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28.07.10

Chronik des Missbrauchs

Ein Skandal breitet sich im gesamten Land aus

16. Februar

Nachdem am Canisius-Kolleg die ersten Verdachtsfälle bekannt geworden waren, weitet sich der Skandal schnell auf ganz Deutschland aus. Zunächst werden Fälle in St. Blasien und Hamburg öffentlich gemacht, dann im Benediktinerkloster Ettal. Der Leiter der Klosterschule bestätigt, dass es bereits zwischen 1950 und 1990 Missbrauchsfälle gegeben habe. Die Zahl der insgesamt bislang bekannten Missbrauchsfälle steigt letztlich auf 120. Am selben Tag bittet der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Robert Zollitsch, die Opfer öffentlich um Vergebung.

4. März

Der Missbrauchsskandal erfasst die Regensburger Domspatzen. Dem Bistum liegen Fälle aus den Jahren 1958 und 1973 vor. Bis zu diesem Zeitpunkt sind bereits in 20 von 27 Bistümern in Deutschland Missbrauchsfälle bekannt.

12. März

Der Skandal erreicht den Vatikan. Ein Fall, der in die Zeit fällt, als Papst Benedikt XVI. noch Erzbischof von München und Freising war, kommt ans Licht. Ein als pädophil aufgefallener Priester wurde damals in der Gemeindearbeit in Oberbayern eingesetzt. Und verging sich dort erneut an Jugendlichen. Ratzinger soll der Versetzung zugestimmt haben

20. März

Der Papst bedauert in seinem Hirtenbrief an die irische Kirche den sexuellen Missbrauch von Minderjährigen in der katholischen Kirche. Er äußert sich aber weder zu den Fällen in Deutschland noch zu den Vorwürfen, die seine eigene Person betreffen.

31. März

Starke Vorwürfe gegen den Augsburger Bischof Walter Mixa werden laut. In eidesstattlichen Erklärungen stellen fünf ehemalige Heimkinder fest, Mixa habe sie in den 70er- und 80er-Jahren in einem Kinder- und Jugendhilfezentrum im bayerischen Schrobenhausen mehrfach geschlagen.

5. April

Mixa äußert sich zu den Misshandlungsvorwürfen: „Diese Leute können sich doch gar nicht mehr an mich erinnern.“ Auch er könne sich nicht mehr an die Heimkinder erinnern, trotzdem bete er für sie. Wenig später wird er seine Aussagen revidieren – und zurücktreten.

16. Juli

Der Missbrauchsskandal ist endgültig auch in der evangelischen Kirche angekommen. Von 50 Missbrauchsfällen durch zwei Pastoren der Nordelbischen Kirche ist die Rede. Die Hamburger Bischöfin Maria Jepsen erklärt ihren Rücktritt. Ihr wird vorgeworfen, Missbrauchsvorwürfen gegen einen Pastor nicht energisch genug nachgegangen zu sein.

Quelle: BMO
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