02.07.13

Banküberfall

Geiselnehmer von Zehlendorf entschuldigt sich bei Opfern

Ein Mann, der im Dezember 2012 eine Bankfiliale in Berlin überfallen hatte, muss sich nun vor Gericht für seine Tat verantworten. Offenbar versuchte der Mann Geld für Drogen zu beschaffen.

Foto: dpa

Der Angeklagte Thomas D. auf der Anklagebank im Kriminalgericht Moabit in Berlin. Der 30-Jährige soll im Dezember 2012 in einer Filiale der Deutschen Bank einen Mitarbeiter als Geisel genommen haben.

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Die Geiselnahme in einer Bank in Berlin hat fast zehn Stunden gedauert – zum Prozessauftakt vor dem Landgericht gestand der Täter am Dienstag den Überfall. Zudem gab er Bombendrohungen gegen zwei Geldhäuser in Wolfsburg zu und zeigte Reue. "Ich möchte mich bei den Opfern entschuldigen, es tut mir von Herzen Leid", erklärte der 30-Jährige. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm erpresserischen Menschenraub vor.

Drei Tage vor Weihnachten 2012 hatte der bewaffnete Mann am Teltower Damm in Berlin-Zehlendorf einen Bankangestellten in seine Gewalt gebracht. Der Angeklagte hatte ein Beratungsgespräch vorgetäuscht und dann mit der Zündung einer ferngesteuerten Bombe gedroht. Für die Freilassung des 40-jährigen Bankangestellten hatte er bis zu 500 000 Euro gefordert. Ein Großaufgebot der Polizei konnte den Nervenkrieg unblutig beenden.

Der zuletzt arbeitslose VW-Arbeiter sprach von einer "Verzweiflungstat". "Mir war nicht klar, was ich den Opfern angetan habe", nuschelte der mit heller Jogginghose und weißem Rollkragenpullover bekleidete Mann. "Wenn ich die Anklage lese, kommt es mir vor, als ob es ein anderer Mensch war", fügte er hinzu.

Mann brauchte offenbar dringend Geld für Drogen

Zu den Taten selber und zum Motiv machte der Angeklagte bisher keine näheren Angaben. Den Ermittlungen nach brauchte der Mann dringend Geld, um seinen Drogenkonsum zu finanzieren. In Wolfsburg hatte der damalige Auszubildende im Jahr 2006 knapp 9600 Euro aus der Kasse seines Chefs unterschlagen. Damit habe er unter anderem Schulden für Drogen bezahlt, verlas das Gericht ein dortiges Urteil.

Nach der Verbüßung der Strafe will der 30-Jährige eigenen Angaben nach einen Neuanfang starten. Sein bisheriges Leben war gekennzeichnet vom Schuleschwänzen, dem Abbruch einer Lehre und vom Drogen- und Alkoholkonsum seit dem 15. Lebensjahr. Das geht aus früheren Urteilen wegen Betruges, Drogenkriminalität und Unterschlagung hervor.

Bei der Geiselnahme hatte sich der damals 29-Jährige nach telefonischen Verhandlungen bis in die Nacht hinein schließlich widerstandlos ergeben. Mehr als 300 Polizisten hatten das Gebäude und die Umgebung abgesichert. Spezialeinsatzkommandos waren vor Ort.

Chaos auch in Wolfsburg

Auch in Wolfsburg hatte der durchtrainiert wirkende Mann mit seinen Überfällen vom August 2011 und März 2012 Chaos ausgelöst. 90 Minuten waren alle Straßen in der City gesperrt, Geschäfte wurden evakuiert, schilderte ein Polizist aus Wolfsburg einen Überfall. Der Angeklagte hatte jeweils vorgetäuscht, in seinem Koffer eine Bombe zu transportieren. Insgesamt hatte er 37 000 Euro erbeutet.

Die Bankangestellten sollen an späteren Gerichtsterminen vernommen werden. Der Prozess wird an diesem Donnerstag fortgesetzt.

Quelle: dpa/oje
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