Mahnwache

Flüchtlinge bleiben weiter vor der Gedächtniskirche

Die elf Afrikaner schlafen wieder draußen, nachdem sie das Wochenende wegen des DFB-Pokals in der Kapelle verbracht hatten. Andere Flüchtlinge aus Berlin sind zum „Marsch der Freiheit“ aufgebrochen.

Foto: Paul Zinken / dpa

Die Flüchtlinge vor der Gedächtniskirche wollen ihre Mahnwache nicht aufgeben. Erst wenn man ihnen ein Angebot für eine andere Unterkunft biete, seien sie dazu bereit. Ob und wann dies der Fall sei, wüssten sie nicht, sagte ein Flüchtling.

Von Freitag bis Sonntag hatte die Kirche ihnen erlaubt, in der Kapelle zu schlafen, da der Breitscheidplatz während des DFB-Pokalfinales von Fußballfans okkupiert worden war. Jetzt schlafen sie wieder unter freiem Himmel. "Wir sind jederzeit bereit für Gespräche", so ein Flüchtling.

Die Idee anderer Berliner Flüchtlinge, zu Fuß einen Protestmarsch nach Brüssel anzutreten, halte man für eine gute Strategie, man könne diese Gruppe aber nicht unterstützen: "Wir müssen hier unseren eigenen Kampf kämpfen."

"Marsch der Freiheit" nach Belgien

Ab Montag wollen Flüchtlinge aus Berlin und anderen europäischen Städten mit einem Fußmarsch nach Belgien gegen Einschränkungen für Asylsuchende in Europa protestieren. Der "Marsch der Freiheit" soll nach Angaben der Flüchtlingsorganisation "Pro Asyl" von Straßburg mehr als 450 Kilometer durch die Grenzregion von Deutschland, Frankreich, Belgien und Luxemburg in die belgische Hauptstadt verlaufen.

In Brüssel wollen die Teilnehmer während des EU-Gipfels vom 20. bis 26. Juni vor den EU-Institutionen auf ihre Lage aufmerksam machen. Ein Schwerpunkt des Gipfels wird die Asylpolitik der EU sein.

Symbolischer Auftakt für den rund vier Wochen langen Fußmarsch war am Sonnabend eine Demonstration auf dem Oranienplatz in Kreuzberg, wo in den vergangenen anderthalb Jahren viele Flüchtlinge campiert hatten. Anschließend bestiegen zwischen 50 und 100 der Berliner Flüchtlingsaktivisten Busse in Richtung Straßburg.

Am Sonntag wollten sich die Gruppen aus Berlin und anderen europäischen Städten und Gemeinden in Kehl (Baden-Württemberg) vereinen, um gemeinsam die Europabrücke von Kehl nach Straßburg zu überqueren. Von dort soll der Marsch dann am Montag offiziell starten.

Die Organisatoren des "Marsches der Freiheit" wenden sich gegen die Flüchtlingspolitik der Europäischen Union und fordern deren Liberalisierung sowie ein Ende der Abschottungspolitik, wie sie durch die Maßnahmen der europäischen Grenzschutzagentur Frontex symbolisiert werde. Koordiniert wird die Aktion parallel zu den Wahlen zum Europaparlament von einem Netzwerk internationaler Flüchtlingsgruppen.

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