Bildung

Berlins bester Lehrer ruft zu Schulreform in Deutschland auf

Robert Rauh, Geschichtslehrer am Lichtenberger Barnim-Gymnasium, startet mit prominenten Unterstützern Petition. Gemeinsam mit Lehrern, Eltern und Schülern hat er zehn praktikable Punkte erarbeitet.

Foto: Massimo Rodari

Robert Rauh will keine Revolution anzetteln - der Geschichtslehrer des Lichtenberger Barnim-Gymnasiums will nur "einige notwendige" und aus seiner Sicht gar nicht so schwer realisierbare Veränderungen des Schulwesens in Deutschland anstoßen. Dafür hat er einen Aufruf im Internet gestartet und schon gleich eine Reihe prominente Unterstützer gefunden. Zu den Erstunterzeichnern der Petition gehören die Schauspielerin Corinna Harfouch, der Schauspieler Björn Harras oder die Eisschnellläuferin Jenny Wolf.

Bis vor kurzem war der 46-jährige Lehrer noch einer von Vielen, der täglich engagiert seiner Arbeit mit den Schülern nachgeht. Doch Dank seiner Schüler, die ihn für den Deutschen Lehrerpreis nominiert hatten, wurde er über Nacht zur Person des öffentlichen Lebens. Nach der Preisverleihung am 24. November wurde Rauh immer wieder gefragt, was ein so erfolgreicher Lehrer anders als andere macht und welche Bedingungen gute Schule benötigt.

Vergleichbare Bundesländer

Die Petition hatte er schon im Sommer verfasst, doch dann habe ihm der Mut gefehlt, sie auch zu veröffentlichen, sagt Rauh. Der Preis habe das verändert. "Die Medienaufmerksamkeit hat mich selbst zuerst völlig überrascht", sagt er. Doch nun möchte er das Interesse nutzen, um eine aus seiner Sicht dringende Veränderung im Bildungssystem anzustoßen. Viele Kollegen und Eltern hätten resigniert, doch das könne er nicht akzeptieren, wenn man jeden Tag aufs Neue in die Schule muss, sagt Rauh.

Rauh fordert nicht nur abstrakt mehr Geld für Bildung. Stattdessen hat er gemeinsam mit anderen Lehrern, Eltern und Schülern zehn praktikable Punkte erarbeitet. An erster Stelle fordern die Verfasser der Petition gleiche Anforderungen in allen Bundesländern. Nur durch gleiche Rahmenbedingungen könnten Chancengleichheit und internationale Wettbewerbsfähigkeit gesichert werden. Gemeint sind nicht nur vergleichbare Prüfungsanforderungen für die Schüler sondern auch einheitliche Beschäftigungsverhältnisse für Lehrer. "Will wollen damit nicht den Bildungsföderalismus abschaffen, aber es darf auch für Schüler kein Nachteil sein, von einem Bundesland in das andere zu wechseln", sagt Rauh.

Punkt zwei ist die Forderung nach einer Reduzierung der Lehrplaninhalte, dafür soll die Vermittlung von Kompetenzen ausgebaut werden. "Es bringt ja nicht viel, im Fach Geschichte Jahreszahlen auswendig zu lernen, die man später sowieso wieder vergisst. Stattdessen müssen die Schüler lernen, wie sie die Informationen analysieren und bewerten", sagt Rauh. Viele Lehrer würden zwar schon auf Kompetenzen setzen. Doch wenn man das konsequent machen wolle, koste es Zeit. Zudem wollen die Unterzeichner der Petition kleinere Lerngruppen und längere Unterrichtsstunden, um differenzierten Unterricht zu ermöglichen. Und für gleiche Bildungschancen von sozial benachteiligten Schülern soll es kostenlosen Nachhilfeunterricht an der Schule geben.

Neben diesen vier Kernforderungen stehen weitere Punkte wie eine moderne räumliche Ausstattung, ein zweigliedriges Schulsystem in allen Bundesländern, ein späteren Unterrichtsbeginn sowie die freie Wahl zwischen dem Abitur nach 12 oder 13 Jahren und Unterstützung der Schulleitungen für ein modernes Management. "Wir sehen diese zehn Punkte eher als eine Diskussionsgrundlage, nicht als einen feststehenden Gesetzesentwurf", sagt Rauh. Zu den Unterstützern gehören Mitglieder aller Beteiligten an Schule, von Schülern, über Eltern, Referendare, Studenten bis zu Lehrern aus verschiedenen Bundesländern.

Abrufbar ist der Inhalt von Donnerstag an unter: www.schul-gerecht.de

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