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Politische Gewalt

Polizisten bei Demonstration schwer verletzt

Bei der Berliner Demonstration gegen das Sparpaket der Bundesregierung haben am Sonnabend Unbekannte einen Sprengsatz auf Polizisten geworfen. Zwei Beamte wurden schwer verletzt und mussten operiert werden.

Verletzte Polizisten nach Explosion bei Demonstration in Berlin
Foto: dpa
Polizisten sicherten den Ort an der Torstraße in Mitte, an dem zwei Berliner Polizisten durch einen Sprengsatz schwer verletzt wurden

Bei der Berliner Demonstration gegen die Sparpläne der Bundesregierung am Sonnabend hat es anscheinend einen Anschlag auf Polizisten gegeben. Insgesamt beteiligten sich an der Veranstaltung mehr als 10.000 Menschen, darunter auch ein laut Schätzungen etwa 450 Personen starker "antikapitalistischer Block". Aus dieser Gruppe heraus wurde an der Torstraße nahe der Gormannstraße außer Steinen, Flaschen und Feuerwerkskörpern auch ein Sprengsatz auf Polizisten geworfen.

Durch die Explosion wurden nach Polizeiangaben 15 Beamte verletzt, zwei davon schwer: Die 36 und 47 Jahre alten Männer mussten in ein Krankenhaus gebracht werden. Dort wurden ihnen bei einer Operation Splitter aus den Beinen entfernt - um welche Art von Splittern es sich handelt, steht bislang nicht fest. Lebensgefahr besteht nicht. Anscheinend war der Sprengsatz so gefertigt, dass bei der Explosion kleine Teile wie Glassplitter oder Nägel freigesetzt wurden. Laut Polizeisprecher Frank Millert war man zunächst davon ausgegangen, dass es sich um einen Böller gehandelt habe. Es müsse aber mehr als Pyrotechnik gewesen sein.

Auf Youtube ist ein Video von dem Anschlag zu sehen. Zu erkennen ist, wie in der Menschenmenge der Sprengsatz detoniert, die Umstehenden erschrecken und eine weiße Rauchwolke aufsteigt. Der Staatschutz ermittelt nun wegen versuchten Totschlags, die Kriminaltechnik hat Tatort und Sprengsatz-Reste untersucht. Mindestens sieben Demonstranten sind laut Polizei festgenommen worden. Davon standen drei Festnahmen im Zusammenhang mit der Explosion. Die Personen wurden nach Angaben vom Sonntag inzwischen wieder entlassen.

Insgesamt beteiligten sich an der Großdemonstration unter dem Motto „Die Krise heißt Kapitalismus“ verschiedenen Schätzungen zufolge 15.000 bis 20.000 Menschen. Die Polizei gab offiziell zunächst keine Zahlen bekannt. Die Linken-Vorsitzende Gesine Lötzsch rief bei der Abschlusskundgebung zum Kampf für ein „gerechtes Land“ auf.

Lötzsch beklagte in Berlin eine wachsende gesellschaftliche Ungleichheit und betonte: „Ich will ein anderes Land.“ Sie wolle nicht in einem Land leben, in dem Hartz-IV-Empfänger zu Umzügen gezwungen würden, während andere Leute nicht wüssten, wie sie ihre fünfte oder sechste Wohnung einrichten. Auf Plakaten und Transparenten von Demonstranten standen Forderungen wie „Verursacher der Krise zur Kasse bitten“.

Zu der Demonstration hatte das Bündnis „Wir zahlen nicht für Eure Krise“ aufgerufen. Organisiert in diesem Bündnis sind verschiedene Initiativen, Teile der Gewerkschaften Ver.di und IG Metall sowie des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) und eine Reihe von linken Parteien wie Die Linke und die Deutsche Kommunistische Partei (DKP). Parallel zum Berliner Protestmarsch fand in Stuttgart eine ähnliche Demonstration statt.

Schon während der Abschlusskundgebung vor dem Roten Rathaus war es wiederholt zu Rangeleien zwischen Polizei und Demonstranten gekommen. Während der Demonstrationsroute waren Polizisten mit Steinen, Flaschen und Feuerwerkskörpern beworfen worden. Die Veranstalter der Demonstration sehen die Schuld für die Auseinandersetzungen bei der Polizei, sprachen von Provokationen und „willkürlichen Verhaftungen“.

Tumultartige Szenen überschatteten die Demo in der baden- württembergischen Landeshauptstadt. SPD-Landtagsfraktionschef Claus Schmiedel wurde während seiner Rede aus einem Block von rund 300 Menschen mit Eiern und Bananen beworfen. Die Polizei stürmte auf die Bühne. Schmiedel wurde mit Regenschirmen geschützt. Schon zuvor war die Rede des SPD-Politikers durch Trillerpfeifen und Buh-Rufe so vehement gestört worden, dass kaum ein Wort zu verstehen war.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) warb angesichts der Proteste für mehr Verständnis. „Viele Menschen wissen, dass wir sparen und Schulden abbauen müssen“, sagte die CDU-Chefin der „Bild am Sonntag“. „Die Maßnahmen im Arbeitsmarktbereich zielen im Übrigen darauf, deutlich mehr Langzeitarbeitslose als bisher wieder in Arbeit zu bringen.“ Für Bildung, Forschung und Investitionen bleibe aber ohne Sparen zu wenig übrig.dpa/rtr/sei



Erschienen am 12.06.2010

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