufgehoben werden“, heißt es in einer Mitteilung. Flimé-Sprecher Thomas Richter weigert sich indes, die Motivation hinter der Farce vor dem 8. September zu enthüllen. Auf Nachfrage von Morgenpost Online teilte er mit, bei der Gewerbeanmeldung bei der Stadt habe man nicht angegeben, dass man Menschenfleisch anbieten wolle – sondern nur „Fleisch“. Das Konzept sei aber von „Rechtsexperten“ geprüft und als vertretbar befunden worden. „Ich bin überzeugt, dass wir keine juristischen Probleme bekommen werden“, so Richter.
Letzteres ist wohl der einzige Aspekt der Kannibalen-Posse, der stimmt. Das Anbieten von Menschenfleisch wäre sowohl sitten- als auch lebensmittelrechtlich ein grober Verstoß – aber, wie ein Sprecher der Berliner Polizei Morgenpost Online sagte: „Strafrechtlich bedenklich ist bisher gar nichts. Für uns besteht daher kein Grund, etwas zu tun.“






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