21.06.13

Wetter Berlin

Unwetter in Berlin verursacht zahlreiche Schäden

Ein schweres Gewitter ist in der Nacht zu Freitag über Berlin hinweggezogen. Die Feuerwehr musste zu Hunderten Einsätzen ausrücken. In Zehlendorf entgleiste eine S-Bahn.

Von Alexander Uhl
Foto: David Heerde

Das Gewitter tobte über der ganzen Stadt. Hier schlägt ein Blitz in den Fernsehturm ein

11 Bilder

Das Unwetter, das am Donnerstagabend über Berlin hinweggezogen ist, hat Berlin weit Schäden angerichtet. Die Feuerwehr war von 21.56 Uhr bis 1 Uhr im Ausnahmezustand, wie der Lagedienst am frühen Morgen der Berliner Morgenpost sagte. Verletzte gab es ersten Erkenntnissen nach nicht.

Im dem Zeitraum rückte die Feuerwehr nach eigenen Angaben etwa 270 Mal aus. Am Morgen und Vormittag gingen die Aufräumarbeiten weiter. Insgesamt habe es bis Freitagmittag rund 400 Einsätze wegen Blitzeinschlägen, umgekippter Bäume oder vollgelaufener Keller gegeben, sagte ein Feuerwehrsprecher. Dabei wurde die Berufsfeuerwehr von etwa 300 Männern der freiwilligen Feuerwehr unterstützt.

S-Bahnzug entgleist in Zehlendorf

Der schwerste Zwischenfall ereignete sich in Zehlendorf. Dort rissen die starken Windböen etwa 100 Meter vor dem Bahnhof Sundgauer Straße einen Baum um, der auf die Gleise der S-Bahn stürzte. Eine S-Bahn mit sechs Wagen rammte den Baum und sprange mit einem Drehgestell von den Schienen.

Die rund 250 Fahrgäste blieben unverletzt. Die Bundespolizei evakuierte den Zug und führte die Menschen zum Bahnhof. Dort erlitt eine Frau einen Schwächeanfall und musste von Sanitätern versorgt werden. Bis zum Morgen war das Hindernis beseitigt, die Bahn fuhr wieder normal.

Ein S-Bahn-Sprecher berichtete am Morgen von zahlreichen Störungen, die aber alle bis Betriebsbeginn beseitigt worden seien. Betroffen seien unter anderem die S3 zwischen Köpenick und Friedrichshain, die S 47 zwischen Spindlersfeld und Schöneweide und die S45 sowie 46 und S8 bei Grünau gewesen. Wie die Deutsche Bahn mitteilte, gab es am Freitag nach der Zugentgleisung in Berlin-Zehlendorf keine Verspätungen

Einschränkungen zwischen Berlin und Frankfurt (Oder)

Beeinträchtigt war noch der Zugverkehr zwischen Berlin und Frankfurt (Oder). Nahe des Bahnhofs Hangelsberg (Oder-Spree) sei eine Oberleitung durch umgestürzte Bäume und herabfallende Äste beschädigt worden, sagte ein Sprecher der Deutschen Bahn am Morgen. Daher ist der Zugverkehr zwischen Fangschleuse und Fürstenwalde (Oder-Spree) in beiden Richtungen unterbrochen.

Ersatzweise fahren Busse. Der Fernverkehr auf der Strecke werde über Cottbus umgeleitet, wodurch sich die Fahrzeit um etwa eine Stunde verlängere, hieß es weiter. Mit den Einschränkungen sei voraussichtlich noch bis 8 Uhr zu rechnen.

Aktuelle Informationen zu Verkehrseinschränkungen der S-Bahn gibt es auch via Twitter. Die BVG verzeichnete mehrere beschädigte Oberleitungen durch umgefallene Bäume.

Die Feuerwehr berichtete vor allem von umgestürzten Bäumen, weggewehte Bauteile mussten beseitigt werden. An der Straße 44 in Karow schlug ein Blitz in ein Haus ein, wodurch das Dach in Brand geriet. Die Feuerwehr konnte die Flammen aber schnell löschen. Auf der A 114 stürzte der Anhänger eines Lkw um. Der 4,5 Tonnen schwere Anhänger wurde offenbar durch eine Sturmböe umgeworfen. An der Heerstraße wurde ein Flachdach hochgeweht.

Laut der Feuerwehr waren alle Bezirke und Stadtteile von dem Unwetter betroffen, einen speziellen Schwerpunkt habe es nicht gegeben.

Unwetter auch in Brandenburg

Gewitter mit starkem Regen und heftigen Sturmböen haben auch in Teilen Brandenburgs getobt. Betroffen waren nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes vor allem die Märkische Schweiz, die Niederlausitz und das Havelland. Es wurden demnach schwere Sturmböen mit Geschwindigkeiten zwischen 90 und 100 Kilometern pro Stunde verzeichnet sowie Hagel und Starkregen mit Mengen zwischen 30 und 40 Litern pro Quadratmeter. Besonders betroffen war auch der Landkreis Ostprignitz-Ruppin, wie die Polizei in Potsdam am Morgen mitteilte.

In Walsleben sei ein Blitz in ein Haus mit Reetdach eingeschlagen. Das Gebäude ging sofort in Flammen auf. Verletzt wurde niemand. "In Papenbruch fiel wegen des Unwetters der Strom aus", sagte ein Polizeisprecher. In Wittstock brannte eine Scheune nieder. Auch hier sei zuvor ein Blitz eingeschlagen, hieß es. In Oranienburg (Oberhavel) wurden mehrere Autos durch herabfallende Äste beschädigt. Vollgelaufene Keller mussten ausgepumpt werden.

80-Jähriger gestorben

Der Deutsche Wetterdienst hatte am Donnerstag auch vor Tornados gewarnt. Sie bleiben in Deutschland aber aus, sagte ein Meteorologe in Frankfurt am frühen Freitagmorgen. Entwarnung werde aber noch nicht gegeben, betonte er: "Wir sind noch nicht davon überzeugt, dass es nicht wieder losgeht." Auch am Freitagmorgen könne es noch vereinzelt Gewitter geben, dann sei allerdings Schluss. Im Westen werde es am Freitag deutlich kühler, östlich der Elbe sei noch mit Temperaturen über 25 Grad zu rechnen.

Von den Unwettern waren Teile fast aller Bundesländer betroffen. Im münsterländischen Dülmen starb ein 80-Jähriger im Kampf gegen eindringendes Wasser in einem Keller. Im schleswig-holsteinischen Brunsbüttel hielt ein Supermarkt-Dach den Wassermassen nicht stand und brach ein.

Vor allem Bayern war von dem Unwetter betroffen. Quer durchs Land berichteten Polizei und Feuerwehr von überfluteten Straßen, vollgelaufenen Kellern und umgestürzten Bäumen, die teilweise schwere Schäden anrichteten. Im niederbayerischen Kollnburg (Landkreis Regen) erlitt ein Quadfahrer schwere Kopfverletzungen, vermutlich traf ihn ein herumfliegender Ast. Ein weiterer Quadfahrer wurde bei Aldersbach (Landkreis Passau) leicht verletzt, als ein Ast gegen sein Fahrzeug flog, teilte die Polizei mit.

In Atting (Landkreis Straubing-Bogen) gab es einem kleinen Erdrutsch, der eine Straße komplett blockierte. Auf der Bahnstrecke Regensburg-Ingolstadt fuhr bei Abensberg ein Zug gegen einen Baum, verletzt wurde dabei niemand. Auch im oberpfälzischen Hagelstadt (Landkreis Regensburg) stieß ein Personenzug gegen einen umgestürzten Baum, auch hier kamen die Fahrgäste mit dem Schrecken davon. Die Bahnstrecke war zunächst gesperrt.

Die Feuerwehr in der Oberpfalz berichtete von zahlreichen Blitzen, die in Dächer einschlugen. In Weiden in der Oberpfalz klaffte nach einem Blitzeinschlag im Dach eines Wohnhauses ein eineinhalb Meter großes Loch, in einem anderen Haus sprengte der Blitz den Kamin.

Allein die Feuerwehr in Bochum in Nordrhein-Westfalen zählte bis in die Nacht zum Freitag mehr als 400 Einsätze, einige davon waren dramatisch. So retten die Helfer nach eigenen Angaben eine Rollstuhlfahrerin aus ihrer überfluteten Wohnung und brachten sie mit Verdacht auf Unterkühlung in ein Krankenhaus. Das Technische Hilfswerk (THW) setzte Hochleistungspumpen ein, um gegen die Wassermassen in Gebäuden vorzugehen.

Quelle: mit dpa/mim
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