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Berliner Stadtschloss

Virtueller Einblick ins Humboldt-Forum

Ob das Schloss gebaut wird, ist nach dem Sparbeschluss der Bundesregierung ungewiss. Dennoch zeigt nun eine Ausstellung Entwürfe für die Gestaltung der Museumssflächen.

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Blick in den Schlüterhof, wie er einmal sein soll - die Simulation zeigt, wie es bei einem Konzert aussehen könnte.
Foto: BBR
Blick in den Schlüterhof, wie er einmal sein soll - die Simulation zeigt, wie es bei einem Konzert aussehen könnte.

Im lichtdurchfluteten Museumssaal stehen gläserne Kuben, in deren Innerem geheimnisvoll fremdartige Skulpturen schweben. Diese und andere Visionen für die Gestaltung der Ausstellungsflächen im Humboldt-Forum werden seit Sonntag im Kronprinzenpalais gezeigt. Seltsam aus der Zeit gefallen wirken bei dieser Schau nicht nur Kunstschätze hinter Glas – sondern vor allem die aus einem Wettbewerb hervorgegangenen Gestaltungsvorschläge selbst. Die in der Präsentation versammelten Entwürfe gehen auf einen Wettbewerb zurück, der im März dieses Jahres ausgelobt wurde – drei Monate vor dem Beschluss, den Baubeginn aus Spargründen zu verschieben.

Präsentation trotz Schloss-Streits

Während also die Befürworter der Schloss-Rekonstruktion, in der das Humboldt-Forum seine Heimat finden soll, befürchten, dass der Wiederaufbau des Schlosses nicht nur verschoben, sondern auch ganz aufgehoben sein könnte, präsentiert das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) unverdrossen im Auftrag der Stiftung Berliner Schloss – Humboldt-Forum die Arbeiten von 16 Planerbüros, die sich an dem Wettbewerb beteiligt hatten. Vier der Arbeiten wurden dabei jeweils mit 13.000 Euro Preisgeld ausgezeichnet. Aufgabe des Wettbewerbs war es, für die musealen Nutzungen im Humboldt-Forum – immerhin handelt es sich hierbei um 17500 Quadratmeter der insgesamt 40.000 großen Nutzfläche im Weltkulturforum – eine überzeugende Lösung zu erarbeiten.

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Für das Ethnologische Museum und das Museum für Asiatische Kunst in Dahlem, die beide an den Schloßplatz in Mitte geholt werden sollen, galt es, „das in den Museen gesammelte Wissen und Können in ihren historischen Dimensionen verständlich und lebendig für alle Generationen zu machen“, wie es im Auslobungstext heißt. Eine Aufgabe, der sich offenbar nur wenige Ausstellungsarchitekten gewachsen fühlten. „Insgesamt haben 89 Büros die Wettbewerbsunterlagen angefordert“, sagt BBR-Sprecher Andreas Kübler. Tatsächlich Entwürfe für die Ausstellungsflächen abgegeben haben dann jedoch nur 16 Planergruppen.

Dass die Arbeit der Ausstellungsgestalter umsonst gewesen sein könnte, weil das Projekt Wiederaufbau in eine unbestimmte Zukunft verschoben wurde, weist Kübler zurück. „Die Museen in Dahlem werden nicht erst 2014, sondern umgehend die Verhandlungen mit den vier ausgezeichneten Büros aufnehmen“, sagt er. Schließlich ginge es nunmehr darum, die ausgewählten Schausysteme so weiterzuentwickeln, dass sie zu den Exponaten der Museen passen.

Misstrauen der Schlossfreunde

Die Wettbewerbsjury, in der Architekten, Ausstellungsgestalter, Ethnologen, Kunsthistoriker, Vertreter des Bundesbauministeriums sowie Manfred Rettig, Vorstand und Sprecher der Stiftung Berliner Schloss – Humboldt-Forum, und Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, sitzen, sprach sich schließlich einstimmig für die Entwürfe der Arbeitsgemeinschaften Iglhaut + von Grote (Berlin), Merz Sauter Zimmermann GmbH (Stuttgart), Ralph Appelbaum Associates (London) und Raumkontor Innenarchitektur (Düsseldorf) aus.

In den schriftlichen Beurteilungen der Jury fällt vor allem eines auf: Alle Preisträger werden explizit dafür gelobt, dass die Verfasser „von der vorgegebenen Schlossarchitektur ausgehen“ oder sich stark auf die „Leitidee des Humboldt-Forums beziehen“. Offenbar wollte man so unmissverständlich klarstellen, dass die eingereichten Arbeiten nicht so ohne Weiteres als Sanierungsanleitung für die maroden Museen in Dahlem umgenutzt werden können.

Das Misstrauen der Schlossfreunde scheint nicht unberechtigt: Baustart des 552 Millionen Euro teuren Neubaus sollte eigentlich bereits Anfang kommenden Jahres sein. Bundesbauminister Peter Ramsauer (CDU) hatte kurz nach dem Sparbeschluss der Regierung verkündet, mit dem Schlossbau noch in dieser Legislaturperiode 2013 beginnen zu wollen, um so zu gewährleisten, dass bei einem Regierungswechsel auf Bundesebene am Schlossbau nicht mehr gerüttelt werden kann. Der Architekt des Berliner Schlosses, Franco Stella, äußerte sich am Sonnabend zuversichtlich über die Fortsetzung des gestoppten Projektes: „Wir wollen noch in diesem Jahr mit dem Genehmigungsverfahren beginnen.“

Ausstellung der Wettbewerbsarbeiten: Kronprinzenpalais, Unter den Linden 3 in Mitte. 29. August bis 19. September, täglich von 10 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei



Erschienen am 29.08.2010

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