Abonnenten-Login Serviceangebote der Berliner Morgenpost Specials der Berliner Morgenpost
26.08.10

Klimaschutzgesetz

Gutachten löst neue Debatte über Kosten aus

In einigen wenigen Fällen ist die Verwendung erneuerbarer Energien wirtschaftlich. Das belegt ein Gutachten, dass der Senat in Auftrag gegeben hat. Vermieter fordern nun, dass die wirklichen Kosten des Klimaschutzgesetzes offengelegt werden.

Immobilienverbände und Politiker haben davor gewarnt, die Kosten, die durch das geplante Klimaschutzgesetz für Hausbesitzer und Mieter entstehen, zu verschleiern. Morgenpost Online hatte zuvor über ein Gutachten der Berliner Energieagentur im Auftrag von Umweltsenatorin Katrin Lompscher (Linke) berichtet, nach dem der Einbau von Solar-, Holzpellets- und Erdwärmeanlagen nur in einigen wenigen Fällen wirtschaftlich ist. In den Berechnungen der Energieagentur wird deutlich, dass vor allem Besitzer von Ein- und Zweifamilienhäusern, aber auch Mieter mit steigenden Kosten zu rechnen haben, sollte das Klimaschutzgesetz die Verwendung erneuerbarer Energien vorschreiben.

Die Geschäftsführerin des Landesverbands freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen, Hiltrud Sprungala, sagte: „Wie das Gutachten offensichtlich belegt und von allen immobilienwirtschaftlichen Verbänden mehrfach moniert wurde, löst das Gesetz tief greifende wirtschaftlich und sozial belastete Folgen aus, die weder von den Hauseigentümern noch von den Mietern in dieser Stadt getragen werden könnten.“ Nach dem Gutachten könnten auf Hausbesitzer binnen 20 Jahren wirtschaftliche Verluste von einigen tausend Euro zukommen. Sprungala nannte es ein „Unding, dass das Gutachten den von den energetischen Maßnahmen betroffenen Eigentümern und Mietern offensichtlich bewusst vorenthalten wird.“ Das Gutachten der Energieexperten aus dem Februar dieses Jahres war bisher unveröffentlicht.

Maren Kern, Vorstandsmitglied beim Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen e.V. (BBU) sagte: „Das Gutachten der Energieagentur selbst belegt, dass die vom Senat vorgesehenen Klimaschutzmaßnahmen unwirtschaftlich sind. Damit sind sie auch unsozial.“ Umweltsenatorin Lompscher will in dem Klimaschutzgesetz den Kohlendioxidausstoß um 40 Prozent senken. Um dieses Ziel zu erreichen, soll es eine Pflicht geben, Häuser zu dämmen oder auf regenerative Energien wie Solar oder Erdwärme zu setzen. Die Umweltsenatorin verteidigte gestern das geplante Klimaschutzgesetz. „Vor allem wollen wir mit dem Gesetz den Einsatz erneuerbarer Energien forcieren und den Energieverbrauch senken. Dafür sind auch Investitionen nötig. Die Belastungen, die auf Hausbesitzer und Mieterinnen und Mieter zukommen, werden aber zumutbar bleiben“, sagte Lompscher.

Kritik auch von der SPD

Vertreter der Oppositionsparteien und auch der SPD kritisierten Lompschers Vorgehen. Daniel Buchholz, umweltpolitischer Sprecher der SPD, der sich für ein Klimaschutzgesetz einsetzt, sagte: „Klimaschutz gibt es nicht zum Nulltarif. Man muss sich da ehrlich machen. Wir brauchen eine faire Diskussion.“ Er sprach sich dafür aus, für Härtefälle wie beispielsweise Rentner, die im Eigenheim wohnen, Ausnahmeregelungen zu schaffen. Auch wenn es technisch und wirtschaftlich nicht möglich oder unzumutbar sei, müsste es Befreiungen von der Pflicht zum Klimaschutz geben. Buchholz fordert die Umweltsenatorin auf, ein Stufenmodell ähnlich wie bei der Umweltzone einzuführen.

Der CDU-Partei- und Fraktionsvorsitzende Frank Henkel sagte: „Frau Lompscher muss mit der Wahrheit über die Kosten für die Berliner Mieter und Hauseigentümer herausrücken.“ Klimaschutz sei wichtig, aber er müsse wirtschaftlich und sozial verträglich gestaltet werden, so Henkel. „Die Belastungen für die Eigentümer und Mieter sind hoch genug.“ Klaus-Peter von Lüdeke, Vize-Fraktionsvorsitzender der FDP, sagte gestern: „Das Gutachten bestätigt die Befürchtungen der FDP-Fraktion. Auch mit dem nun nunmehr vierten Entwurf eines Klimaschutzgesetzes aus dem Hause der Umweltsenatorin Karin Lompscher entstehen eindeutig erhebliche Belastungen für die Berliner Mieter und Hauseigentümer.“

Leser-Kommentare
Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

Die Moderation der Kommentare liegt allein bei MORGENPOST ONLINE.
Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in der Netiquette.
blog comments powered by Disqus
 
Top-Thema
Schwarze Frauenbeine mit High-Heels
Gefahr durch High Heels

Je höher der Absatz ist, desto ungesünder sind die Schuhe.

Video Nachrichten mehr
Störungen Kabelbrand legt Berliner S-Bahn lahm
Euro-Debatte Thilo Sarrazin stellt neues Buch vor
Hollywood in Cannes Brad Pitt begeistert mal wieder auf ganzer Linie
Drama in Bayern Bayerische Schüler in Angst vor Amoklauf
 
PromoTeaser_img.jpg
Urlaub an der See

Aktuelle Reisetipps für Ihren nächsten Deutschlandurlaub.mehr

Sommerkoll-klein.png
Sommer Trends

Lindner - Das sind die Sommer Trends 2012!mehr

bio10_onsite-teaser.jpg
Netzwerker

Für eine moderne Energieversorgung in Berlinmehr

 
Top Bildershows mehr
Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

A380 und A400M

Große Flugzeuge am Himmel über der Region

Nahverkehr

S-Bahn-Verkehr nach Kabelbrand gestört

In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote