Flugrouten-Radar

"Meine Kinder sollen ohne Fluglärm aufwachsen"

Laute Flüge über Friedrichshain? Gibt es, sagt eine Anwohnerin. Wir haben aufgrund Daten des Flugrouten-Radars Berliner befragt.

Heike Saase: "Meine Kinder sollen ohne Fluglärm aufwachsen"

Für Heike Saase, 53, ist das Wohl ihrer Kinder Sean, 12, und Nancy, 10, das Wichtigste. Als die Familie 2000 aus beruflichen Gründen aus dem Ruhrgebiet in die Hauptstadt zog, kam für sie nur ein Haus auf dem Land infrage. "Meine Kinder sollen in frischer Luft und im Grünen aufwachsen", sagt Saase. In Diedersdorf, südlich von Berlin, fanden sie das passende Heim. Zwar war die Entscheidung für den Standort Schönefeld damals schon gefallen, aber viele Anwohner hatten dagegen geklagt. "Wir gingen nicht davon aus, dass der Flughafen tatsächlich dort entstehen würde, da er sich im Raumordnungsverfahren als schlechtester Standort herausgestellt hatte", sagt Saase. Sie kauften daher das Haus und müssen nun mit dem Fluglärm leben.

Schon jetzt ziehen die Flieger in Richtung Schönefeld darüber hinweg. Wenn der BER öffnet, werden es noch mehr. Schlimm sei es derzeit vor allem in den Abendstunden: "Da fliegt etwa alle fünf Minuten ein Flugzeug in rund 350 Meter Höhe über unser Haus", sagt Heike Saase. "Bei offenem Fenster versteht man den Fernseher nicht mehr. Wenn wir draußen im Garten sitzen, müssen wir das Gespräch unterbrechen."

Das Haus zu verkaufen, würde sich für die Familie kaum lohnen. "Es hat etwa ein Drittel des Kaufpreises an Wert verloren", sagt Heike Saase. Sie glaubt, dass die meisten Nachbarn noch gar nicht ahnen, was nach der Eröffnung des BER auf sie zukommt. "Dann wird in Spitzenzeiten alle zwei Minuten ein Flieger über unseren Köpfen fliegen." Sie kämpft dafür, dass der BER verlegt wird. "Es gibt genügend Standorte, die besser geeignet wären", sagt Heike Saase. "Ich will nicht, dass meine Kinder mit Fluglärm aufwachsen."

Diese Flugzeuge fliegen über Heike Saases Haus

"Ich fühle mich schlecht über die Flugrouten informiert"

Ihre Kinder holt Linda P., 35, regelmäßig mit dem Fahrrad aus der Kita ab. Dabei kommt sie am Boxhagener Platz vorbei. Wenn es warm genug ist, macht sie dort gern Pause. Die Kinder spielen dann im Park, und Linda trinkt einen Kaffee in der Sonne. Laut findet sie es dort nicht. Zwar ist ihr schon aufgefallen, dass über den Boxhagener Platz hin und wieder ein Flugzeug fliegt. "Aber das geht im sonstigen Stadtlärm unter", sagt die Ergotherapeutin.

Ganz anders sei das am Ostkreuz, wo sie mit ihrer Familie wohnt. "Dort scheppern morgens die Fenster, wenn die Flugzeuge kommen", sagt sie. Dabei wäre es dort auch so schon laut genug. Denn am Ostkreuz ist einer der wichtigsten Umsteigebahnhöfe für den Nahverkehr in der Hauptstadt.

Wie laut es nach der Eröffnung des BER in ihrer Wohnung wird, kann sie sich nicht vorstellen. Dann wird etwa viermal so viel Flugverkehr im Südosten der Stadt abgewickelt wie derzeit. Linda fühlt sich darüber nicht informiert. "Die Flugroutendebatte ist sehr verwirrend, da sich die Strecken ja offenbar dauernd ändern", sagt sie. Als sie nach Friedrichshain gezogen ist, hat sie sich Gedanken darüber gemacht, ob gute Cafés in der Nähe sind und ein Park. Ob Flugzeuge darüber hinwegziehen, war ihr egal. Doch nun wüsste sie gern besser Bescheid, was am Himmel über Berlin passiert. "So könnte man Flugblätter verteilen oder die Anwohner zu Gesprächsrunden einladen", sagt Linda. "Denn es zeigt sich ja jetzt schon, dass viel mehr Leute den Fluglärm abbekommen, als man denkt. Zumal sich die Piloten ja offenbar gar nicht an genaue Strecken halten müssen." Das sollte man den Leuten erklären, so die 35-Jährige.

So viele Flieger kreuzen den Kiez von Linda P.

"Wir schauen den Flugzeugen über unserem Haus gerne zu"

Für die Fluglärmgegner hat Regina Stichert, 36, kein Verständnis. Sie ist in unmittelbarer Nähe zum Flughafen Tegel aufgewachsen und fühlt sich durch den Lärm nicht gestört, im Gegenteil. Schon als Kind hat sie gern den Flugzeugen nachgeschaut, die über das Haus ihrer Eltern in Richtung des Flughafens Tegel gezogen sind. Daran hat sich nichts geändert.

Stichert wohnt heute noch in derselben Gegend, sie ist nur ein paar Straßen weitergezogen. Vor sechs Jahren hat sie ein Haus in Pankow gekauft. Auch von ihrem neuen Heim aus hat sie die Flieger am Himmel gut im Blick. "Wir schauen den Flugzeugen immer gern zu wenn wir im Garten sitzen", sagt die Buchhalterin. Freunde fänden das sogar spannend, wenn sie bei ihr zu Besuch sind.

Regina Stichert hat sich in ihrer Gegend immer wohl gefühlt. Daran ändert sich auch nichts, wenn der Verkehr am Flughafen Tegel nun doch noch länger läuft als gedacht. An einen Umzug denkt sie nicht, im Gegenteil. Sie und ihre Familie wollen am Haus sogar noch anbauen. Sie ärgert sich über die Anwohner des BER, die gegen den Standort protestieren und den neuen Hauptstadt-Airport gern verlegen würden. "Viele von ihnen haben die Gelegenheit genutzt und in der Nähe von Schönefeld günstig Grundstücke gekauft", sagt sie. Ihnen hätte klar sein müssen, dass der neue Hauptstadtflughafen dort gebaut wird. "Doch jetzt tun viele so erstaunt, dass der Flughafen kommt."

Bei ihr fliegt in der Sommersaison etwa alle fünf Minuten ein Flugzeug über das Haus. "Wenn ein großer Airbus kommt, ist das natürlich laut", sagt sie. "Aber irgendwo müssen die Flugzeuge ja lang. Denn in den Urlaub wollen auch alle fliegen."

So ist der Flugverkehr über dem Haus von Regina Stichert

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