16.09.13

Markenrechte

EU-Gerichtshof muss Streit um Eisbär Knut entscheiden

Seit 2007 streiten der Berliner Zoo und eine in London ansässige Firma darüber, wem die Rechte an der Marke Knut gehören. Denn noch immer lässt sich damit Geld verdienen. Nun soll das Urteil fallen.

Von Tanja Laninger
Foto: picture-alliance/ dpa

Der kleine Eisbär Knut als Stofftier. Auch in dieser Form ließ sich der Liebling der Zoo-Besucher gewinnbringend vermarkten
Der kleine Eisbär Knut als Stofftier. Auch in dieser Form ließ sich der Liebling der Zoo-Besucher gewinnbringend vermarkten

Das Fell des Bären wird neu verteilt – zweieinhalb Jahre nach seinem Tod. An diesem Montag soll er ein Ende haben, der seit 2007 schwelende Streit um bestimmte Markenrechte an Eisbär Knut.

Kläger ist die in London ansässige Firma Knut IP Management ltd., deren Direktorin Agnieszka A. an der Auguststraße in Mitte ein Geschäft für Abendmoden führen soll. Sie beansprucht – genauso wie der Zoo Berlin – das Recht zur Vermarktung des verstorbenen Eisbären Knut für sich. Der EU-Gerichtshof in Luxemburg will nun ein Urteil fällen.

Es ist ein komplizierter Wirtschaftsstreit, der da seit Jahren schwelt, dabei scheint die Ausgangslage der Rechtssache T-250/10 zunächst simpel. Die Markenrechte an Knut liegen da, wo man sie vermuten würde: beim Zoo Berlin. Die gerichtliche Auseinandersetzung dreht sich allerdings um die Rechte an der Marke "Knut – der Eisbär".

Es geht um die Frage, wer am Ende schneller war

Diese Wortmarke wurde am 21. März 2007 von der Knut IP Management ltd. beim Deutschen Patent- und Markenamt angemeldet. Damit wollte sich die Firma das Exklusivrecht auf den Namen des Bären sichern. Ein lukratives Geschäft: Mit der Lizenz geht das von EU-Binnenmarktregeln gesicherte Recht einher, Schreibwaren, Kleidung und Sportartikel mit dem Konterfei des Eisbären herzustellen.

Nun geht es um die Frage, wer am Ende schneller war. Knut kam am 5. Dezember 2006 zur Welt. Kaum machte der Zoo im Januar 2007 seine Geburt publik, stieg das Interesse, es gab zahlreiche Videoberichte. Am 23. März dann wurde Knut öffentlich präsentiert, 500 Journalisten aus aller Welt berichteten.

Die Londoner Firma meldete ihre Ansprüche damit sehr früh an – zwei Tage, bevor Knut endgültig zum Star wurde. Sie war aber nicht die einzige: Allein im Jahr 2007 soll es 49 Markenanmeldungen rund um Knut gegeben haben. Denn prinzipiell kann jeder Marken für alles anmelden. Und eine Firma aus Münster war noch schneller, sie hatte bereits im Februar 2007 die ähnlich klingende Marke "Knud" angemeldet. Und diese dem Zoo Berlin überlassen.

Mögliche Verwechslungsgefahr zwischen "Knud" und "Knut der Eisbär"

Der Zoo legte deshalb im Dezember 2007 vor dem EU-Markenamt im spanischen Alicante Widerspruch gegen die Eintragung der von der britischen Firma angemeldeten Marke ein. Er argumentierte mit der einige Wochen älteren deutschen Marke "Knud", an der er ein Lizenzrecht besitze. Das Markenamt gab dem Zoo mit Urteil vom März 2010 recht.

Gegen diese Entscheidung wiederum klagte das britische Unternehmen vor dem EU-Gericht in Luxemburg. Die Parteien streiten also noch gar nicht über Gewinne, sondern über die Frage, ob für die britische Firma die Marke eingetragen werden kann. Und das ist nur möglich, wenn der Gerichtshof – anders als das Markenamt – keine Verwechslungsgefahr zwischen "Knud" und "Knut der Eisbär" sieht.

Die Sache des Zoos vertreten die Rechtsanwälte Wilmer Cutler Pickering Hale und Dorr, die in Mitte ansässig sind. Die britische Firma wurde bislang von Greyhills Rechtsanwälte vertreten – ebenfalls Berliner: Die Partnergesellschaft sitzt an der Nollendorfstraße in Schöneberg. Einer der Rechtsanwälte soll der Ehemann von Agnieszka A. sein, also der Direktorin der britischen Firma.

Knut brachte dem Berliner Zoo viel Geld ein

Eine Stellungnahme war bislang nicht zu erhalten, weder von dem Anwalt noch von Agnieszka A. Genauso wenig wollte der Zoo Berlin sich zum laufenden Verfahren äußern. Die Ende September aus dem Amt scheidende Zoo-Geschäftsführerin Gabriele Thöne hatte aber bereits früher gesagt, dass sie nicht befürchte, Geld an die Klägerin zahlen zu müssen, falls diese die Markenrechte doch erstreiten könne.

Immerhin hat Knut den Zoo schon im Jahr 2009 Geld gekostet. Der Zoo Neumünster, der wegen eines Zuchtabkommens Eigentümer von Knut war, konnte sich 430.000 Euro erstreiten, nachdem er Lizenzansprüche geltend gemacht und sogar damit gedroht hatte, Knut aus Berlin abzuziehen und in den Zoo Neumünster zu holen.

Doch in summa brachte Knut dem Zoo viel Geld ein. Das Dezember-Baby war von seiner Mutter Tosca verstoßen und von Tierpfleger Thomas Dörflein von Hand aufgezogen worden. Geschichten um das putzige, verlassene Bärchen und seinen kernigen Beschützer, den Tierpfleger, entwickelten sich zum Dauerbrenner. Promi-Knut schaffte es bis ins japanische Fernsehen und in die "New York Times".

Kurzer, trauriger Boom zu Knuts Tod

Lizenznehmer wie Steiff und Haribo haben ihre Knut-Produkte, Plüschteddys und Süßigkeiten gut verkauft. Und der Zoo soll im Boom-Jahr 2007 mit Merchandising bis zu einer Million Euro verdient haben. Die Mehreinnahmen betrugen wohl mehr als sechs Millionen Euro, denn im Jahr 2007 war der Umsatz im Zoo mit 18,571 Millionen Euro um 14 Prozent höher als im Jahr 2006.

Das Interesse ebbte ab, als Knut größer und sein Fell dreckiger, nämlich lehmgelb wurde. Im Jahr 2010 war der Umkehrpunkt erreicht: Die Zahl der Besucher sank unter drei Millionen, die Jahresbilanz fiel schlechter aus als die im Vorjahr, die Einnahmen fielen von 15,5 Millionen Euro (in 2009) auf 14,7 Millionen.

Der tragische Tod am 19. März 2011 sorgte dann noch einmal für einen kurzen, traurigen Boom. Knut ertrank nach einem Sturz im Wassergraben seines Geheges, danach legten zahlreiche Besucher Blumen nieder und trugen sich in ein Kondolenzbuch ein. Der Zoo stellte die Knut-Werbung ein, inzwischen werden nur noch Blechschilder, DVDs und Plüschtiere verkauft.

Der Fall um Knut bleibt kompliziert

Dass sich mit dem Namen aber weiter Geld verdienen lässt, daran besteht kein Zweifel. Einer der Anwälte der Knut IP Management hatte bereits angekündigt, die Firma werde sofort "mit Hochdruck" die Produktion von Knut-Artikeln starten, sobald die Markenrechtslage einmal klar sei.

Die Urteilsverkündung ist ab 9.15 Uhr im Blauen Saal angesetzt, doch wie es scheint, bleibt der Fall kompliziert. "Es kann etwas dauern", kündigte Gerichtssprecher Hartmut Ost an. Allerdings aus organisatorischen Gründen: Am Montagabend kommt es zu einer Teilerneuerung des Gerichts – alle drei Jahre werde laut Ost ein Drittel der Mandate ausgewechselt.

Am Montag müssten die Richter also noch viele Fälle verhandeln und abschließen, die Veröffentlichung der Urteile könnte sich entsprechend verzögern. Ein Glück, dass das echte Fell des Bären schon verteilt ist: Schließlich wurde Knut selbst schon längst vom Museum für Naturkunde als Dermoplastik hergerichtet.

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