Stadtmission
Berlin braucht mehr Schlafplätze für Obdachlose
Im Notquartier der Berliner Stadtmission nahe dem Hauptbahnhof suchen derzeit pro Nacht mehr als 160 Obdachlose Hilfe. Gedacht ist die Einrichtung für maximal 60 Menschen. Deshalb will die Hilfsorganisation bei Schnee und Kälte ein zusätzliches Nachtcafé in zentraler Lage eröffnen.
Marcel braucht Hilfe, er ist psychisch krank. 2010 würde der 30-Jährige gern etwas für sich tun, sich zunächst einmal wieder einen Personalausweis besorgen.
Bei Schnee und Kälte plant die Berliner Stadtmission ein zusätzliches Nachtcafé für Obdachlose. Grund ist die anhaltende Überfüllung der Notübernachtung an der Lehrter Straße nahe dem Hauptbahnhof. Für die Realisierung seien jedoch neue Geldspenden nötig, sagte Sprecherin Ortrud Wohlwend. Ein Nachtcafé mit 30 Plätzen koste rund 30.000 Euro im Monat. In der Notübernachtung Lehrter Straße suchten in den vergangenen Tagen bis zu 164 Obdachlose pro Nacht ein warmes Quartier. Die Stadtmission ist dort nur auf 60 Menschen eingerichtet, weist aber auch niemanden ab. Viele Gäste müssen deshalb im Aufenthaltsraum und auf den Fluren schlafen.
Um mehr Obdachlosen Quartier zu bieten, würde die Stadtmission gern ein zentral gelegenes Nachtcafé mit mindestens 30 weiteren Plätzen einrichten, berichtete Sprecherin Wohlwend. Neben Schlafmatten, einer warmen Suppe am Abend und Frühstück am Morgen solle es Waschgelegenheiten geben. Persönliche Hilfsangebote seien so viel besser möglich als in der überfüllten zentralen Unterkunft.
Berlins Sozialsenatorin Carola Bluhm (Linke) hatte Wohnungslose gebeten, bei schneidender Kälte und Schnee Schutz im Warmen zu suchen. In Berlin bietet die Kältehilfe unter anderem Notunterkünfte, Wärmestuben, Suppenküchen und Nachtcafés. Der Kältebus der Stadtmission fährt Obdachlose manchmal noch bis 5 Uhr früh in die Lehrter Straße. Das Diakonische Werk forderte bereits in der vergangenen Woche mehr Schlafplätze für Obdachlose. Bei großer Enge entstünden Aggressionen. In Berlin gebe es zur Zeit 300 bis 400 Schlafplätze, mindestens 50 weitere Plätze seien in der Innenstadt nötig.
Internet: www.berliner-stadtmission.de
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