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29.01.10

Canisius-Kolleg

15 weitere Missbrauchsopfer melden sich bei Schule

Nach dem Bekanntwerden mehrerer Fälle sexuellen Missbrauchs am katholischen Canisius-Kolleg in den 70er- und 80er-Jahren haben sich nun weitere Opfer gemeldet. Zwei Lehrer hatten sich an Schülern vergangen.

© Sergej Glanze
Canisius-Kolleg in Berlin
Über Jahre wurden an dem von Jesuiten geleiteten Canisius-Kolleg Schüler missbraucht

Am katholischen Canisius-Kolleg in Berlin haben sich rund 15 weitere Missbrauchsopfer gemeldet. Das teilte der Rektor der Privatschule, Pater Klaus Mertes, am Freitag mit. Zuvor hatte die Rechtsanwältin und Beauftragte des Jesuitenordens für Fälle von sexuellem Missbrauch, Ursula Raue, berichtet, rund zehn Personen hätten sich via E-Mail gemeldet. An der Schule sollen zwei Lehrer von Mitte der 70er- bis Anfang der 80er-Jahre mindestens Schüler im Alter von 13 bis 17 Jahren sexuell missbraucht haben. Die namentlich bekannten mutmaßlichenTäter seien nicht mehr an dem Gymnasium tätig und hätten den Jesuitenorden bereits Ende der 80er-Jahre verlassen, erklärte Mertes.

Mertes räumte weiterhin ein, dass es an der Schule immer wieder Gerüchte über die Vorfälle gegeben habe. „Auf Gerüchte kann ich aber kein Verfahren in Gang setzen.“ Bekannt geworden sind die jetzt augedeckten Fälle offenbar infolge eines Abitur-Treffens im vergangenen Jahr. Daraufhin hätten sich fünf der Opfer bei Mertes gemeldet und um ein Gespräch gebeten. Erstmals informiert über die sexuellen Missbräuche wurde Mertes eigenen Angaben nach aber bereits 2004/05, als sich zwei andere Opfer vertraulich an ihn wandten. Diese ehemaligen Schüler hätten aber um absolutes Stillschweigen gebeten. Der Schulleiter räumte ein, intern trotzdem einen Hinweis weitergegeben zu haben. Nach einem von der katholischen Bischofskonferenz 2002 beschlossenen Reglement müssen Fälle sexuellen Missbrauchs in katholischen Einrichtungen an eigens eingesetzte Beauftragte gemeldet werden. Warum das in diesem Fall keine Konsequenzen nach sich zog, bleibt daher offen.

Missbrauch in konfessionellen Einrichtungen
Der Verdacht des Missbrauchs am katholischen Privatgymnasium Canisius-Kolleg in Berlin ist kein Einzelfall. In den vergangenen Jahren wurden immer wieder Übergriffe an katholischen Einrichtungen bekannt. Fälle aus Deutschland und dem Ausland:
Im Juli 2008 wurde ein ehemaliger Domkapitular der Erzdiözese Bamberg von seinen kirchlichen Ämtern enthoben. Ermittlungen hatten ergeben, dass der damals 64-Jährige zwischen 1978 und 1984 in zehn Fällen in einem Schülerwohnheim sexuelle Handlungen an Kindern unter 14 Jahren vorgenommen hatte. Da die Vorwürfe jedoch verjährt waren, musste sich der Mann nicht vor Gericht verantworten. Eine Anklage war trotz eines hinreichenden Tatverdachts nicht mehr möglich.
Im Oktober 2008 wurde bekannt, dass sich ein Pfarrer eines Internats in Bayern zwischen 1972 und 1976 an mindestens 16 Jungen vergangen hatte. Einige Schüler mussten zusehen, wie sich der Mann im Schlafsaal an ihren Freunden vergriff. Der Mann gestand die Taten, konnte wegen Verjährung aber nicht mehr strafrechtlich belangt werden. 2009 verlor der damals 71-Jährige jedoch sein Priesteramt. Nach einem Bittgesuch an Papst Benedikt XVI. entzog das Oberhaupt der katholischen Kirche dem Mann alle Rechte und Pflichten, die mit dem Klerikerstand verbunden sind. Der Mann sollte aber noch Mitglied des Ordens bleiben.
Auch in Irland wurden in katholischen Einrichtungen unzählige Kinder missbraucht. Wie Ermittlungen einer Sonderkommission im Mai 2009 ergaben, erniedrigten und missbrauchten Priester, Nonnen und Mönche über Jahrzehnte tausendfach Kinder. Die Jungen und Mädchen wurden in Schulen, Heimen oder Erziehungsanstalten zwischen den 30er und 90er Jahren vergewaltigt, geschlagen und gequält. Neue strafrechtliche Ermittlungen ergaben sich durch den Bericht allerdings nicht, weil nach einer früheren Entscheidung die Namen der Peiniger für die Untersuchung anonymisiert werden mussten. Einzelne Täter waren schon früher verurteilt worden. Mehr als 12.000 Opfer wurden mit mehr als einer Milliarde Euro entschädigt. Der Skandal war nach einer TV-Dokumentation Ende der 90er Jahre ans Licht gekommen.
In den USA wurde die katholische Kirche vor einigen Jahren von einer Serie von Pädophilen-Skandalen erschüttert. Bis 2002 waren mehr als 25 Priester nach Vorwürfen sexuellen Missbrauchs zurückgetreten oder des Amtes enthoben worden. Die Kirche zahlte Millionenbeträge an hunderte Opfer, die nach eigenen Angaben jahrelang von Priestern missbraucht worden waren.
Quelle: dpa
Quelle: dpa/KNA/sh/mim
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