Canisius-Kolleg
15 weitere Missbrauchsopfer melden sich bei Schule
Nach dem Bekanntwerden mehrerer Fälle sexuellen Missbrauchs am katholischen Canisius-Kolleg in den 70er- und 80er-Jahren haben sich nun weitere Opfer gemeldet. Zwei Lehrer hatten sich an Schülern vergangen.
Am katholischen Canisius-Kolleg in Berlin haben sich rund 15 weitere Missbrauchsopfer gemeldet. Das teilte der Rektor der Privatschule, Pater Klaus Mertes, am Freitag mit. Zuvor hatte die Rechtsanwältin und Beauftragte des Jesuitenordens für Fälle von sexuellem Missbrauch, Ursula Raue, berichtet, rund zehn Personen hätten sich via E-Mail gemeldet. An der Schule sollen zwei Lehrer von Mitte der 70er- bis Anfang der 80er-Jahre mindestens Schüler im Alter von 13 bis 17 Jahren sexuell missbraucht haben. Die namentlich bekannten mutmaßlichenTäter seien nicht mehr an dem Gymnasium tätig und hätten den Jesuitenorden bereits Ende der 80er-Jahre verlassen, erklärte Mertes.
Mertes räumte weiterhin ein, dass es an der Schule immer wieder Gerüchte über die Vorfälle gegeben habe. „Auf Gerüchte kann ich aber kein Verfahren in Gang setzen.“ Bekannt geworden sind die jetzt augedeckten Fälle offenbar infolge eines Abitur-Treffens im vergangenen Jahr. Daraufhin hätten sich fünf der Opfer bei Mertes gemeldet und um ein Gespräch gebeten. Erstmals informiert über die sexuellen Missbräuche wurde Mertes eigenen Angaben nach aber bereits 2004/05, als sich zwei andere Opfer vertraulich an ihn wandten. Diese ehemaligen Schüler hätten aber um absolutes Stillschweigen gebeten. Der Schulleiter räumte ein, intern trotzdem einen Hinweis weitergegeben zu haben. Nach einem von der katholischen Bischofskonferenz 2002 beschlossenen Reglement müssen Fälle sexuellen Missbrauchs in katholischen Einrichtungen an eigens eingesetzte Beauftragte gemeldet werden. Warum das in diesem Fall keine Konsequenzen nach sich zog, bleibt daher offen.
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