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Drogenhandel

Innensenator fordert Heime für Kinder-Dealer

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Immer wieder erwischt die Polizei Kinder beim Drogenhandel. Nach Festnahmen kommen die strafunmündigen Täter wieder auf freien Fuß – und meistens in offene Heime. Erst jetzt flüchtete ein Junge wieder aus einer Einrichtung. Innensenator Körting will dem ein Ende setzen.

Nachdem die Polizei in Berlin wiederholt Kinder als Drogenverkäufer gefasst hat, mehren sich am Dienstag die Forderungen nach geschlossenen Heimen für Dealer im Teenager-Alter.

Auch der Berliner Innensenator Ehrhart Körting (SPD) macht sich dafür stark, minderjährige Drogendealer in Heimen zu kontrollieren. „Die kriminellen Karrieren solcher Kinder müssen durch die Unterbringung in geeigneten Einrichtungen gestoppt werden“, erklärte Körting. Heime, in denen Kinder kommen und gehen könnten, wie sie wollen, seien völlig sinnlos. „Es geht aber nicht darum, sie wegzuschließen“, so Körting. Maßgeblich sei, dass sie nicht abtauchen könnten und pädagogisch betreut würden.

Wie Körtings Sprecherin erläuterte, ist unter einem „geschlossenen“ Heim nicht unbedingt zu verstehen, dass Kinder hinter Schloss und Riegel kommen, sondern dass kontrolliert wird, was sie tun. Eine solche Einrichtung für straffällige Jugendliche gibt es im uckermärkischen Frostenwalde.

Für solche Einrichtungen plädiert ebenfalls die Deutsche Polizeigewerkschaft. „Diese Kinder muss man aus ihren Familien nehmen und versuchen, sie zu sozialisieren“, sagte der Bundesvorsitzende Rainer Wendt am Dienstag dem Radiosender 104,6 RTL. Berlin unterhält bisher nur offene Betreuungseinrichtungen für kriminelle Kinder.

Bis sie 14 Jahre als sind, gelten Kinder und Jugendliche in Deutschland als strafunmündig. Die Polizei muss sie nach Festnahmen wieder laufen lassen. Viele werden einer offenen Betreuungseinrichtung übergeben. Aus einem solchen Heim ist erst jetzt ein polizeibekannter 13-Jähriger wieder geflohen. Der Junge war am Montagabend in der Nähe des U-Bahnhofes Gneisenaustraße von der Polizei wegen Drogenhandels festgenommen worden. Die Beamten übergaben ihn dann dem Kinder- und Jugenddienst in Kreuzberg, der ihn nur zwei Stunden später wieder vermisst meldete.

Wie auch der 11-Jährige, der zuvor zum elften Mal beim Drogenhandel erwischt wurde, ist dies kein Einzelfall. Vertreter von Polizei und Parteien beklagen, dass Ordnungshüter, Justiz und Behörden bei der Bekämpfung dieses Problems derzeit recht machtlos seien. Der Leiter des Rauschgiftdezernats beim Landeskriminalamt, Harald Chybiak, sprach sich nach den jüngsten Fällen im rbb-für für einen Runden Tisch mit Polizei, Behörden, Justiz und Sozialexperten aus.

Bisher nur offene Heime in Berlin

Geschlossene Heime für kriminelle Kinder und Jugendliche hat zuerst die gestorbene Berliner Jugendrichterin Kirsten Heisig gefordert. In ihrem Buch „Das Ende der Geduld“, das am 28. Juni erscheint, kritisiert sie die deutschen Behörden, die kriminellen arabischen Familienclans wie aus dem Libanon nicht genug entgegensetzten. Wenn der Staat Kinder aufnehme, die ohne Eltern und Papiere aus Beirut einreisten, dürfe er sie nicht kriminellen Großfamilien in Berlin überlassen, heißt es in dem Buch. Neben strengeren Einreisekontrollen seien als auch geschlossene Heime für diese Kinder nötig.

Berlin unterhält bisher nur offene Betreuungseinrichtungen für kriminelle Kinder. Bisher gab es auf politischer Ebene keine Bestrebungen, etwas daran zu ändern. Die SPD fordert nun eine intensivere Zusammenarbeit von Polizei, Jugendamt und Staatsanwaltschaft. Mehr Projekte seien nicht nötig, sagte die Berliner SPD-Innenexpertin Bilkay Öney am Dienstag im Deutschlandradio Kultur. „Das, was vorhanden ist, ist gut, muss aber ein bisschen optimiert werden.“ Die Entziehung des Sorgerechts durch Familiengerichte sei zum Beispiel äußerst selten.

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