Techno
Raver trauern ein bisschen - und feiern dann
Die Party geht weiter. Nur eine Woche nach dem Loveparade-Unglück von Duisburg feierten Tausende Raver am Sonnabend in Berlin-Tempelhof. Bevor sie loslegten, gab es immerhin eine Schweigeminute.
Von Benjamin Gajkowski
Die Flaggen vor dem Eingang des ehemaligen Flughafengebäudes Tempelhof hängen noch auf Halbmast. Hier die deutsche, dann die Berliner, daneben die europäische, blau mit den zwölf goldenen Sternen darauf. Schließlich trauert ganz Deutschland. Allein in Duisburg gedachten Tausende der 21 Menschen, die vor genau sieben Tagen bei der Loveparade starben. Bundespräsident Christian Wulff (CDU) erschien zur Trauerfeier, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) auch, Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SDP) sprach mit tränenerstickter Stimme angesichts der furchtbaren Tragödie, bei der auch über 500 Menschen verletzt wurden.
Fünfzig, sechzig, vielleicht siebzig Meter entfernt von der Trauerbeflaggung am ehemaligen Flughafengelände Tempelhof interessiert das am Samstagabend niemanden mehr. Nicht die Trauerfeier. Nicht die Loveparade. Rund vierhundert Menschen drängen sich in langen Schlangen vor dem Eingang des Hangar zwei. Knapp 10.000 sollen es noch werden. Aus den Autos, die am Straßenrand parken, wummern Bässe. Alle, die hier sind, wollen nur eines: feiern, bis Sonntag um 13 Uhr, wenn die „Dream Berlin“-Party vorbei ist. Wenn David Guetta aufgelegt hat und Tiesto, die beiden Star-DJs. „Schließlich kommen die nicht jeden Monat nach Berlin“, sagt Felix (20) aus Dresden. Den ganzen Tag lang hat er Mandy (35) beim Umzug geholfen. „Aber um Punkt vier Uhr Nachmittags haben wir alles liegen gelassen. Damit wir das hier ja nicht verpassen.“ Ob es unangebracht ist, an einem Tag wie diesem zu feiern? „Nein“, sagt Mandy. „Außerdem soll es ja gleich eine Schweigeminute für die Opfer geben. Das reicht dann. Bei aller Trauer darf man auch nicht vergessen: Es gibt viel mehr Menschen, die nicht von der Tragödie betroffen sind, als solche, die direkt damit zu tun hatten.“ Und auch Felix sieht das so. „Was ist schon angebracht? Soll man jetzt etwa warten? Vielleicht zwei Monate lang oder drei?“
Auch Andreas (29) und Eddy (29) findet es „vollkommen ok“, dass die „Dream Berlin“-Party stattfindet. „Warum absagen?“, fragt Andreas. „Das, was da auf der Loveparade passiert ist, hat doch nichts mit diesem Abend zu tun.“ Doch plötzlich, für einen ganz kurzen Moment, da hatte die Loveparade dann doch noch etwas mit diesem Abend zu tun. Da gedachten die Partygänger den Opfern der Loveparade für eine Minute. Danach wurde gefeiert. Schließlich war die Tragödie schon lange her. Ganze sieben Tage.
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