Sanierung 20 Millionen für Berlins schlimmste Spielplätze

Foto: Reto Klar

Der Frühling ist da, aber noch geben viele der 1850 Berliner Spielplätze ein trauriges Bild ab. 20 Millionen Euro stellt der Senat jetzt bereit, um marode Kitas und Spielplätze wieder flott zu machen.

Endlich ist der Winter vorbei und damit auch die langen Stubenhocker-Tage. Besonders die 1850 öffentlichen Spielplätze Berlins sind jetzt für viele Familien und Kitagruppen der erste Anlaufpunkt im Freien. Doch deren Zustand ist oft so schlecht, dass gefahrloses Spielen gar nicht möglich ist.

Mit einem Kita- und Spielplatzsanierungsprogramm hatte Jugendsenatorin Sandra Scheeres (SPD) Soforthilfe angekündigt. Vorgabe des Senats ist es, ausschließlich Spielflächen instand zu setzen, die auch von Kitas frequentiert werden. 20 Millionen Euro stehen dafür im Doppelhaushalt 2014/2015 bereit. Die zwölf Bezirke waren aufgefordert, in dieser Woche ihre schlimmsten Sanierungsfälle anzumelden.

Mit 670.000 Euro aus diesem Topf will etwa der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg die Instandsetzung maroder Spielplätze angehen. 2014 sollen 16 Spielplätze mit dem Geld saniert werden, in Friedrichshain unter anderem die Spielplätze am Traveplatz und am Petersburger Platz, in Kreuzberg am Zickenplatz und am Chamissoplatz.

Am Chamissoplatz hatte der TÜV vor gut einem Jahr die Kletteranlage gesperrt, weil sie nicht mehr tragfähig war, berichtet Baustadtrat Hans Panhoff (Grüne). Der Schimmel hatte das Holz befallen. "Für viele Kinderläden im Umfeld ist dieser Spielplatz die wichtigste Anlaufstelle", so der Stadtrat weiter. Außerdem fließen weitere 100.000 Euro in die Sanierung einer Kita. 2015 sollen weitere zwölf Spielplätze saniert werden.

Grafik: BM Marode Berliner Spielplätze


Die schlimmsten Fälle angehen

"Seit langem drängen wir darauf, dass der Senat uns mehr Geld für die Instandsetzung unserer Spielplätze zur Verfügung stellt. Mit dem Posten können wir nun zumindest die schlimmsten Baustellen angehen", so Baustadtrat Panhoff. In Friedrichshain-Kreuzberg sei etwa die Hälfte der 175 Spielplätze wegen kaputter oder baufälliger Spielgeräte nicht oder nur teilweise nutzbar – Grund sei die unzureichende finanzielle Ausstattung der Bezirke.

Für das Jahr 2014 hat auch Neuköllns Jugendstadtrat Falko Liecke (CDU) 13 Spielplätze und eine Kita zur Sanierung angemeldet. Insgesamt 872.000 Euro stehen dafür zur Verfügung, allein 350.000 Euro kostet die Toilettensanierung der Kindertagesstätte an der Hänselstraße (High-Deck-Siedlung). Der Rest steht zur Verfügung, um wegen Verletzungsgefahr gesperrte Klettertürme und defekte Schaukeln auszutauschen.

Ganz oben auf der Spielplatz-Liste stehen dabei die Erneuerung der Wasserpumpen und der sogenannten "Matschanlage" auf dem Spielplatz an der Elfriede-Kuhr-Straße in Rudow. Allein 170.000 Euro sind für die Herrichtung dieses Spielplatzes erforderlich. Auch der Bolzplatz am Theodor-Loos-Weg in der Gropiusstadt soll einen neuen Belag bekommen, zudem sind dort neue Spielgeräte geplant. Und an der Mainzer Straße, Ecke Boddinplatz fehlt es an Spielgeräten, die für kleine Kinder geeignet sind. Von den insgesamt 125 Spielplätzen im Bezirk sind nach Auskunft Lieckes 30 Spielplätze sanierungsbedürftig. "Aus unseren eigenen Haushaltsmitteln werden wir in diesem Jahr 400.000 Euro bereitstellen", so Falko Liecke weiter.

In Spandau will der zuständige Stadtrat Carsten-Michael Röding (CDU) rund die Hälfte der für 2014 bewilligten 605.000 Euro für die Sanierung von fünf Spielplätzen ausgeben. Auf der Liste stehen etwa die Anlage im Spektegrünzug/ am Hohenzollernring. "Dort ist der Rutschen- und Kletterturm bereits seit drei Jahren gesperrt", so Röding. Ähnlich schlimm sehe es am Paula-Hirschfeldt-Steig aus, dort ist die Kletterlandschaft seit immerhin zwei Jahren gesperrt. "Ich hoffe, dass der Senat unsere Anträge jetzt schnell bearbeitet, damit noch in diesem Jahr gebaut werden kann und die Kinder auch etwas davon haben", so Röding. Der Stadtrat verweist auch auf das eigene Notprogramm des Bezirks und das Patenschaftsprogramm "Raum für Kinderträume", mit dem Sponsoren geworben werden, um weitere Spielplätze wieder flott zu machen.

Bezirk Pankow bekommt das meiste Geld

Pankow, der Bezirk mit den meisten Kita-Kindern, kann in den kommenden zwei Jahren auf rund 2,7 Millionen Euro und damit die größte Summe zurückgreifen. Angesichts des Mangels an Kitaplätzen fließen nach Angaben des Bezirks die meisten Mittel in die Sanierung von Kindertagesstätten. Für die Spielplätze sind deshalb im Jahr 2014 lediglich 355.000 Euro vorgesehen, im Jahr 2015 wird die Summe voraussichtlich ähnlich sein.

Die zweitgrößte Summe geht an den Bezirk Mitte. Insgesamt 2,1 Millionen Euro stehen dort aus dem Programm zur Verfügung. Dass die Bewilligung der angemeldeten Sanierungsvorhaben durch die Senatsverwaltung jetzt schnell geht, hofft Mittes Baustadtrat Carsten Spallek (CDU). "Es ist eine sehr ehrgeizige Aufgabe, das zur Verfügung stehende Geld bis zum Jahresende auch auszugeben", so Spallek. Immerhin müssten die Aufträge an die Baufirmen noch ausgeschrieben werden.

Nach Auskunft von Ilja Koschembar, Sprecher von Senatorin Sandra Scheeres, werde die Bearbeitung der abgegebenen Listen voraussichtlich noch rund zwei Wochen dauern. Obwohl die Meldefrist für die Bezirke eigentlich am 31. März abgelaufen ist, hätten zwei Bezirke ihren Bedarf noch nicht angemeldet und um Verlängerung gebeten. "Von den bereits eingegangenen Listen haben unsere Mitarbeiter bislang gut ein Drittel abgearbeitet", so Koschembar.

"Wir sind einer der Bezirke, die Fristverlängerung beantragt haben", bestätigt Oliver Schruofenegger, Referent der grünen Jugendstadträtin Christa Markl-Vieto im Bezirk Steglitz-Zehlendorf. Am heutigen Freitag werde die vollständige Liste jedoch abschließend im Bezirk beraten und an den Senat weitergeleitet, verspricht Schruofenegger.

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