Messenger-Dienste Stiftung Warentest warnt vor WhatsApp und Line

Foto: Soeren Stache / dpa

Angesichts des WhatsApp-Verkaufs an Facebook suchen Nutzer eine Alternative. Die Berliner Verbraucherschützer haben verschiedene Messenger-Dienste getestet. Ergebnis: Nur ein Anbieter ist unkritisch.

Mit der geplanten Übernahme des US-Messaging-Dienstes WhatsApp durch Facebook suchen Nutzer vor allem in Deutschland nach Alternativen. Die in Berlin ansässige Stiftung Warentest hat unter anderem die Angebote von Threema, Telegram und Line auf Datenschutz und Sicherheit getestet. Nur eines der Angebote bekommt von den Berliner Verbraucherschützern die Bewertung "unkritisch".

Getestet haben die Prüfer, ob die Apps Nutzerdaten verschlüsseln und welche Informationen sie an wen übertragen. Die Funktionsvielfalt der Programme wurde nicht bewertet.

WhatsApp

Die App ist mit Android, iOS, Windows Phone, Blackberry OS und einigen Nokia-Geräten nutzbar. Im ersten Jahr ist der Dienst gratis, danach fallen jährlich 0,99 US-Dollar an.

Die Warentester kritisieren, dass WhatsApp keine End-to-End-Verschlüsselung einsetze, was bedeutet, dass das Unternehmen die Nachrichten mitlesen kann. Sowohl die iOS- als auch die Android-Versionen übertragen Adresseinträge ohne Zustimmung des Nutzers, so die Warentester. Die Telefonnummer werde auch Dritten mitgeteilt – ohne Verschlüsselung. In der Android-Version sollen selbst Daten unverschlüsselt gesendet werden, die der Nutzer eingibt. Zudem kritisieren die Warentester die Allgemeinen Geschäftsbedingungen. Vor dem Hintergrund des Verkaufs an Facebook weisen die Verbraucherschützer darauf hin, dass die Nutzerdaten an den neuen Eigentümer Facebook übergehen.

Fazit: sehr kritisch

Line

Die App ist kostenlos und kann auf mobilen Geräten mit Android, iOS, Windows Phone, Firefox OS, Blackberry sowie mit einigen Nokia-Modellen verwendet werden.

Den japanischen WhatsApp-Rivalen sehen die Warentester genauso kritisch wie WhatsApp. Auch hier könne der Anbieter die Nachricht der Chattenden mitlesen. Adressbucheinträge werden aber nur nach ausdrücklicher Zustimmung des Nutzers übertragen. In der Android-Version werde die Seriennummer des Smartphones unverschlüsselt gesendet. Die Warentester kritisieren die Allgemeinen Geschäftsbedingungen, vor allem den Passus, dass der Anbieter die Nutzungsbedingungen jederzeit ändern kann, ohne Nutzer über die Neuerungen zu informieren.

Fazit: sehr kritisch

Telegram

Die App ist für Android und iOS erhältlich, beide Versionen sind kostenlos.

Der Berliner Herausforderer hat nach eigenen Angaben seit der Übernahme-Ankündigung vergangene Woche rund acht Millionen neue Kunden gewonnen. Während des WhatsApp Serverausfalls am vergangenen Sonnabend wechselten so viele Nutzer zu Telegram (100 Anmeldungen pro Sekunde), dass auch die Server der Berliner in die Knie gingen. Gleichwohl sehen die Warentester das Angebot nicht unkritisch. Die App bietet zwar eine End-to-End-Verschlüsselung an, allerdings muss der Nutzer diese Option, den sogenannten Secret Chat, anwählen. Die App übertrage zwar keinerlei Daten an den Anbieter oder Dritte, speichere aber die Adressbucheinträge auch ohne Zustimmung des Nutzers.

Fazit: kritisch

Threema

Die kostenpflichtige App ist für iOS (1,79 Euro) und Adroid (1,60 Euro) verfügbar.

Der Schweizer Anbieter arbeitet mit einer End-To-End-Verschlüsselung, das Unternehmen kann die Chats nicht verfolgen. Während die Android-Version keine Nutzerdaten an den Anbieter oder Dritte versendet, wird von der iOS-Version die Nutzer-ID zwar an Threema übertragen, allerdings verschlüsselt. Beide Apps können die Adressbucheinträge speichern, allerdings werden die Daten pseudonymisiert. Die App nutzt ein Ampelsystem, um Nutzern anzuzeigen, wie zuverlässig die Identität ihrer Kommunikationspartner bestätigt ist.

Fazit: unkritisch

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