Canisius-Kolleg
Berliner Schüler jahrelang von Lehrern missbraucht
Am Berliner Canisius-Kolleg, einem von Jesuiten betriebenen Elitegymnasium, sind über Jahre hinweg Schüler von mindestens zwei Lehrern sexuell missbraucht worden. Nachdem sich Opfer gemeldet hatten, hat sich Rektor Pater Klaus Mertes jetzt mit einem Brief an weitere ehemalige Schüler gewendet - insgesamt 600. Viele frühere Absolventen sind heute in führenden Positionen in Wirtschaft und Politik tätig.
Von Jens Anker und Michael Behrendt
Der Missbrauch habe in den 70er- und 80er-Jahren stattgefunden, sagte Pater Klaus Mertes Morgenpost Online. Mindestens zwei Padres stünden unter Verdacht. Die beiden Lehrer haben nach Mertes' Angaben den Jesuiten-Orden in den 80er-Jahren verlassen und sind seitdem auch nicht mehr an der Schule tätig. Unter welchen Umständen sie das Kolleg verlassen haben, sei unklar. Dies werde untersucht, so Mertes.
Genaue Opferzahlen wollte Mertes nicht nennen. "Die Wucht der Vorfälle hat mich aber erschlagen", sagte er. "Ich habe den Opfern vollkommene Diskretion zugesagt. Ihnen steht frei, sich an die Öffentlichkeit oder die Polizei zu wenden." Nach Informationen von Morgenpost Online sind bislang aber weder beim Landeskriminalamt noch bei der Staatsanwaltschaft entsprechende Anzeigen eingegangen. Das Canisius-Kolleg gilt als Berliner Elite-Gymnasium. Viele frühere Absolventen sind heute in führenden Positionen in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft tätig.
Nach einer schulinternen Veröffentlichung über Missbrauchs-Taten, so Mertes, seien zum Jahreswechsel mehrere ehemalige Schüler auf ihn zugegangen. Ihre Berichte hätten ihn überzeugt, dass es eben nicht mehr um Einzelfälle ginge, sondern ein systematischer und jahrzehntelanger Missbrauch vorliege.
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