Film mit Shah Rukh Khan
Hunderte Berliner wollen nach Bollywood
Der indische Superstar Shah Rukh Khan dreht die Fortsetzung seines Actionknallers "Don" - und zwar in Berlin. Dafür werden in der Hauptstadt noch Komparsen gesucht. Beim ersten Casting gab es lange Schlangen.
Von Anne-Catherine Ziege
Shah Rukh Khan und eine klare Ansage: "Heirate mich!" Im richtigen Leben wären bestimmt sehr viele Fans bereit.
Paul Ögütcü hat sich schick gemacht. Im Nadelstreifenanzug und mit Krawatte steht er vor der Casting-Agentur „Filmgesichter“ in Tiergarten. Eigentlich ist Paul Rezeptionist, arbeitete die letzten Jahre in Spanien und Südamerika. Er hat viel von der Welt gesehen. „Jetzt will ich was ganz Neues ausprobieren“, erzählt der 32-Jährige aus Charlottenburg. „Den Horizont erweitern“, nennt er das. Im Internet hat er den Casting-Aufruf entdeckt: „Komparsen für Bollywoodproduktion gesucht.“ Gelesen, getan. Mit Bollywood habe er ja eigentlich nichts am Hut, gesteht Paul. Aber er sei eben offen – für alles.
„Filmgesichter“ sucht insgesamt rund 3000 Komparsen für den zweiten Teil des Bollywoodthrillers „Don“ mit dem indischen Superstar Shah Rukh Khan. Gestern ist das erste Schaulaufen gewesen. Am 27. August und 1. September folgen weitere Termine. Auf einem grünen Zettel im Schaufenster der Agentur ist gut sichtbar der Ablauf des Castings knapp aufgelistet. Punkt eins: Anstellen und Komparsenbogen ausfüllen. Auch Paul Ögütcü reiht sich in die Schlange der Wartenden ein. Es ist 13.45 Uhr, eine Viertelstunde vor dem offiziellen Beginn. Und doch wartet schon eine Reihe potenzieller Statisten vor der Agentur auf Einlass. Auch Paul.
Um Punkt 14 Uhr öffnen sich die Türen, Komparsenbögen werden gereicht. Mittlerweile ist die Schlange auf 100 Meter angewachsen. Die unterschiedlichsten Menschen wollen da rein, in die Räume der Casting-Agentur und in deren Datenbank. Männer und Frauen sind gekommen, zwischen 18 und 60 Jahren ist jede Alterklasse dabei. Wie Paul Ögütcü sind viele Männer im Anzug erschienen. Kein Zufall. Im Aufruf hieß es: „Gesucht werden insbesondere Business-Leute, Politiker-Typen und Anzugträger.“ Die meisten dieser Anzugträger können auf ihrem Komparsenbogen bei der Frage „Ich besitze einen sehr edlen Anzug“ guten Gewissens ein Kreuzchen im Kästchen „ja“ machen. Der erste Schritt.
Andere Fragen auf dem weißen A5-Bogen sind hingegen ausgefallener: Neben den üblichen persönlichen Daten und äußeren Merkmalen wie Körpergröße und Haarfarbe, werden auch andere Informationen abgefragt. Die Bewerber müssen Angaben zu Piercings oder Tattoos, über eventuelle Haustiere oder Tanzstile, die sie beherrschen, machen. Nez Askim (28) bleibt gelassen. Sie hat als Komparsin in verschiedenen Film- und Fernsehproduktionen mitgewirkt. Diese Daten werden gewöhnlich bei allen Casting-Agenturen abgefragt. Routine. Abgehakt. Nez Askim stand bereits als Haremsdame von Arnold Schwarzenegger im Film „In 80 Tagen um die Welt“ vor der Kamera. „Ich habe allgemein Interesse an Komparsenrollen, es macht Spaß und ist ein guter Zuverdienst.“ Für die Bollywoodproduktion bekommen die Komparsen 55 Euro pro Drehtag. Lockt sie denn auch die Aussicht den Superstar Shah Rukh Khan zu treffen? Die 28-Jährige aus Spandau schüttelt den Kopf: „Ich bin kein Bollywood-Fan.“
Wenige Meter entfernt stehen drei junge Frauen. Sie haben die letzte Bemerkung mitbekommen und lächeln. Auf Nachfrage erklärt Alexandra Schwane (39): „Wir sind riesige Bollywood-Fans!“ Die beiden Frauen, die neben ihr stehen, hat sie gerade erst kennengelernt. Neue Bekanntschaften zu machen sei einfach, die Stimmung ist gelöst. Xenia Kannegießer (28) und ihre Mutter Verena (48) teilen die Leidenschaft für Indien, indische Filme und Shah Rukh Khan. Sie alle lieben die Tänze, Farben und Geschichten der indischen Traumfabrik. „Bollywood kommt ohne Gewalt und Sex aus, die Filme sind ruhig und zart“, sagt Verena Kannegießer, Altenbetreuerin aus Pankow. Sie lebe, weine und fiebere mit den Schauspielern mit – bis zum Schluss. Die Frauen möchten auch einmal Teil dieser bunten aber auch mal ernsten indischen Filmwelten sein. Und im Gegensatz zu Nez Askim wäre es für sie das Größte, dem indischen Superstar Shah Rukh Khan zu begegnen: „Er hat einfach das gewisse Etwas!“
500 Bewerber am ersten Tag
Dem kann sich Simone Ryback (51) nur anschließen. Ihr Mann Bernd (58) schüttelt lachend den Kopf: „Das sind halt die geschlechterspezifischen Unterschiede!“ Das Ehepaar aus Marienfelde besitzt eine eigene Gebäudereinigungsfirma. Nun wollen sie in die Komparsendatei der Agentur „Filmgesichter“ und fühlen sich dafür durchaus geeignet. „Das ganze Leben ist doch ein Film, man spielt immer eine Rolle“, sagt Simone Ryback, die als junges Mädchen im Kabarett aufgetreten ist. Ihr Mann, im Anzug und mit Krawatte, meint, er sei perfekt für den Job im indischen Blockbuster geeignet. Er ist sich sicher, zu all den ebenso gutgekleideten wie gut aussehenden Akteuren eines Bollywoodfilms zu passen: „Ich verkörpere die Sache einfach optisch.“
Agenturinhaberin Johanna Ragwitz erwartet an diesem ersten Tag rund 500 Bewerber. „Ich denke, am Freitag wird es noch mal relativ voll.“ Die Agentur empfiehlt allen Kandidaten deshalb frühzeitig zum Casting zu erscheinen.
So wie es Svenja Golombek getan hat. Die 25-Jährige aus Wilmersdorf studiert eigentlich Tourismus, hat mit der Schauspielerei sonst nichts zu tun. „Ich habe mal als Model für Schwarzkopf in Mailand gearbeitet. Das war aber irgendwie nichts für mich“, erzählt sie. Nun versucht sie ihr Glück beim Film. Nicht, weil sie so ein großer Bollywood-Fan wäre. Als Studentin könne man ja aber immer Geld gebrauchen. So sehen es auch Lili Liu und Sophie Haustein, sie sind 18 Jahre alt und haben gerade ihr Abitur gemacht. Lilis kleine Schwester ist neidisch auf die beiden. Sie ist erst 15, darf noch nicht am Casting teilnehmen. „Aber sie liebt Shah Rukh Khan.“
Die nächsten Termine
Casting: Zwei Casting-Termine für Komparsenrollen im Bollywoodthriller „Don2“ mit dem Schauspieler Shah Rukh Khan stehen noch aus. Am 27. August und am 1. September jeweils von 14 bis 17 Uhr bekommen Berliner und Brandenburger die Chance, in die Kartei der Agentur aufgenommen zu werden. Gesucht werden Business-Leute, Politiker- und Bankertypen, Anzugträger, Models, gut aussehende Männer und Frauen. Hautfarbe und Nationalität sind egal. Bewerberinnen und Bewerber sollten zwischen 25 und 55 Jahren sein.
Daten: Etwa zwei bis vier Wochen nach dem Casting werden die Daten der Bewerber eingestellt. Die Bewerber erhalten eine Bestätigungsmail, dass sie in die Kartei aufgenommen wurden.
Unternehmen: Die Agentur heißt Agentur Filmgesichter, Thomasiusstraße 27 in Berlin-Tiergarten (S-Bahnhof Bellevue). Mehr Informationen im Internet: www.filmgesichter.de
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