Rauschgifthandel
Elfjähriger Dealer reißt aus neuem Heim gleich aus
Donnerstag, 22. Juli 2010 14:51 - Von Peter Oldenburger, Maren Wittge, Steffen PletlDer mehrfach beim Drogenhandel erwischt Elfjährige ist am Mittwoch aus seinem neuen Heim gleich wieder ausgerissen. Die Diskussion um eine Unterbringung kriminell tätiger Kinder in geschlossenen Heimen kocht hoch.
Der elfjährige Junge, der bereits mehrfach in Berlin bei Drogen-Dealen aufgegriffen wurde, ist gleich am ersten Tag aus seinem neuen Heim wieder abgehauen. Arub M. war nach Informationen von Morgenpost Online aus dem Lichterfelder Heim für minderjährige Ausländer am späten Dienstagnachmittag in Begleitung von Sozialpädagogen in eine andere Einrichtung gebracht worden. Offenbar erhoffen sich die Betreuer dort eine bessere Kontrolle.
Doch am Mittwochmorgen meldete einer der neuen Betreuer den Jungen bereits wieder als vermisst. Die Polizei konnte ihn gegen 13.30 Uhr "im Bereich der U-Bahnlinie 8" aufgreifen. Informationen von Morgenpost Online zufolge ist der Junge dort aber nicht erneut beim Dealen erwischt worden. Er wurde zu einer Krisenrichtung gebracht.
Kritik an Auflösung der "Ermittlungsgruppe Ident"
Der Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) hat sich am Mittwoch der Forderung nach geschlossenen Heimen angeschlossen. „Es reicht jedoch nicht, die Kinder wegzusperren. Sie müssen pädagogisch betreut werden. Und wenn ihr Aufenthalt in diesem Land gestattet wird, muss ihnen eine Perspektive eröffnet werden“, sagt Berlins BDK-Landesvorsitzender Michael Böhl. Das eigentliche Problem, dass Kriminelle Minderjährige zu Straftaten anstiften, müsse von Polizei und Justiz – personell entsprechend verstärkt – angegangen werden. „Zu klären ist, wie kommen diese Kinder ins Land? Und wie ist es möglich, dass sie dann in Kontakt zu kriminellen Familien treten, die im Drogengeschäft aktiv sind“, sagte Böhl. Die Methode, Kinder gezielt aus dem Nahen Osten für den Drogenhandel zu rekrutieren, sei zwar neu. Doch nach den Erfahrungen mit rumänischen Banden habe damit gerechnet werden müssen, sagte der BDK-Landeschef. Es sei seitens der Politik „blauäugig gewesen“, die „Ermittlungsgruppe Ident“ aufzulösen. Diese Einheit hatte bis vor etwa zwei Jahren die Aufgabe, Straftäter ohne oder mit gefälschten Personaldokumenten zweifelsfrei zu identifizieren. „Nicht zuletzt die Unklarheit über das Alter schützt Kinder vor Strafverfolgung, heranwachsende Täter um die 20 Jahre verschaffen sich so den Vorteil, nach Jugendstrafrecht beurteilt zu werden“, sagt Michael Böhl.
Darüber hinaus dürfe der Aspekt der Sicherheit der Kinder nicht außer Acht gelassen werden. Sie seien von Kriminellen abhängig, als Beschuldigte in Gefahr und zudem die schwächsten Rädchen in Reihen organisierter Krimineller.
Alter könnte durch Arzt fesgetsellt werden
Die Staatsanwaltschaft Berlin bestätigte am Mittwoch, dass in Zweifelsfällen ein Gericht eine Altersbestimmung durch einen Gerichtsmediziner anordnen kann. „Zwingende Voraussetzung dafür ist, dass der Polizei klare Hinweise dafür vorliegen, die einen begründeten Zweifel am angegeben Alter darstellen“, sagte Justizsprecher Martin Steltner. Untersuchungen des Kiefers und der Handwurzelknochen ermöglichen diesbezügliche Rückschlüsse. Wenn ein 13-Jähriger etwa durch starken Bartwuchs auffällt, sei nach Paragraf 81a eine solche Untersuchung möglich. Das Ergebnis könne dazu führen, dass der zuvor für strafunmündig gehaltene Verdächtige verfolgt werden könne.
Auch Rainer Wendt, der Bundesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), bekräftigte noch einmal die Forderung nach geschlossenen Heimen für kriminelle Kinder. Sie hätten keine Erziehung genossen, seien nicht sozialisiert und müssten integriert werden. Offene Heime seien „Vollpensionen für Kleinkriminelle“, sagte Wendt: „Die Kinder brauchen aber eine 24-Stunden-Betreuung in modernen Erziehungseinrichtungen.“ Bayern ist nach Angaben Wendts derzeit das einzige Bundesland mit geschlossenen Heimen.






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