29.07.10

Nahverkehr

BVG zieht positive Baustellen-Bilanz

An den viel genutzten U-Bahn-Linien U1 und U2 wird zeitgleich gebaut. Das bedeutet für viele Berliner eine Geduldsprobe. An fast allen Orten sind die Arbeiten aber im Zeitplan.

Quelle: tvb
28.07.10 2:00 min.
Die BVG baut an mehreren U-Bahn und Tramlinien gleichzeitig. An den meisten Stellen sind die Arbeiten im Plan.

Der U-Bahnhof Schönhauser Allee ist nackt. Schienen und Schotter sind verschwunden. Keine Hinweisschilder, keine Werbeplakate, kein Aufzug. Nur auf einer hölzernen Behelfstreppe geht es hinauf zur Hochbahntrasse. Auf dem halben Bahnsteig fehlen Seitenwände und Dachplatten. Auf der Nordseite klaffen offene Kabelschächte im bröseligen Beton des alten Perrons. Am Südende montieren Arbeiter bereits die Stahlbewehrung für die neue Plattform. Dafür strahlen die fast 100 Jahre alten Viadukte der Linie U2 schon in frischem Grün.

Seit Pfingsten bauen die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) an der Schönhauser Allee. Zum ersten Mal überhaupt wird die historische Hochbahnstrecke grundüberholt, die Bahnhöfe Schönhauser Allee und Eberswalder Straße saniert. Nur eine von gleich fünf aktuellen Großbaustellen im Berliner U-Bahn-Netz. 145 Millionen Euro fließen allein in diesem Jahr in die Erneuerung maroder Anlagen, in die Abdichtung von Tunneln, die Sanierung von Bahnhöfen. Fast 500 Bauarbeiter sind täglich im Einsatz. An der Karl-Marx-Allee und der Tauentzienstraße, wo die 80 Jahre alten Tunneldichtungen repariert werden. An der U2 in Ruhleben, wo der baufällige Bahndamm erneuert wird. Am Gleisdreieck, wo Viadukte und Bahnsteige saniert, Brücken erneuert werden, wo heute ein riesiger Kran 40 Tonnen schwere Brückenteile der Linie U1 schweben lässt. Und eben an der Linie U2 durch Prenzlauer Berg.

Der Sommer 2010 stellt die Fahrgäste und U-Bahn-Anwohner auf eine harte Probe. Auf den Linien U1 und U2 sind ganze Abschnitte monatelang gesperrt. Statt Zügen fahren Busse. Entlang der Baustellen sind Straßen ganz oder teilweise blockiert. Der Verkehr staut sich. Zum Baustellenlärm kommen Abgase und fehlende Parkplätze.

Die Zwischenbilanz des Bausommers 2010 fällt für die BVG aber positiv aus, wie Infrastruktur-Chef Ralf Baumann sagt. Fast alle Arbeiten liegen im Zeitplan. Und – für das hoch verschuldete Unternehmen ebenso wichtig – das Budget wird nicht überschritten. Verzögerungen gab es wegen des langen Winters nur an der Tauentzienstraße. Trotzdem soll die Baustelle auf der südlichen Fahrbahn im September verschwunden sein, im November auch jene auf der Mittelinsel vor dem KaDeWe.

Bis November müssen sich auch die U-Bahn-Nutzer in Prenzlauer Berg und Pankow noch gedulden. Bis dahin bleibt die Straßenbahnlinie M1 gesperrt. "Im Schatten der Viaduktsanierung", sagt Baumann, wird auch am U-Bahnhof Vinetastraße und den Tramgleisen in Pankow gebaut. Im Oktober sollen die Arbeiten an der Straßenbahn abgeschlossen sein, am 8. November der Verkehr auf der U2 wieder planmäßig rollen. Daran hält die BVG fest, auch wenn seit dem Beginn der Arbeiten auf Bauleiter Reinhard Sept und U-Bahn-Bauchef Uwe Kutscher einige böse Überraschungen warteten. Stärker als erwartet hatte der Rost die stählernen Pfeiler in der Mitte des Bahnsteigs zerfressen. Und auch der Beton der Plattform war brüchiger als erhofft. Statt nur Teile neu zu gießen, erneuern die Arbeiter nun die gesamte Platte.

Denkmalschutz erhöht die Anforderungen

Um den Terminplan zu halten, wird an vielen Stellen gleichzeitig gearbeitet. Kaum 100 Meter vom Bahnhof entfernt dröhnen Sandstrahler hinter hölzernen Verkleidungen. Die sogenannten Einhausungen sollen verhindern, dass Anwohner allzu sehr unter dem Baulärm leiden. So weit die Theorie. Tatsächlich ist an gepflegte Gespräche beim Bummel entlang der Läden nahe der Stargarder Straße kaum zu denken.

Noch ein Stück weiter prasselt ein Funkenregen auf die Mittelpromenade. Auf dem Viadukt zischt der Schweißbrenner. Hunderte sogenannte Buckelbleche, in denen das Schotterbett ruht, werden ersetzt. Zehntausende Nieten aus der Kaiserzeit müssen dafür buchstäblich geköpft werden. Künftig werden Schrauben die Bleche halten – Handwerker, die die alte Technik mit glühend heißen Stahlbolzen beherrschen, gibt es kaum noch.

Sehen darf man den Unterscheid aber nicht. Das Hochbahnviadukt samt Bahnhöfen steht unter Denkmalschutz. Deswegen wurden die Schrauben des 21. Jahrhunderts der Nietenoptik des Jahres 1913 angepasst. Auch die grüne Farbe der Stahlkonstruktion entspricht den Vorgaben der Denkmalschützer. Nach der Viaduktsanierung wird die BVG 2011 auch die Mittelpromenade mit historischem Pflaster und Beleuchtung verschönern. 200 neue Bäume werden als Ersatz für die 40 gefällten Linden gepflanzt.

Unter dem nostalgischen Äußeren wird sich dann aber moderne Technik verbergen. Ein elektronisches Stellwerk steuert künftig den Zugverkehr. Auf neuen Gleisen wird die U2 fünf Kilometer pro Stunde schneller sein – und trotzdem leiser. Spezielle Gummimatten unter dem Schotter werden den Lärm Berechnungen zufolge um zehn Prozent reduzieren.

© Berliner Morgenpost 2013 - Alle Rechte vorbehalten
Die Favoriten unseres Homepage-Teams

Warmfeiern: Fans auf der Berliner Fanmeile vor dem Champions-League-Endspiel zwischen Dortmund München
Aktualisiert vor 54 MinutenChampions-League-Finale
Henkel beruhigt – Fanmeile kein konkretes Anschlagsziel

Das Bundeskriminalamt hat vor Terrorgefahr auf deutschen Fanmeilen gewarnt. Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU) sieht keine konkrete Gefahr. Auf der Berliner Fanmeile ist noch sehr wenig los. mehr...

title
Aktualisiert vor 7 MinutenLive-Ticker
Countdown läuft - Wembley öffnet die Pforten

Ab 20.45 Uhr hat das Orakeln ein Ende, wer holt den Henkelpott nach Deutschland, Dortmund oder Bayern? Doch vorher gibt es hier alles Wissenswerte und Abseitige zum großen Finale in Wembley. mehr...

Berliner SPD-Mitgliederversammlung
15:56Landesparteitag
Berliner SPD kürt Eva Högl zur Spitzenkandidatin

Eva Högl führt die Hauptstadt-Genossen in den Wahlkampf. Die rund 220 Delegierten der Landes-SPD wählten die Direktkandidatin für den Wahlkreis Mitte mit 77,5 Prozent. mehr...


In einer U-Bahnstation der Linie U5 hat ein 14-Jähriger einem Mann mit einem Messer das Gesicht zerschnitten
17:31In U-Bahnstation
Jugendlicher schneidet mit Messer Mann das Gesicht auf

Ein 14-Jähriger pöbelt einen offenbar behinderten Mann an. Ein anwesender Fahrgast stellte sich schützend vor den kranken Mann. Kurz danach schlitzt der Jugendliche dem Mann das Gesicht auf. mehr...

Leser-Kommentare Kommentare
Leserkommentare sind ausgeblendet.
Kommentare einblenden
Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

Die Moderation der Kommentare liegt allein bei MORGENPOST ONLINE.
Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in der Netiquette.
blog comments powered by Disqus
Top-Thema
title
Start-ups in Berlin

Gründerzeit: Die Serie und das Blog der Berliner Morgenpost.

Video Nachrichten mehr
Krawalle Wieder Ausschreitungen in Stockholm
Washington Brücke in USA eingestürzt
Grundsatzrede Obama will strengere Regeln für Drohnenangriffe
Queen of Soul Aretha Franklin braucht eine kleine Auszeit
Top Bildershows mehr
Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

Fotogalerie

Das sind die Berliner Bilder des Tages

Fanfest

Berlins Fanmeile Champions-League-Finale

In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote