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21.07.10

Klima-Vorhersage

Bullenhitze wird zum Normalzustand in Berlin

Klimaforscher haben Szenarien für die geschützten Grüngebiete der Region entwickelt. Danach wird es verdammt heiß in Berlin. Es soll doppelt so viele Hitzetage geben wie früher. Trockenheit wird zum großen Problem.

© JOERG KRAUTHOEFER
Ein schöner Anblick: Wasserbüffel grasen im Sommer auf einer Weide der Pfaueninsel mitten in der Havel. Büffel-Züchterin Sonja Moor hatte sie aus Hirschfelde hergebracht
Die asiatische Wasserbüffel werden weiter auf der Berliner Pfaueninsel grasen können - dort wird es zwar wärmer, aber nicht so trocken wie an anderen Stellen der Stadt

Auf der Pfaueninsel bleiben die Bäume grün. Denn die Pflanzen auf dem Eiland in der Havel reichen mit ihren Wurzeln bis ins Grundwasser hinab. Dürreperioden und Hitzewellen werden ihnen auch künftig weniger anhaben. Aber in Landschaftsschutzgebieten, die höher liegen als die Parklandschaft der Preußenkönige, wird die Klimaerwärmung zu Wasserknappheit führen und die Vegetation beschädigen beziehungsweise verändern. Denn Hitzeperioden wie derzeit werden schon in wenigen Jahren nichts Außergewöhnliches mehr sein in der Region Berlin-Brandenburg, sondern die Regel. Insgesamt rund 75 Tage mit Wärmewerten von mehr als 25 Grad sind zu erwarten. Derzeit sind es gut die Hälfte.

Davon sind die Wissenschaftler vom Potsdam Institut für Klimafolgenforschung (PIK) überzeugt. Und die Prognose gilt unabhängig davon, ob man für die nächsten 50 Jahre von insgesamt steigenden oder doch von sinkenden Niederschlagsmengen ausgeht. „Sommertrockenheit ist das ganz große Problem“, sagt Katrin Vohland. Die Expertin für Biodiversität arbeitet inzwischen im Naturkundemuseum in Berlin, zuvor aber hat sie im PIK die Auswirkungen der Erderwärmung auf die einzelnen Naturschutzgebiete in Deutschland berechnet. Finanziert vom Bundesamt für Naturschutz haben die Forscher aus diversen Klimamodellen und aus den Daten der 2000 Wettermessstationen in Deutschland Klimaszenarien für die 4000 geschützten Grünräume des Landes entwickelt.

Für die Pfaueninsel sieht die Perspektive so aus: Statt wie in den Jahren zwischen 1961 und 1990 pro Jahr 36 Sommertage mit Temperaturen von mehr als 25 Grad und sieben heiße Tage mit mehr als 30 Grad, wird es im Zeitraum von 2026 bis 2055 rund doppelt so viele geben. Der winterliche Frost verschwindet nicht von der Pfaueninsel. Aber die Zahl der Tage, an denen die Temperatur unter den Gefrierpunkt fällt, sinkt von einst 82 im Jahr auf nur noch 45 bis 50. Eistage, an denen die Werte konstant unter Null bleiben, wird es statt in der Vergangenheit 24 nur noch acht bis zehn geben.

Unterschiede im regionalen Klima

Die Analyse macht die enormen Unterschiede im Klima selbst in Berlin deutlich. Im äußersten Osten der Stadt, 25 Kilometer Luftlinie von der Pfaueninsel, unterscheiden sich die Temperaturen in den Püttbergen des Wilhelmshagen-Woltersdorfer Dünenzuges in Köpenick deutlich. Viel häufiger als an der Havel, früher an etwa 100 Tagen pro Jahr, sank hier das Thermometer unter den Gefrierpunkt. Diese Zahl wird sich annähernd halbieren. Die Zahl der warmen Tage wird auch im Südosten der Stadt steigen, aber dennoch um etwa fünf Tage hinter den Prognosen für die Pfaueninsel zurückbleiben.

Die Wissenschaftlerin Vohland weiß um die Tücken solcher kleinteiligen Klimaprognosen. Während es für die Temperaturen in allen der rund 20 weltweit genutzten Klimamodelle eine weitgehend ähnliche Vorhersage eines mittleren Temperaturanstiegs gibt, sind die Aussagen für Niederschläge deutlich schwieriger zu treffen. Darum nutzen die Forscher für ihre Prognose der Entwicklung in den deutschen Schutzgebieten zwei Szenarien. Ein „trockenes“, nach dem die Menge der Niederschläge im Vergleich zu den vergangenen Jahren zurückgeht. Und ein „feuchtes“, in dem es insgesamt mehr regnet oder schneit. Damit halten sich die Wissenschaftler an den Stand der Forschung. Denn für Mitteleuropa besteht keine Einigkeit, ob es dort im Zuge der Erderwärmung feuchter oder trockener wird. Eine Frage, die die Wissenschaft etwa für den Mittelmeerraum ziemlich sicher beantwortet: Dort wird es weniger Niederschläge geben.

Aber selbst wenn die absolute Regenmenge zunehmen sollte, wird das vielerorts der Vegetation auch in der Berlin-Brandenburger Region wenig helfen. Denn die steigenden Temperaturen sorgen dafür, dass auch mehr Wasser verdunstet. Die sogenannte klimatische Wasserbilanz gilt deshalb als entscheidende Größe, ob – und wenn ja, wie stark – sich die Gestalt von geschützten Räumen verändern wird.

Gerade in den von Sommer-Trockenheit stärker als Berlin betroffenen Gegenden Brandenburgs wie etwa der Lausitz müsse der lokale Wasserhaushalt gestärkt werden, rät die Wissenschaftlerin Vohland. Es gehe darum, das Wasser, das im Winter vielleicht sogar in größeren Mengen vom Himmel falle als früher oder im Sommer in Gewitterstürmen gieße, in der Region zu halten, um der erwarteten sommerlichen Dürre entgegenzuwirken. Die Flußauen brauchten mehr Raum. Die Bauern sollten das Wasser nicht mehr wie früher einfach in Gräben ableiten, sondern in der Landschaft halten.

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