Haussperlinge
Spatzen lieben das unordentliche Berlin
In Europas Großstädten werden die oft aufdringlichen kleinen Spatzen immer weniger - in Berlin aber nicht. Seit Jahrzehnten ist hier der Spatzenbestand stabil, der Osten Deutschlands insgesamt ist offenbar sehr Spatzen-freundlich. Der Haupgrund: die hiesige Unordnung.
Die Zahl der Haussperlinge in Deutschland geht seit Jahren zurück, berichtet der Naturschutzbund NABU in Berlin. Schätzungsweise zehn bis 20 Millionen der braun-grauen Vögel gibt es bundesweit – ein Fünftel weniger als noch vor 30 Jahren. „Nur Berlin ist ein Sonderfall. Hier ist es angenehm unordentlich, es gibt keine blank geleckten Gehwege oder beschnittenen Vorgärten. Das mag der Spatz“, sagt der Vogelkundler Prof. Jörg Böhner (FU Berlin). „Berlin ist seit langem die Spatzenhauptstadt.“
Etwa 120.000 Haussperlings-Brutpaare wurden zuletzt (2007) in Berlin gezählt. „Der Bestand ist seit Jahrzehnten stabil. Die Spatzen haben die Wende unbeschadet überstanden“, sagt Böhner. Damit widerspricht die Hauptstadt dem Trend, dass in den Großstädten Spatzen immer rarer werden, vor allem im Westen Deutschlands, im Ruhrgebiet, in Köln, aber auch in Hamburg und München. Allenfalls im südlichen Sachsen und im Raum Chemnitz wurden bei der jüngsten NABU-Gartenvogelzählung im Mai 2009 nicht ganz so viele Spatzen entdeckt. Ansonsten ist der gesamte Osten Deutschlands auf der Spatzen-Karte dunkelrot, was laut Legende einem Vorkommen von mindestens drei beobachteten Spatzen pro Garten entspricht.
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