Deutscher Lehrerpreis

Berliner "Lehrer der Kreidezeit" mit Preis ausgezeichnet

In Berlin sind Pädagogen mit dem „Deutscher Lehrerpreis 2013“ geehrt worden - darunter der Lichtenberger Geschichtslehrer Robert Rauh. Von Facebook und Gruppenarbeitsplätzen hält er nicht viel.

Foto: Massimo Rodari

Mit seinen Jeans, Turnschuhen und seinen jungenhaften Gesichtszügen ist Robert Rauh auf dem ersten Blick kaum von seinen Schülern zu unterscheiden. Etwas verlegen lächelt er angesichts des Medienaufgebots in seiner Geschichtsstunde im Leistungskurs der elften Klasse. Robert Rauh vom Barnim-Gymnasium in Lichtenberg ist einer der bundesweit 16 Gewinner des Deutschen Lehrerpreises 2013, die am Montag ausgezeichnet wurden. "Ich habe Zweifel, ob ich das verdient habe, es gibt doch so viele engagierte Lehrer", sagt er.

Seine Schüler haben keine Zweifel. Sie sind überzeugt, dass dieser Lehrer "einzigartig" ist und in ihrem Schreiben an die Jury des Lehrerpreises zählen sie eine Vielzahl an Gründen dafür auf. "Im Gegensatz zu anderen Lehrern kommt Herr Rauh nicht nur zur Schule und unterrichtet stur nach Lehrplan, gleichgültig ob wir Schüler die Inhalte verstanden haben oder nicht", heißt es in dem Brief.

Unterscheiden würde er sich auch darin von anderen Lehrern, dass für ihn keine benachteiligten oder bevorzugten Schüler gebe. Und die Schüler schätzen, dass er Zwischenbemerkungen, die andere Lehrer meist nur daneben finden, auch lachen kann. Ja sogar über die Vorzüge des Döners könne man mit ihm im Unterricht philosophieren. Dabei sei seine höchste Priorität, dass alle seine Schüler ein gutes Abitur machen, schreiben die Schüler.

Auf Lehramt umgesattelt

Wie das zusammen geht? "Im Unterricht muss auch immer mal gelacht werden, das hält nicht auf, sondern motiviert die Schüler", sagt Robert Rauh. Dass er ein besonderes Talent fürs Unterrichten hat, merkte der Berliner erst, als er neben seinem Studium der Archivwissenschaften privat Nachhilfe für Schüler gegeben hat. "Ich habe gemerkt, dass ich den Kindern was beibringen konnte und sie tatsächlich in der Klassenarbeit ein gutes Ergebnis hatten", sagt er.

Rauh sattelte um und studierte Geschichte und Germanistik auf Lehramt. Lehrer müssten eigentlich Aufnahmeprüfungen machen, um festzustellen ob sie von der Persönlichkeit geeignet sind für den beruf, meint er. Heute kann er sich selbst nicht mehr vorstellen, wie er jemals auf die Idee kam Archivar zu werden. Rauh hat ganz offensichtlich seine Berufung gefunden, das glauben auch die Schüler.

Unterrichtsbeginn mit Eurokrise oder Fußballspiel

"Ich bin jedes Mal gespannt auf die Geschichtsstunde", sagt die 17 Jahre alte Schülerin. Es wisse so viel und seine Begeisterung für die Geschichte stecke an. Jenny hat im Sommer ihr Abitur gemacht. Die 20-Jährige gehört zu den Schülern, die die Nominierung für den Preis initiiert haben. Herr Rauh sei so ein Lehrer, den sie nie vergessen werde. Er habe jede Frage beantwortet, selbst wenn sie schon drei mal gestellt worden war. Andere hätten da längst mit den Augen gerollt, sagt sie.

Man merke ihm an, dass er wirklich an den Persönlichkeiten der Schüler interessiert sei. "Das ist nicht selbstverständlich, ich war auch auf anderen Schulen und weiß, wovon ich spreche", sagt sie. Besondere Methoden nutze er eigentlich nicht. Aber er beginne den Unterricht immer mit einem aktuellen Bezug sei es die Eurokrise oder ein Fußballspiel. Und irgendwie gelinge es ihm dabei, dass sich immer andere Schüler angesprochen fühlen.

Rauh sieht sich als Regisseur im Klassenzimmer

Während Robert Rauh vor der Klasse steht wirkt er eigentlich nicht sonderlich innovativ. Auf dem Polylux liegt ein Schaubild, mit Kreide schreibt er die wichtigsten Antworten der Schüler an die Tafel. Rechts daneben hängt eine alte Karte von Europa im 10. und 11. Jahrhundert. Die Schüler sitzen an U-förmig aufgestellten Tischen vor ihren aufgeschlagenen Lehrbüchern. Kein Smartboard, keine Gruppenarbeitstische. Rauh ist nicht bei Facebook und vergibt keine Aufgaben per E-Mail. "Ich bin eher konservativ, ein Lehrer der Kreidezeit eben", sagt er.

Er halte nicht viel von der These, dass der Lehrer nur Lernberater sein soll. Vielmehr sehe er sich als Regisseur, der jeden im Blick haben und immer wieder einbeziehen muss. "Ich glaube an das Unterrichtsgespräch zwischen Lehrern und Schüler", sagt er. Oft seien die Schüler schon genervt von der ständigen Gruppenarbeit.

Anrufe nachts um ein Uhr

Dabei ist Rauh durchaus gut für Überraschungen und unkonventionelle Lernmethoden. So hat er mit seinem Letzten Leistungskurs zusammen mit anderen Schulen und der Akademie der Wissenschaften einen Kongress zum Thema Antike gemacht. "Wie echte Wissenschaftler bereiteten wir uns auf die Vorträge vor", sagt Jenny. Und sei Rauh immer zur Stelle gewesen, um zu helfen. Selbst nachts um ein Uhr hätte er noch mit einem Schüler telefoniert um letzte Fragen zu seinem Vortrag zu klären. Außerdem setzt Rauh auf Exkursionen, sei es zum Schloss Schönhausen, zum Kyffhäuser nach Thüringen oder sogar nach Rom.

Jenny wird demnächst mit ihrem Studium der Zahnmedizin beginnen. "Das Studium hat zwar nicht viel mit mit meinem Leistungskurs zu tun, aber mit Geschichte hängt ja irgendwie alles zusammen, was heute passiert", sagt die 20-Jährige. Ihre Begeisterung für Geschichte jedenfalls wird bleiben.

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