Die Fakten lauten so: In den 70er- und 80er-Jahren gab es am Canisius-Kolleg in Berlin mindestens drei Patres, die Schüler jahrelang systematisch sexuell missbrauchten. Doch diejenigen, die jetzt an der Eliteschule lehren und unterrichtet werden, haben ganz andere Probleme. Zum Beispiel die Angst um den Ruf ihrer Schule. Ein Gymnasiast berichtet über den Umgang der Schule mit dem Skandal.
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Am Berliner Canisius-Kolleg in Berlin-Tiergarten wurden über Jahre Kinder und Jugendliche durch zwei Patres missbraucht.
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Öffentlich machte das der jetzige Rektor der katholischen Schule, Pater Klaus Mertes. Er hatte Ende Januar einen Brief an rund 600 ehemalige Schüler geschrieben. In diesem entschuldigt er sich für die Übergriffe. "Neben der Scham und der Erschütterung über das Ausmaß des Missbrauchs in jedem einzelnen Fall und in der Anhäufung müssen wir uns seitens des Kollegs die Aufgabe stellen, wie wir es verhindern können, heute durch Wegschauen wieder mitschuldig zu werden."
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Der Missbrauch hat in den 70er- und 80er-Jahren stattgefunden.
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Der geständige Jesuitenpater Wolfgang St. unterrichtete nicht nur in Berlin, sondern auch in St. Blasien in Baden-Württemberg sowie an der Sankt-Ansgar-Schule in Hamburg. Er gehört dem Orden noch immer an.
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Peter R. soll am Canisius-Kolleg ebenfalls Schüler missbraucht haben. Als Priester im Ruhestand lebt er in Berlin. Der 69-Jährige schweigt zu den Vorwürfen. In den 80er-Jahren verübte eines seiner Opfer ein Messerattentat auf R.
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Bernhard Ehlen kurz vor dem 25. Jubiläum der Hilfsorganisation "Ärzte für die 3. Welt" 2008. Er hat sich nun selbst angezeigt.
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Der Missbrauchsskandal weitete sich aus. Da Wolfgang St. auch am katholischen Gymnasium Sankt-Ansgar in Hamburg unterrichtete, werden dort ebenfalls mögliche Fälle geprüft.
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Auch am Kolleg Sankt Blasien in Baden-Württemberg werden die Vorwürfe gegen den Pater geprüft. Auch dort sollen sich bereits mehrere Opfer gemeldet haben. Die Fälle hätten sich über die zwei Jahre erstreckt, in denen Wolfgang St. an der Schule gewesen sei, sagte der Rektor. Inzwischen wurden weitere Missbrauchsfälle in Deutschland bekannt.
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Der deutsche Jesuiten-Orden hatte allerdings schon in den 80er-Jahren Hinweise auf mögliche Missbrauchsfälle am Berliner Canisius-Kolleg. Der Orden habe damals aber keine Anzeige erstattet, sagte der deutsche Ordensvorsteher Pater Provinzial Stefan Dartmann in Berlin.
Für die aktuellen Schülerjahrgänge sind die 70er- und 80er-Jahre weit weg –
damals waren sie noch nicht einmal geboren. Wie er die vergangenen Tage
wahrgenommen hat, darüber schreibt hier der 16-jährige Schüler Johannes
Wessels. Er besucht das Canisius-Kolleg seit 2003.
Unter uns Schülern sorgt das Thema für immer weniger
Aufregung. Natürlich machen die neuesten Infos im ,Sexskandal' um Pater R.
und Pater S. vor allen Dingen bei den Jüngeren schnell die Runde, aber bei
den Allermeisten verursacht die Mathe- oder Lateinarbeit am nächsten Tag
weit mehr Sorgen als Patres, die niemand mehr kennt, oder die verfehlte
Kirchenpolitik der 70er- und 80er-Jahre. Man saugt zwar die Fakten aus allen
möglichen Medienberichten auf, kann sich mit der Geschichte an sich aber
überhaupt nicht identifizieren, weil schlicht und einfach kein Zusammenhang
zwischen den Schülern von heute und den Opfern beziehungsweise Tätern von
damals besteht.
Natürlich muss es eine furchtbare Erfahrung sein, wenn man als Schüler hilflos
Übergriffen seitens seiner Lehrer ausgesetzt ist und es dann niemanden gibt,
der einen davor schützen kann. Dass hier begründeten Vorwürfen anscheinend
bewusst nicht nachgegangen worden ist, ist schlimm, für uns Canisius-Schüler
von heute allerdings nicht vorstellbar.
Gekürzte Fassung, den ganzen Artikel lesen Sie hier:
Erschienen am
09.02.2010