Breitscheidplatz

Flüchtlinge ziehen in Kapelle der Gedächtniskirche

Auch diese Nacht haben die elf Afrikaner ihre Mahnwache vor der Gedächtniskirche fortgesetzt. Am Mittag dürfen sie für zwei Tage in die Kapelle ziehen. Bis dahin will man eine Unterkunft finden.

Foto: Paul Zinken / dpa

Die Flüchtlinge an der Berliner Gedächtniskirche bekommen bis Sonntag Zuflucht in der Kapelle am Breitscheidplatz. Das teilte Pfarrer Martin Germer am Freitag mit. Die bisher im Freien lagernden Afrikaner sollen so vor Fußballfans geschützt werden, die wegen des DFB-Pokalfinales am Wochenende an dem belebten Platz erwartet werden.

"Vor allem dachten wir dabei an die Sicherheit der Flüchtlinge. Bei solchen Veranstaltungen können unkalkulierbare Situationen entstehen", begründete Pfarrer Martin Germer den Wunsch der Gemeinde. Man würde die Flüchtlinge aber nicht zwingen zu gehen, so Germer weiter.

Die Flüchtlinge akzeptierten das Angebot der Kirche. "Wir hoffen, dass wir der Kirche vertrauen können", sagte einer. Ein Sprecher der Flüchtlinge hatte am Donnerstag erklärt, dass sie vor der Gedächtniskirche bleiben wollen trotz des DFB-Pokalfinales dieses Wochenende. Die Gruppe werde vor der Kirche ausharren, bis ihre Forderungen nach einem Bleiberecht in Deutschland erfüllt sind. "Warum sollen wir ohne Ergebnis gehen?", fragte er.

Der Pressesprecher der Polizei, Stefan Redlich, sah vorerst keinen Grund, die Mahnwache aktiv zu beenden. "Es handelt sich hier um eine angemeldete Demonstration. Und jeder ist frei, dort zu demonstrieren, wo er oder sie möchte." Die Polizei bleibe weiterhin vor Ort.

Rassistische Übergriffe befürchtet

"Es ist zu befürchten, dass es unter den Fußballfans einige wenige gibt, die sich rassistisch verhalten könnten", sagte Germer. Man habe den Flüchtlingen schriftlich zugesichert, eine akzeptable Unterkunft für sie zu finden. Andernfalls könnten sie am Sonntag wieder an den Platz vor der Kirche zurückkehren.

Wo die Männer anschließend untergebracht werden sollen, ist bislang unklar. "Wir fordern alle Kirchengemeinden innerhalb Berlins auf, sich bei uns zu melden, falls sie Räume zur Verfügung stellen können", sagte Germer. Die Kirchengemeinde will die Flüchtlinge jetzt mit Beratungsangeboten unterstützen.

"Die Gespräche der elf afrikanischen Flüchtlinge mit dem Verein Pro Afrika haben ergeben, dass es bei allen ernsthafte und schwerwiegende Gründe gibt, in Deutschland Hilfe und Schutz zu suchen", sagte Hanns Thomä, der Beauftragte für Migration und Integration der evangelischen Landeskirche. Man wolle den Männern juristische Beratung vermitteln, damit sie ihre rechtlichen Möglichkeiten ausschöpfen könnten.

Kirche setzt für Vermittlungsgespräche ein

Außerdem will sich die Kirche für Vermittlungsgespräche zwischen den Flüchtlingen und Politikern zur Verfügung stellen. "Wir stehen im Kontakt mit den Integrationsbeauftragten der Länder Berlin und Sachsen-Anhalt und anderen Behörden", sagte Thomä.

Die Flüchtlinge waren aus einer Flüchtlingsunterkunft aus Sachsen-Anhalt nach Berlin gekommen. Ihre Namen und Herkunftsländer halten sie weiterhin geheim. Sie fordern unter anderem ein bedingungsloses Bleiberecht in Deutschland. "Unsere Forderungen haben sich nicht geändert", sagte einer der Flüchtlinge.

Die Flüchtlinge sind seit Sonntag in Charlottenburg. Wie berichtet, waren sie davor auf dem Alexanderplatz in Mitte. Dort traten 14 Flüchtlinge am 3. Mai in einen Hungerstreik. Seit dem 7. Mai tranken sie außerdem nichts mehr. Die Flüchtlinge hatten ihren Protest am Alexanderplatz am 3. Mai begonnen und am 11. Mai zum Breitscheidplatz verlegt.

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