Meinungsumfrage

SPD-Wähler sehen Berlins Regierungschef Wowereit kritisch

Foto: Reto Klar

Die Berliner haben immer weniger Vertrauen in die Arbeit von Klaus Wowereit (SPD). Das geht aus einer aktuellen Umfrage hervor. Die CDU liegt vor den Sozialdemokraten, die Linke überholt die Grünen.

Der Regierende Bürgermeister schwächelt: 71 Prozent beurteilen die Arbeit von Klaus Wowereit im 14. Jahr seiner Amtszeit als nicht zufriedenstellend.

Vor allem bei den jüngeren Wählern, die bisher treuer als andere Altersgruppen zu dem Sozialdemokraten standen, hat der 60-Jährige deutlich an Sympathie eingebüßt. Vor fünf Monaten waren die 18- bis 29-Jährigen noch eine Stütze für Wowereit, mehr als die Hälfte in dieser Gruppe war mit ihm zufrieden, deutlich mehr als bei den Älteren.

Im aktuellen Berlin Trend der Berliner Morgenpost und der RBB-Abendschau bewertet nicht einmal mehr jeder dritte Berliner unter 30 das Wirken Wowereits positiv. Der Sympathieverlust ist deutlich größer als in allen anderen Gruppen. Sorgen machen muss Wowereit auch der Ansehensverlust unter SPD-Wählern.

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Erstmals sieht mehr als die Hälfte im SPD-Lager den Regierenden Bürgermeister kritisch. Um zwölf Prozentpunkte sank der Anteil derjenigen, die mit Wowereit zufrieden sind. Im Dezember 2013 waren das noch 60 Prozent der SPD-Wähler, im Mai 2014 fiel die Zustimmung auf nur noch 48 Prozent und rutschte damit erstmals unter die 50-Prozent-Marke. Die Quote derjenigen SPD-Wähler, die sich explizit unzufrieden über Wowereit äußern, stieg von 37 auf 51 Prozent.

Eklatant verändert hat sich die Sicht der Linken-Anhänger

Auch in den Reihen des Koalitionspartners CDU hat Wowereit an Ansehen eingebüßt. Von ohnehin schon mäßigen 27 Prozent ist die Zufriedenheit unter CDU-Wählern auf 20 Prozent gesunken, während die Quote der Unzufriedenen von 74 auf 81 Prozent gestiegen ist.

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Eklatant verändert hat sich auch die Sicht der Linken-Anhänger auf den Mann, der viele Jahre eine rot-rote Koalition führte und deswegen bei der Linkspartei stets deutlichen Zuspruch erfuhr. Davon ist kaum etwas übrig geblieben. Nur noch jeder fünfte Wähler der Linken äußerte sich positiv über Wowereit. Im Dezember waren es mit 42 Prozent noch mehr als doppelt so viele. Insofern ist die Linke zweieinhalb Jahre nach dem Ende ihrer Regierungsbeteiligung nun in der Opposition angekommen.

Frank Henkel kann nicht profitieren

Bemerkenswert ist jedoch beim Vergleich der beiden Spitzenleute der rot-schwarzen Koalition, dass der CDU-Landesvorsitzende und Innensenator Frank Henkel von Wowereits Schwäche nicht profitieren kann.

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Knapp jeder dritte derjenigen Berliner, die von Infratest dimap zwischen dem 8. und 12. Mai 2014 befragt wurden, zeigt sich zufrieden mit Henkels Arbeit. Im Dezember, als die Arbeit der beiden Politiker das letzte Mal verglichen wurde, sahen noch 35 Prozent Henkel positiv. Angesichts der üblichen statistischen Abweichungen hat sich das Ansehen von Henkel also kaum verändert.

Nach wie vor kennt jeder dritte Wähler Henkel nicht oder kann sich kein Urteil über ihn erlauben, obwohl er seit zweieinhalb Jahren Innensenator und Bürgermeister ist und zuvor schon Fraktionschef der CDU im Abgeordnetenhaus sowie Landesvorsitzender war. Allerdings kommt Henkel in den eigenen Reihen nach wie vor gut an, trotz leichter Verluste unter den CDU-Wählern. 58 Prozent stellten ihm ein positives Zeugnis aus, nach 62 Prozent im Dezember 2013.

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Insgesamt steigt die Zustimmung zur Berliner CDU aber weiter an, ohne dass die Führungskrise in der SPD für besonderen Rückenwind sorgen könnte. Derzeit würden 28 Prozent der Berliner Wähler für die CDU stimmen. Das sind zwei Punkte mehr als im Februar. Damit liegt sie deutlich vor der SPD. Allerdings sah der Berlin Trend im Dezember 2013 die Union auch schon bei 29 Prozent, ebenso wie Anfang 2013. Eine stabil wachsende Zustimmung kann die CDU aus diesen Umfrageergebnisse also noch ableiten. Wohl aber pendelt sich die CDU deutlich oberhalb ihres Wahlergebnisses aus dem Jahr 2011 ein. Damals erhielt die Partei 23,3 Prozent.

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SPD nur noch bei 24 Prozent

Die SPD kommt angesichts der Schwäche ihres Spitzenmannes Wowereit, den Debatten um dessen Nachfolge und dem schwelenden Machtkampf in der Partei zwischen Landeschef Jan Stöß und dem Fraktionsvorsitzenden Raed Saleh nur noch auf 24 Prozent – und verliert damit erneut zwei Prozentpunkten. Damit liegt die Partei deutlich unter ihrem Wahlergebnis von 28,3 Prozent.

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Die große Koalition, die nun seit zweieinhalb Jahren in Berlin regiert, konnte insgesamt in der Wählergunst nicht zulegen. Die Unzufriedenheit mit dem Senat ist groß, vor allem im Lager der Christdemokraten. 58 Prozent der Unionswähler sind unzufrieden mit der rot-schwarzen Landesregierung.

Sieger des aktuellen Berlin Trends sind die Linken, die mit 18 Prozent – plus vier Prozentpunkte – so stark abschneiden wie seit drei Jahren nicht mehr und damit ihr Wahlergebnis um mehr als sechs Punkte übertreffen. Vor allem in Ost-Berlin konnte die Linke zulegen, hier gab es ein Plus von neun Prozentpunkten. Mit 30 Prozent liegt die Linke in den östlichen Bezirken derzeit unangefochten an der Spitze.

Die Grünen als größte Oppositionspartei können hingegen nicht von der Schwäche der rot-schwarzen Koalition profitieren und liegen nach Verlusten von zwei Punkten jetzt bei 16 Prozent. AfD und Piraten würden mit je vier Prozent den Einzug ins Abgeordnetenhaus verfehlen.

Für den aktuellen Berlin Trend befragte das Meinungsforschungsinstitut Infratest/dimap vom 8. bis 12. Mai 2014 1001 Berliner Wahlberechtigte (Deutsche ab 18 Jahren).

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