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Drohender Rauswurf

René Stadtkewitz ignoriert CDU-Ultimatum

Der Pankower Abgeordnete René Stadtkewitz hält trotz eines drohenden Rauswurfs aus der CDU-Fraktion an seiner Einladung des Rechtspopulisten Geert Wilders fest. Der Holländer soll im Oktober nach Berlin kommen.

Abgeordneter Stadtkewitz
Foto: picture-alliance/dpa
René Stadtkewitz ist aus der CDU ausgetreten, weil er seine Ansichten zum Islam nicht repräsentiert sah. Gerüchte um eine Kandidatur für die rechtspopulistische Organisation "Pro Berlin" dementierte er jedoch

René Stadtkewitz denkt gar nicht daran, seine Einladung an den niederländischen Rechtspopulisten Geert Wilders wieder zurück zu ziehen – auch wenn ihn das seinen Sitz im Abgeordnetenhaus kosten sollte. "Ich kann nicht anders“, sagt Stadtkewitz und zitiert damit den Satz, den Luther einst vor dem Reichstag in Worms gesagt haben soll, als er seine Thesen widerrufen sollte. Das Ex-CDU-Mitglied und Noch-Sprecher für Baupolitik der Unionsfraktion will nicht auf die Bedingungen eingehen, die CDU-Landes- und Fraktionschef Frank Henkel ihm gestellt hat, um in der Fraktion bleiben zu dürfen. Stadtkewitz möchte sich offenbar lieber als Kämpfer, als Reformator wider Willen inszenieren.

Bekenntnis zu den Werten der Union, Rückzug der Einladung und das Versprechen keine Konkurrenzpartei zu unterstützen – das hat Henkel in einem Brief von Stadtkewitz eingefordert, nachdem bekannt geworden war, dass der Pankower Abgeordnete sich nicht nur ohne Wissen der Union mit dem umstrittenen Niederländer getroffen, sondern Wilders auch nach Berlin eingeladen hat. Er sei enttäuscht von Henkels Reaktion, sagte Stadtkewitz Morgenpost Online. Auf das Ultimatum werde er nicht eingehen.

Im Gegenteil – Stadtkewitz will sich jetzt vor allem darum kümmern, die Veranstaltung zu organisieren, auf der Wilders am 2. Oktober in Berlin auftreten soll. Hilfe bekommt er dabei offenbar von Stefan Herre, Sportlehrer aus Nordrhein-Westfalen, mit dem zusammen er bei Wilders in Den Haag war. Herre ist Gründer des einschlägig bekannten islamfeindlichen Online-Blogs "Politically Incorrect“.

Wilders' Auftritt wird der erste offizielle Termin des Rechtspopulisten in Deutschland sein. Das Büro von Wilders' "Freiheitspartei“, die im Juni drittstärkste Partei bei den niederländischen Parlamentswahlen wurde, hat den Termin Morgenpost Online bestätigt. Eine Agenda stehe aber noch nicht fest. Wahrscheinlich ist, dass Wilders in Berlin Kontakte für ein internationales Netzwerk gegen den Islam knüpfen möchte, das er gründen will.

Die Gerüchte, dass auch Stadtkewitz einen Ableger der Freiheitspartei in Berlin gründen könnte oder gar Spitzenkandidat für die rechtspopulistische Organisation "Pro Berlin“ für die kommende Landtagswahl werden könnte, hat der Noch-Abgeordnete dementiert.

"Halten Sie mich für verrückt, aber es geht mir hier nicht um mich, sondern um die Debatte, die ich anstoßen möchte“, sagte Stadtkewitz. Wilders' Islamkritik spreche Themen an, die angesprochen werden müssten. Im Übrigen würde man seine Islamkritik falsch verstehen. "Ich will doch nicht den Islam abschaffen, ich will über ihn diskutieren“, sagt Stadtkewitz. Gegen "Islam als Weg zu Gott“ sei nichts einzuwenden, aber wenn Männer ihre Frauen zwängen, sich zu verschleiern, höre das Verständnis auf. Verschleierung als Weg zu Gott – das kann er nicht nachvollziehen. Es sei ihm egal, ob er wegen seiner "offenen Worte“ zur Hassfigur werden könnte, auch Morddrohungen habe er schon erhalten. Am liebsten wäre Stadtkewitz, eine Art Aufklärung im Islam anzustoßen, oder besser noch: eine Reformation. "Aber das müssen die Muslime dann doch selber machen – ich bin ja kein Martin Luther des Islam!“



Erschienen am 22.07.2010

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