01.07.13

Schüsse

Tod am Neptunbrunnen - Manuel F. rauchte "exzessiv Cannabis"

Der Drogenkonsum könnte die Schizophrenie des 31-Jährigen aus Weißensee begünstigt haben. Polizeipräsident Kandt sagte derweil, beim Schuss des Polizisten spreche vieles für Notwehr.

Von Ulla Reinhard
Foto: dpa

Am Freitag ist ein 31 Jahre alter Berliner durch den Schuss eines Polizisten tödlich verletzt worden
Am Freitag ist ein 31 Jahre alter Berliner durch den Schuss eines Polizisten tödlich verletzt worden

Der 31-Jährige Manuel F., der im Neptunbrunnen in Berlin von einem Polizisten erschossen wurde, hatte nach Angaben der Staatsanwaltschaft psychische Probleme. Das teilte die Behörde am Montag offiziell mit.

Der Mann habe regelmäßig exzessiv Cannabis geraucht und sei hochaggressiv gewesen, sagte der Sprecher der Berliner Staatsanwaltschaft, Martin Steltner. Zudem habe er unter schizophrenen Störungen gelitten. Zum Tatzeitpunkt sei der Mann aber nicht alkoholisiert gewesen.

Der Beamte hatte den nackten und verwirrt wirkenden Mann am Freitag im Neptunbrunnen vor dem Roten Rathaus in Berlin erschossen. Der 31-Jährige hatte sich zuvor selbst mit einem 20 Zentimeter langen Messer verletzt und dann den Polizisten angegriffen. Der Polizist, der nur eine Armeslänge von dem Mann entfernt stand, schoss ihm in den Oberkörper. Der 31-Jährige starb an einem Lungenschuss.

Es spreche vieles für Notwehr

Ob der Beamte in Notwehr handelte, wird noch geprüft. Zu klären sei, ob der Schuss in den Oberkörper strafrechtlich zu rechtfertigen sei, sagte Steltner. Der Polizist habe den Mann zuerst beruhigen und aus dem Brunnen holen wollen. Die Mordkommission des Berliner Landeskriminalamts ermittelt gegen ihn wegen Totschlags.

Polizeipräsident Klaus Kandt sagte dem "Tagesspiegel" am Montag, es spreche vieles für Notwehr. Auch das Eintreffen des Spezialeinsatzkommandos hätte man nicht abwarten können. "Es war notwendig, in dieser Situation sofort zu handeln", sagte Kandt. Er werde auch "zeitnah" mit dem Beamten, der auf den 31-Jährigen geschossen habe, reden.

Schon in der Vergangenheit hatten Drogenexperten immer wieder vor einer Verharmlosung des Cannabis-Konsums gewarnt. Wissenschaftler haben schon vor geraumer Zeit darauf hingewiesen, dass Cannabis die Entstehung von Schizophrenie begünstigt. "Studien zeigen, dass Menschen, die regelmäßig Haschisch oder Marihuana rauchen, ein doppeltes Risiko haben, an Schizophrenie zu erkranken", erklärte Peter Falkai von der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN) schon vor einiger Zeit.

Cannabis bleibt europaweiter Spitzenreiter

Die Substanz Tetrahydrocannabinol, allgemein bekannt als THC, löst offenbar die Psychose aus. Menschen mit einer familiären Neigung zu Psychosen erkranken durch Haschisch-Konsum etwa acht Jahre früher an Schizophrenie, und zwar im Schnitt mit 17,7 Jahren.

Trotz dieser Studien wird die Gefährlichkeit von Cannabis jedoch häufig unterschätzt, was nicht zuletzt die Zahlen zum Konsumverhalten verdeutlichen. Nach einem EU-Bericht vom vergangenen Jahr ist und bleibt Cannabis europaweiter Spitzenreiter unter den illegalen Drogen. Fast jeder vierte erwachsene Europäer, insgesamt 80 Millionen Frauen und Männer, haben Cannabis schon einmal ausprobiert.

Etwa 23 Millionen Europäer haben die Droge in den vergangenen zwölf Monaten konsumiert. Drei Millionen Europäer, vor allem junge Männer, rauchen täglich Cannabis oder mindestens fünf Mal in der Woche. Ein Drittel aller Menschen, die in Deutschland eine Suchtberatungsstelle aufsuchen, haben Probleme mit Cannabis.

Viele Konsumenten gibt es in Berlin

Auch in Berlin stellt der Konsum von Cannabis ein Problem dar. Etwa 165.000 Menschen konsumieren nach Angaben der Drogenbeauftragten des Landes aktuell illegale Drogen, der größte Teil Cannabis. Etwa 15.000 Menschen seien in Berlin von Cannabis abhängig. Einer von ihnen war der 31 Jahre alte Manual F.

Auch am Montag wurde unterdessen in den sozialen Netzwerken über den Vorfall vom Freitag diskutiert. Viele Nutzer verurteilen die Reaktion des Polizisten als unangemessen hart. Eine andere Auffassung vertritt die Gewerkschaft der Polizei, deren Bundesvorsitzender Oliver Malchow den Beamten in Schutz nahm: "Nur der betroffene Beamte selbst kann entscheiden, ob er sich in einer Notwehrsituation befindet oder nicht."

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