25.09.13

Elektrobus

Bei der BVG kommt der Strom bald aus der Straße

Die BVG startet in die Zukunft. Ab 2014 wird zum ersten Mal eine komplette Buslinie mit Elektrofahrzeugen bedient. Die Busse holen sich die Energie dabei völlig kabellos.

Von Markus Falkner
Foto: Bombardier

Beim „Primove“-System (orange) kommt der Strom aus dem Boden. Die Batterien auf dem Dach versorgen Antrieb, Servolenkung und Klimaanlage (blau) mit Energie
Beim "Primove"-System (orange) kommt der Strom aus dem Boden. Die Batterien auf dem Dach versorgen Antrieb, Servolenkung und Klimaanlage (blau) mit Energie

Bei den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) kommt der Strom bald aus der Straße. Als erstes Verkehrsunternehmen Deutschlands will die BVG von Ende 2014 an eine komplette Buslinie mit Elektrofahrzeugen bedienen. Das kündigte BVG-Busdirektor Martin Koller jetzt auf einer Veranstaltung des Berliner Fahrgastverbandes Igeb an.

Das landeseigene Unternehmen setzt dabei auf eine vergleichsweise neue Technik. Statt auf dem Betriebshof stundenlang am Ladekabel zu hängen, ziehen die Busse ihre Energie ohne Kontakt aus Induktionsfeldern, die zunächst an den Endhaltestellen installiert werden. Das Prinzip ist vergleichbar mit elektrischen Zahnbürsten, die ohne Kabelverbindung Strom von der Ladestation bekommen. Ein weiterer Vorteil im Alltagseinsatz: Durch die regelmäßige Ladung müssen die Fahrzeuge im Vergleich zu normalen Elektrobussen nur relativ leichte Batterien haben und sind damit effizienter.

Seit Monaten arbeiten Koller und seine Kollegen an der Planung. Voraussichtlich Ende Oktober wird der BVG-Aufsichtsrat den Startschuss für die Umsetzung geben. "Ich hoffe, dass wir dann endgültig das Go bekommen", sagte Koller. Bereits Ende 2014 soll der erste E-Bus mit Induktionstechnik rollen. 2015 sollen die für den, so Koller, "Voll-Linienbetrieb" benötigten fünf Busse komplett ausgeliefert sein.

Teststrecke ist die Linie 192 zwischen Friedrichsfelde und Marzahn

Zunächst war geplant, die neuen Busse auf der Linie 147 zwischen Hauptbahnhof und Ostbahnhof einzusetzen. Weil auf der Invalidenstraße aber noch bis auf Weiteres gebaut wird, gibt es nun ein neues Konzept, das laut Koller bereits mit dem Senat abgestimmt ist. Als neue Teststrecke soll demnach die Linie 192 zwischen den S-Bahnhöfen Friedrichsfelde Ost und Marzahn dienen. Mit einer durchschnittlichen Fahrzeit von etwa einer halben Stunde zwischen den beiden Endpunkten ist sie ähnlich kurz wie die Linie 147, aber deutlich seltener von Staus betroffen. Auch beim Zeitplan für das Modellprojekt gibt es eine Neuerung: "Wir wollen den Langzeittest", so Koller. Zielsetzung sei es, die neuen Busse – von den üblichen Wartungspausen abgesehen – acht Jahre lang im Einsatz zu halten.

Die Technik für die kabellose Stromübertragung stammt vom Hersteller Bombardier Transportation. Der deutsch-kanadische Konzern, der in der Region Berlin-Brandenburg mehrere Standorte unterhält, hat das "Primove" genannte System entwickelt, das für Busse und Straßenbahnen eingesetzt werden kann. Unsichtbar unter der Fahrbahnoberfläche wird aus Kabeln eine Induktionsschleife verlegt. Die am Boden der Busse montierte Aufnahmespule wandelt das dort erzeugte magnetische Feld in elektrischen Strom um, der den Motor speist. Der Ladevorgang startet erst, wenn der Bus das Induktionsfeld komplett überdeckt.

BVG schweigt über Gesamtkosten des Pilotprojekts

Das Pilotprojekt wird zur Hälfte vom Bundesverkehrsministerium als "Schaufenster Elektromobilität" gefördert. Über die Gesamtkosten macht die BVG derzeit keine Angaben, weil die Ausschreibung für die Fahrzeugbeschaffung noch aussteht. Busdirektor Koller geht aber davon aus, dass die Busse mindestens doppelt so teuer wie vergleichbare Diesel-Fahrzeuge sein werden. 600.000 bis 800.000 Euro pro Stück gelten laut Branchenexperten als realistisch. Die fünf E-Busse sollen auf dem Betriebshof Lichtenberg stationiert werden, wo auch Straßenbahnen beheimatet sind. Dort gebe es bereits "das nötige Know-how in Sachen Strom", sagt Koller.

Auch bei ihren Fährlinien setzt die BVG künftig auf Elektroantrieb. Die neuen Schiffe für den Betrieb ab dem kommenden Jahr 2014 werden derzeit gebaut. Als künftige Betreiber setzten sich in einer Ausschreibung die Berliner Reederei Stern und Kreis sowie die Weiße Flotte aus Stralsund durch. Alle Fähren sollen mit Stromantrieb – zum Teil aus bordeigenen Solaranlagen – fahren. Nur auf der langen Linie F10 über den Wannsee ist ein Diesel-Hilfsmotor vorgesehen. Offen ist weiter die Zukunft der berühmten Ruderfähre F24 in Rahnsdorf. Die BVG will die kuriose Traditionsverbindung gern erhalten. Der Berliner Senat müsste das Angebot aber weiter bestellen und bezahlen.

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