Gastronomie In diesen Berliner Bars erleben Gäste kleine Abenteuer

Cocktails ganz anders: In Berlin gibt es Hunderte Bars, die oft mit sehr ungewöhnlichen Konzepten überraschen. In diesen sieben Kneipen jedoch kann jeder Gast ein besonderes Abenteuer erleben.

Sie mixen Cocktails in Reagenzgläsern, servieren Drinks in der Krankenhausspritze, frisieren ihre Kundinnen während des Besuchs – oder sie verstecken gleich ihre komplette Bar hinter einer geheimen Tür, die nur Eingeweihte finden.

Berlins Kneipenwirte lassen sich viel einfallen, damit ihr Angebot aus der Masse hervorsticht. Schon in den 20er-Jahren war die Stadt für ihre ungewöhnlichen Bars bekannt, in den 70er- und 80er-Jahren zog der Westteil Berlins als sperrstundenfreie Zone Nachtmenschen aus aller Welt an. Diese Tradition lebt fort, die Frauen und Männer hinter dem Tresen entwickeln auch heute immer wieder neue Konzepte.

Unser Autor Paul Hertzberg stellt eine Auswahl von Berliner Bars vor, in denen Besucher ein kleines Abenteuer erleben, sobald sie durch die Tür getreten sind.

Ort der Anbetung

Es ist ein Schrein, der an der Brunnenstraße steht. Diese Bar zieht Pilger an, die ihrer Gottheit huldigen: Quentin Tarantino. Die Bar ist eine Hommage ans Werk des Regisseurs. Die Wände sind tapeziert mit seinen Plakaten, seine Filme flackern stumm über eine Leinwand, der DJ spielt die Soundtracks. Der Laden ist eine Spelunke, keine Lounge. "Wer nach mehr als drei meiner Drinks noch steht, hat meinen vollen Respekt", sagt der Gründer Robert Wachs. Der Meister persönlich war auch schon zu Gast.

Brunnenstraße 163 in Mitte, Tel. 40 50 03 55, täglich ab 19 Uhr, www.tarantinos-bar.de

Das Haar sitzt, der Drink steht bereit

Erst schick machen, dann feiern: Die Tussy Lounge in Friedrichshain ist Friseursalon und Cocktailbar in einem. So kann die Tussi von heute ganz gepflegt einen ersten Drink nehmen und anderen Tussis beim Frisiertwerden zuschauen. Ob man erst gestylt wird, erst zum Glas greift oder sich für nur eine Option entscheidet, bleibt jeder Kundin selbst überlassen. Sogar gegessen werden darf in der Lounge mit dem 60er-Jahre-Ambiente. "drinks-sweets-hair" – so das Konzept.

Sonntagstraße 22 in Friedrichshain, Tel. 84 11 17 95, Bar: Mo.–Do. 15–24 Uhr, Fr., Sbd. 15–2 Uhr, www.tussylounge.de

Ein Chemiker als Barmann

Tom Korn ist sicher nicht der einzige Wissenschaftler, der zum Barmann wurde. Aber er ist einer der wenigen, die dennoch Wissenschaftler blieben. Anders kann man es nicht beschreiben, was der Chemiker hinter dem Tresen des Zyankali treibt. In Fässern lagert er fertig gemischte Drinks. Einen Negroni zum Beispiel, der monatelang in einem hölzernen Sherryfass reift. Er entwickelt Konservierungstechniken, die es ihm erlauben, fruchtige Drinks in Flaschen zu lagern, und macht aus fest flüssig, aus warm kalt und aus blau rot. "Molekulardrinks" nennt er seine Produkte. Korn mischt Gin mit eiskaltem Darjeeling, injiziert dickflüssiges Konzentrat aus Limonen und fährt mit einem Zitronengras-Spray über den Glasrand. Wo andere mit Barlöffel und Shaker arbeiten, benutzt er Pipetten und elektrische Rührmaschinen. Der Chemiker gibt Kurse, nimmt an Wettbewerben teil und veröffentlicht fast täglich neue Rezepte. Wer am Wochenende kommen will, sollte sich anmelden. Das hat noch einen Vorteil. "Wer mir im Voraus Bescheid gibt", verspricht Korn, "bekommt sein Lieblingsessen als Drink serviert."

Gneisenaustraße 17 in Kreuzberg, Tel. 68 83 01 70, täglich ab 19 Uhr, www.zyankali.de

Der Rausch der Burleske

Im Prinzipal erliegt man dem Rausch der Nacht. Eingehüllt in Parfümschwaden. Verzückt von Drinks, die träge in Kristallgläsern schwappen. Das Prinzipal gibt ein Versprechen: Flucht vor der Realität und Kurzurlaub mit den Burlesketänzerinnen der Hauptstadt – Frauen, die so wirken, als seien sie durch ein Zeitloch aus den Zwanzigern ins Berlin des Jahres 2014 gefallen. Das hat seinen Preis: Wer zu sehr nach 21. Jahrhundert aussieht, kommt nicht rein.

Oranienstr. 178, Kreuzberg, Tel. 61 63 73 26, tgl. 20-5 Uhr, prinzipal-kreuzberg.de

Vom Chaos geheilt

"Heilung", so wird es einem erklärt, sei das einzige Konzept des Sanatorium 23. Heilung vom Alltag, von schlechten Drinks, aber vor allem Heilung vom Chaos, das auf den Straßen Friedrichshains herrscht. Das spiegelt auch die Einrichtung der Bar wieder. Die großen, bis zum Boden gehenden Fensterscheiben, die an Krankenhausbetten erinnernden Liegen, die großformatigen Fotografien weiß bekittelter Ärzte an der Wand. Das Sanatorium setzt vor allem auf einen Schnaps: Wodka. Klarer, reiner Wodka. Immerhin ist das russische Wässerchen nicht erst seit gestern als Allheilmittel bekannt. Das Konzept der Heilanstalt wird bis zu guter Letzt aufrechterhalten. Drinks gibt es zu später Stunde auch gern aus der Krankenhausspritze.

Frankfurter Allee 23 in Friedrichshain, Tel. 42 02 11 93, täglich ab 18 Uhr, www.sanatorium23.de

Geheime Klingel an der Telefonzelle

Eine geheime Bar, die sich dem öffnet, der an der richtigen Tür klopft: Das Butchers lebt im Stil der Prohibitionszeit. In diesem Fall ist die Tür eine britische Telefonzelle und steht im Hinterraum der "Fleischerei". Klingelt man dort, wird einem Einlass gewährt in die fensterlosen Räume der ehemaligen Schlachterei, in denen nun mondäne Drinks serviert werden. Als Erinnerung an das, was hier einmal war, baumeln Flaschen an Fleischerhaken. Wer Hunger bekommt, muss nicht darben. Eine Telefonzelle weiter gibt es Berliner Currywürste.

Torstraße 116 in Mitte, Di.–Sbd. ab 20.30 Uhr, www.butcher-berlin.de

Geisterbahn mit Spezialeffekten

Das Klo ist bekloppt. Es rattert, quietscht und schlägt dem Gast auf den Kopf. Wer hier trinkt, sitzt in einer Geisterbahn. Und wehe dem, der dann im Klo ein solches aufsuchen muss.

Leibnizstraße 57 in Charlottenburg, Tel. 43 72 72 19, tgl. 19–4 Uhr, www.klo.de

Wenn die Welt plötzlich Kopf steht

Im Madame Claude steht die Welt Kopf. Im Fall der Kreuzberger Kneipe, ist das mehr, als nur eine abgedroschene Metapher. Es kann einem leicht schwindelig werden, steht man im schummrigen Hauptraum der labyrinthischen Bar und versucht sich auf unten und oben zu konzentrieren. Möbel kleben an der Decke, ein Bücherregal mitsamt Inhalt, Tische, ein paar Stühle, ein Spülbecken. Schnell bekommt man den Eindruck sich auf der Decke einer Wohnung zu bewegen und, den Kopf im Nacken, auf ihren Fußboden zu starren. Aber eigentlich geht es im Madame Claude um etwas anders, um Musik. Fast jeden Abend spielt in einem der Räume eine Band, DJs kommen und gehen, ganze Konzertreihen spielen sich im kopfstehenden Universum der Bar ab.

Lübbener Straße 19, 10997 Berlin - Kreuzberg, Tel: 030 84110859, 19.00 - open end, www.madameclaude.de

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