Abonnenten-Login Serviceangebote der Berliner Morgenpost Specials der Berliner Morgenpost
16.07.10

BBU-Umfrage

Mieter stehen mit 91 Millionen Euro in der Kreide

Berlins Wohnungsbau-Unternehmen kämpfen weiter mit hohen Mietschulden. In den meisten Fällen führen soziale Notlagen dazu, dass Mieter säumig werden. Die Vermieter fordern deshalb: keine weiteren Kürzungen beim Wohngeld.

Bei den Berliner Wohnungsgesellschaften sind die Schuldenstände weiterhin auf einem besorgniserregend hohen Niveau. Nach einer veröffentlichten Umfrage des Verbandes Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen e.V. (BBU), an der sich 120 Mitgliedsfirmen beteiligt hatten, belaufen sich die Mietschulden allein bei diesen Unternehmen Ende 2009 auf rund 91 Millionen Euro. Im Vorjahr waren es noch 91,5 Millionen Euro gewesen. Das entspricht einem Rückgang um gut 500000 Euro, beziehungsweise nur 0,5 Prozent.

Maren Kern, Vorstandsmitglied beim (BBU), appelliert deshalb an die Bundesregierung, keine weiteren Kürzungen beim Wohngeld vorzunehmen. Denn trotz großer Anstrengungen der Wohnungsunternehmen in der vorbeugenden Mieterberatung sei es nicht gelungen, den Schuldenberg der Mieter weiter abzubauen. Bei den BBU-Mitgliedsunternehmen werden mit 700.000 Wohnungen rund 40 Prozent des Berliner Mietwohnungsbestandes bewirtschaftet. Von 2007 zu 2008 hatte der Rückgang noch bei 11,6 Millionen Euro (11,3 Prozent) gelegen. Auch in den Vorjahren war ein Abbau der Mietschulden in ähnlicher Höhe gelungen.

Der BBU beobachtet diesen dramatischen Rückgang des Mietschuldenabbaus im Vergleich zum Zeitraum 2007/2008 mit Sorge: „Ausgerechnet jetzt am Wohngeld zu sparen hieße, die langfristige Dynamik der Wirtschaftskrise nicht zu begreifen“, sagte Kern. „Wenn Bundesbauminister Peter Ramsauer seine unsozialen Kürzungspläne beim Wohngeld durchsetzt, müssen wir in Berlin mit deutlich steigenden Mietschulden rechnen.“ Damit brächte die Bundesregierung Mieter wie Vermieter in eine schwierige Lage.

Die Wohnungsunternehmen wollten die Mieter zwar halten. Angesichts der niedrigen Berliner Mieten könnten sie sich aber das Ansammeln von Mietschulden nicht leisten. Wenn zwei Monatsmieten nicht bezahlt werden, drohen die fristlose Kündigung und damit der Wohnungsverlust.

Dabei führen in den allermeisten Fällen soziale Notlagen dazu, dass Mieter säumig werden. Mietnomaden, die partout keine Miete zahlen wollen, sind zwar der Schrecken aller Vermieter – jedoch eher eine Ausnahmeerscheinung. Nach Berechnungen des Immobilienverbandes IVD sind es nicht mehr als 1000 Fälle jährlich in Berlin. Angesichts des Berliner Bestandes von 1,6 Millionen Mietwohnungen ist die Zahl der Menschen, die vorsätzlich die Miete schuldig bleiben, also sehr gering.

So teuer sind Mietwohnungen in Berlin
Die Mieten in Berlin sind 2009 im Vergleich zum Vorjahr stark angestiegen. Insgesamt zogen die Monatspreise pro Quadratmeter um 4,5 Prozent auf 5,85 Euro an. Am billigsten waren die....
.... Mieten im Bezirk Marzahn-Hellersdorf, wo die Preise um 1,7 Prozent auf 4,81 Euro pro Quadratmeter stiegen. In bestimmten Lagen des Bezirks gibt es die niedrigsten Preise der Hauptstadt überhaupt – 3,59 Euro pro Quadratmeter.
Nur in Spandau blieben die Mietpreise stabil: Sie sanken sogar leicht um 0,1 Prozent auf 5,20 Euro. Etwas teurer sind Wohnungen in...
... Neukölln, wo man pro Quadratmeter 5,47 Euro zahlt – 5,1 Prozent mehr als 2008.
Noch etwas teurer ist der Bezirk Reinickendorf. Hier stieg die Durchschnittsmiete um 1,9 Prozent auf 5,49 Euro pro Quadratmeter.
In Mitte stieg die Miete um 3,8 Prozent auf 5,50 Euro. Allerdings gibt es hier die stärksten Schwankungen innerhalb eines Bezirks: So zahlt man...
... an Toplagen wie der Flaniermeile Unter den Linden und am Alexanderplatz bis zu 12,01 Euro, im Westen und Norden nur etwa ein Drittel davon (4,16 Euro).
Auch in Lichtenberg stiegen die Mietpreise an – um 4,3 Prozent auf 5,53 Euro pro Monat und Quadratmeter. Darauf folgt...
... Treptow-Köpenick (plus 1,1 Prozent auf 5,58 Euro). Bereits über dem stadtweiten Durchschnitt liegt...
... der Bezirk Tempelhof-Schöneberg, wo die Mieten um 4,3 Prozent auf genau sechs Euro pro Quadratmeter im Monat anzogen.
Fast am stärksten stiegen die Mieten in Pankow an – nämlich um 6,3 Prozent auf 6,36 Euro. Ebenfalls wesentlich teurer wurde...
... der Quadratmeter in Steglitz-Zehlendorf (plus 5,9 Prozent auf 6,48 Euro).
Auf die stärksten Preiserhöhungen mussten sich Mieter in Friedrichshain-Kreuzberg einstellen: Pro Monat und Quadratmeter stieg die Miete um 7,2 Prozent auf 6,73 Euro. Damit liegt der Bezirk dicht am Spitzenreiter...
... Charlottenburg-Wilmersdorf, wie im Vorjahr der teuerste Bezirk: Die Mieten zogen um 5,8 Prozent auf 6,80 Euro an. Was Spitzenmietpreise angeht, liegt der Bezirk mit 11,65 Euro auf Platz zwei hinter den Luxuslagen von Mitte.
Etwas anders sieht die Situation aus, wenn man die Mietpreisentwicklung nach Postleitzahlen betrachtet. In der Toplage unter den Linden (10117) in Mitte kostet der Quadratmeter im Monat 11,01 Euro. Am Alexanderplatz (10178) sind es immerhin noch 9,17 Euro.
Teuer ist auch das Wohnen am Ludwigkirchplatz (10719) in Charlottenburg-Wilmersdorf: Hier kostet der Quadratmeter 9,12 Euro. Auch Dahlem (14195) in Steglitz-Zehlendorf und der Rosenthaler Platz (10119) in Mitte sind mit 8,95 bzw. 8,69 Euro teure Wohnlagen.
Extrem günstig ist dagegen der Quadratmeterpreis in Kaulsdorf-Nord (12619) mit 4,23 Euro. Ebenfalls niedrig sind die Preise im...
... Märkischen Viertel Ost (13439) in Reinickendorf mit 4,35 Euro sowie an der Heer- und Wilhelmstraße (13593) in Spandau mit 4,45 Euro. Auch das Wohnen an der Mehrower Allee (12687) in Marzahn-Hellersdorf und im Märkischen Viertel West (13435) in Reinickendorf kostet mit jeweils 4,49 Euro pro Quadratmeter im Monat nicht viel.
Die mit Abstand höchsten Monats-Kaltmieten haben Anwohner der luxuriösen Meile Unter den Linden (Postleitzahl 10117), nämlich 991 Euro pro Monat.
Es folgt Dahlem (14195) im Bezirk Steglitz-Zehlendorf mit 841 Euro. Weit dahinter liegen noch der Ludwigkirchplatz (10719) mit 730 Euro, der Alexanderplatz (10178) mit 715 Euro und Wannsee (14109) in Steglitz-Zehlendorf mit 675 Euro pro Monat.
Im Monat am wenigsten geben die Bewohner von Kaulsdorf-Nord (12619) für ihre Kaltmiete aus – nur 288 Euro. Ebenfalls sehr günstig...
... sind Mietwohnungen in Blankenfelde (13159) in Pankow mit 300 Euro, Hohenschönhausen-Ost (13059) in Lichtenberg mit 304 Euro, Rehberge (13351) in Mitte mit 305 Euro und Borsigwalde (13509) in Reinickendorf mit 306 Euro.
Ebenfalls im Mietkostenatlas aufgelistet wird die Wohnkostenbelastung. Diese beschreibt, wieviel Prozent ihrer Kaufkraft die Berliner Mieter für ihre Wohnungen ausgeben. Nach Postleitzahlen aufgeschlüsselt ist die Belastung...
... in der Gegend um die Luxusstraße Unter den Linden in Mitte (10117) am höchsten. Hier geben die Mieter über die Hälfte ihrer verfügbaren Einkommens für ihre Wohnungen aus. Dahinter folgen...
... der Alexanderplatz (10178) in Mitte mit 41,5 Prozent, Kreuzberg-West (10963) mit 39,3 Prozent, der Ludwigkirchplatz (10719) in Charlottenburg-Wilmersdorf mit 39,2 Prozent und der Ostbahnhof in Friedrichshain-Kreuzberg (10243) mit 36,9 Prozent.
Den geringsten Anteil ihrer Kaufkraft müssen dagegen die Bewohner von Blankenfelde (13159) in Pankow für ihre Warm-Mieten ausgeben, nämlich nur 16,4 Prozent. Nicht viel mehr sind es in...
... Rudow-Ost (12357) in Neukölln mit 17 Prozent, Mahlsdorf (12623) in Marzahn-Hellersdorf mit 17,3 Prozent sowie Alt-Wittenau (13437) und Waidmannslust (13469) in Reinickendorf mit 17,7 bzw. 17,8 Prozent.
Wo man im Schnitt die größten Wohnungen anmieten kann, gibt der Mietkostenatlas 2009 ebenfalls an. Nach Postleitzahlen geordnet liegt in dieser Kategorie...
... Dahlem (14195) in Steglitz-Zehlendorf vorn – hier ist eine Durchschnittswohnung stolze 94 Quadratmeter groß. Geräumig sind auch...
... die Wohnungen in Zehlendorf-Mitte (14163) mit 92 Quadratmetern. Platz haben Mieter auch in Wohnungen an der Prachtstraße Unter den Linden (10117) mit 90 Quadratmetern, der Konradshöhe (13505) in Reinickendorf mit 88 Quadratmetern und in der Umgebung von Heiligensee (13503) mit 85 Quadratmetern.
Die im Durchschnitt kleinsten Wohnungen wurden in Borsigwalde (13509) in Reinickendorf erfasst – sie umfassen 56 Quadratmeter.
Wohnungen mit jeweils 57 Quadratmetern gibt es in Blankenfelde (13159) und an der Ostseestraße (10409) in Pankow sowie am Baumschulenweg (12437) in Treptow-Köpenick mit jeweils 57 Quadratmetern. Auch in Hohenschönhausen-Ost im Lichtenberg ist die Durchschnittswohnung relativ klein, nämlich 59 Quadratmeter.
In Berlin stehen auch viele Wohnungen leer. Am größten ist der Leerstand in...
... Westhaften (13353) in Mitte mit 14,6 Prozent. Ebenfalls mehr Mieter kann...
... das Bötzowviertel (10407) in Pankow mit 13,4 Prozent Leerstand gebrauchen. In Hellersdorf-Nord (12627) stehen 10,2 Prozent der Mietwohnungen leer. In Ahrensfelde (12689), ebenfalls in Marzahn-Hellersdorf gelegen, sind es 8,9 Prozent. Ebenfalls auf wenig Mieter-Interesse stößt Lichtenrade-Südost (12309) in Tempelhof-Schöneberg mit 8,2 Prozent Leerstand.
Fast überhaupt keine Wohnung kriegt man mehr am Baumschulenweg (12437) im Bezirk Treptow-Köpenick, wo nur 0,5 Prozent des Bestandes nicht vermietet sind. Ebenfalls eine hervorragende Auslastung hat die...
... Prenzlauer Allee (10405) in Pankow mit 0,8 Prozent Leerstand. Auch die meisten Wohnungen...
... in Grunewald (14193) in Charlottenburg-Wilmersdorf sowie Alt-Reinickendorf (13407) sind vermietet – nur 0,9 Prozent stehen jeweils leer. Auch in Niederschöneweide (12439) in Treptow-Köpenick sind die Wohnungen mit 1,1 Prozent Leerstand fast alle belegt.
Quelle: GSW Immobilien GmbH, CB Richard Ellis und GfK GeoMarketing
Leser-Kommentare
Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

Die Moderation der Kommentare liegt allein bei MORGENPOST ONLINE.
Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in der Netiquette.
blog comments powered by Disqus
 
Top-Thema
Schwarze Frauenbeine mit High-Heels
Gefahr durch High Heels

Je höher der Absatz ist, desto ungesünder sind die Schuhe.

Video Nachrichten mehr
Störungen Kabelbrand legt Berliner S-Bahn lahm
Euro-Debatte Thilo Sarrazin stellt neues Buch vor
Hollywood in Cannes Brad Pitt begeistert mal wieder auf ganzer Linie
Drama in Bayern Bayerische Schüler in Angst vor Amoklauf
 
PromoTeaser_img.jpg
Urlaub an der See

Aktuelle Reisetipps für Ihren nächsten Deutschlandurlaub.mehr

Sommerkoll-klein.png
Sommer Trends

Lindner - Das sind die Sommer Trends 2012!mehr

bio10_onsite-teaser.jpg
Netzwerker

Für eine moderne Energieversorgung in Berlinmehr

 
Top Bildershows mehr
Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

A380 und A400M

Große Flugzeuge am Himmel über der Region

Nahverkehr

S-Bahn-Verkehr nach Kabelbrand gestört

In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote