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02.02.10

Canisius-Kolleg

Schon 1981 gab es Hinweise auf Missbrauch

Der Vorsteher des deutschen Jesuitenordens, Stefan Dartmann, hat zugegeben, dass es bereits vor 29 Jahren deutliche Hinweise auf sexuellen Missbrauch am Berliner Canisius-Kolleg gab. Schüler prangerten 1981 in einem Brief an den Orden die "Sexualpädagogik" eines Paters an. Das Schreiben kam ins Archiv - und wurde nie beantwortet.

1981 hätten Schüler des Canisius-Kollegs einen offenen Brief an den Orden gesandt, in dem sie die „Sexualpädagogik“ von Pater Peter R. anprangerten, sagte der Vorsteher des deutschen Jesuitenordens, Stefan Dartmann, auf einer Pressekonferenz in Berlin. Doch habe der Orden damals versucht, das Problem intern zu regeln.

Das Schreiben vom 28. Mai 1981 ist der erste Beweis dafür, dass Orden, Schulleitung, aber auch die Spitze des katholischen Jugendverbandes BDKJ und viele Eltern von den sexuellen Übergriffen auf Schüler des Gymnasiums hätten wissen können, wenn sie es gewollt hätten. Denn darin stehen deutliche Hinweise auf eine absonderliche „Sexualpädagogik“, die nach heutigem Maßstab als sexueller Missbrauch zu deuten sind.

Es werde versucht, die Sexualität Einzelner „gezielt zu steuern“, es werde „tabuisiert“ und „mit Verboten“ gearbeitet, heißt es. Die jungen Männer fragten sich schon 1981, ob durch diese „starre Praxis“ nicht Schuldgefühle, Komplexe und „Verklemmungen herangezüchtet werden, die sich schließlich zu Neurosen ausweiten“ können. Und die Unterzeichner weisen darauf hin, dass „der Bereich der Sexualpädagogik in alleiniger Verantwortung des geistlichen Leiters“ liege. Dabei handelte es sich um den Religionslehrer Pater Peter R.

Missbrauch in konfessionellen Einrichtungen
Der Verdacht des Missbrauchs am katholischen Privatgymnasium Canisius-Kolleg in Berlin ist kein Einzelfall. In den vergangenen Jahren wurden immer wieder Übergriffe an katholischen Einrichtungen bekannt. Fälle aus Deutschland und dem Ausland:
Im Juli 2008 wurde ein ehemaliger Domkapitular der Erzdiözese Bamberg von seinen kirchlichen Ämtern enthoben. Ermittlungen hatten ergeben, dass der damals 64-Jährige zwischen 1978 und 1984 in zehn Fällen in einem Schülerwohnheim sexuelle Handlungen an Kindern unter 14 Jahren vorgenommen hatte. Da die Vorwürfe jedoch verjährt waren, musste sich der Mann nicht vor Gericht verantworten. Eine Anklage war trotz eines hinreichenden Tatverdachts nicht mehr möglich.
Im Oktober 2008 wurde bekannt, dass sich ein Pfarrer eines Internats in Bayern zwischen 1972 und 1976 an mindestens 16 Jungen vergangen hatte. Einige Schüler mussten zusehen, wie sich der Mann im Schlafsaal an ihren Freunden vergriff. Der Mann gestand die Taten, konnte wegen Verjährung aber nicht mehr strafrechtlich belangt werden. 2009 verlor der damals 71-Jährige jedoch sein Priesteramt. Nach einem Bittgesuch an Papst Benedikt XVI. entzog das Oberhaupt der katholischen Kirche dem Mann alle Rechte und Pflichten, die mit dem Klerikerstand verbunden sind. Der Mann sollte aber noch Mitglied des Ordens bleiben.
Auch in Irland wurden in katholischen Einrichtungen unzählige Kinder missbraucht. Wie Ermittlungen einer Sonderkommission im Mai 2009 ergaben, erniedrigten und missbrauchten Priester, Nonnen und Mönche über Jahrzehnte tausendfach Kinder. Die Jungen und Mädchen wurden in Schulen, Heimen oder Erziehungsanstalten zwischen den 30er und 90er Jahren vergewaltigt, geschlagen und gequält. Neue strafrechtliche Ermittlungen ergaben sich durch den Bericht allerdings nicht, weil nach einer früheren Entscheidung die Namen der Peiniger für die Untersuchung anonymisiert werden mussten. Einzelne Täter waren schon früher verurteilt worden. Mehr als 12.000 Opfer wurden mit mehr als einer Milliarde Euro entschädigt. Der Skandal war nach einer TV-Dokumentation Ende der 90er Jahre ans Licht gekommen.
In den USA wurde die katholische Kirche vor einigen Jahren von einer Serie von Pädophilen-Skandalen erschüttert. Bis 2002 waren mehr als 25 Priester nach Vorwürfen sexuellen Missbrauchs zurückgetreten oder des Amtes enthoben worden. Die Kirche zahlte Millionenbeträge an hunderte Opfer, die nach eigenen Angaben jahrelang von Priestern missbraucht worden waren.
Quelle: dpa
Quelle: jof/sei
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