18.06.13

Strecke gesperrt

Wochenlange Bauarbeiten bei der Berliner S-Bahn

Von Freitag an ist die südliche Ringbahn wegen Bauarbeiten wochenlang gesperrt. Auch an der S1 im Norden wird wieder gebaut. Auf beiden Strecken sind die Gleise abgenutzt und müssen ersetzt werden.

Von Markus Falkner und Sabine Flatau
Foto: JOERG KRAUTHOEFER

Fahrgäste der Ringbahn zwischen Südkreuz und Bundesplatz müssen sich ab dem kommenden Freitag für einen Monat auf Schienenersatzverkehr einstellen
Fahrgäste der Ringbahn zwischen Südkreuz und Bundesplatz müssen sich ab dem kommenden Freitag für einen Monat auf Schienenersatzverkehr einstellen

Fahrgäste der S-Bahn müssen sich auf neue Baustellen einrichten. Betroffen sind wichtige Linien. Auf gleich zwei Strecken, der S1 im Norden Berlins und der Ringbahn im Süden, rücken die Bauarbeiter an. Wochenlang müssen die S-Bahnnutzer auf Ersatzbusse oder andere Verkehrsmittel umsteigen. Erst Anfang August soll der Verkehr wieder planmäßig aufgenommen werden.

Noch rollt er, der S-Bahnverkehr auf der Ringbahn. Im Berufsverkehr am Montagnachmittag sind die Züge zwar voll wie immer. Doch immerhin fahren sie – allerdings nur noch einige Tage. Viele Fahrgäste wissen längst, dass ein harter Sommer auf sie zukommt.

"Das ist ganz übel", sagt ein junger Vater, der an der Station Bundesplatz den Kinderwagen aus dem Zug auf den Bahnsteig schiebt. "Ich fahre jeden Tag mit der Ringbahn zur Arbeit und hole am Nachmittag die Kleine aus der Kita", sagt er, während er zum Aufzug hastet. Wenn er nun wochenlang auf Schienenersatzverkehr angewiesen sei, "wird das sehr umständlich und dauert viel länger."

3,6 Milliarden Euro wird die Runderneuerung kosten

Nachdem in den vergangenen Jahren die Abschnitte rund um den Bahnhof Ostkreuz immer wieder für Bauarbeiten gesperrt werden mussten, ist nun der südliche Ring dran. Seit der Wiedereröffnung des Südrings im Jahr 1993 rollen dort die Züge wieder, inzwischen fahren bis zu 15 S-Bahnen pro Stunde zwischen den Stationen Südkreuz und Bundesplatz. Und das hat Folgen: Die Gleise sind nach 20 Jahren Dauerbetrieb so abgenutzt, dass sie nun dringend erneuert werden müssen.

Schienen, Schwellen und Stromschienen müssen ausgetauscht, 8000 Tonnen neuer oder aufgearbeiteter Schotter sollen für die nötige Stabilität der neuen Anlagen sorgen. Die Weichen waren bereits 2012 ausgetauscht worden. Kosten der Runderneuerung: insgesamt 3,6 Millionen Euro. Gebaut wird in zwei Phasen. Von Freitagabend, 22 Uhr, bis Betriebsbeginn am 22. Juli ist die Ringbahn zwischen den Bahnhöfen Südkreuz und Bundesplatz voll gesperrt. Fahrgäste müssen auf Ersatzbusse umsteigen, die auch an den Stationen Schöneberg und Innsbrucker Platz halten.

Weil es vor allem im Berufsverkehr eng in den Bussen und auf den Straßen werden kann, rät die S-Bahn, auch andere Verkehrsmittel zu nutzen. Zwischen Neukölln und Bundesplatz oder Heidelberger Platz fahren beispielsweise die U-Bahnlinien U7, U9 und U3. Leichte Entlastung gibt es für die Fahrgäste in der zweiten Bauphase. Vom 22. Juli bis zum 5. August ist die Ringbahn nur noch zwischen den Stationen Schöneberg und Bundesplatz gesperrt. Auch dort fahren weiterhin Ersatzbusse. Zwischen Südkreuz und Schöneberg setzt die S-Bahn zwei Pendelzüge ein.

Neue Gleise und Stromschienen auch im Norden

Die Fahrgäste reagierten unterschiedlich. "Mich stört es sehr, wenn ich jetzt nicht mehr mit der S-Bahn fahren kann", sagt André Saomarcos aus Wilmersdorf. Für den 27-jährigen Konditor ist die Ringbahn eine schnelle Verbindung. Andere Bahnkunden sehen die Situation gelassen. "Wenn die Arbeiten erforderlich sind, dann müssen sie gemacht werden", sagt Kerstin Rabenau (42) aus Schöneberg. "Ich fahre jetzt in den Urlaub, deshalb bin ich nicht betroffen."

Auf längere Fahrzeiten müssen sich in den Sommerferien auch die Nutzer der Linie S1 im Norden abfinden. Auch dort sind die Gleise in die Jahre gekommen und müssen erneuert werden. Ebenfalls von Freitagabend bis zum 5. August baut die Bahntochter DB Netz auf dem mehr als acht Kilometer langen Abschnitt zwischen den Stationen Schönholz und Frohnau.

Neue Gleise und Stromschienen bekommt auch die Nord-Süd-Strecke. Außerdem tauscht DB Netz sechs Weichen am Bahnhof Waidmannslust aus. Um bis zum Ferienende alle Arbeiten abschließen zu können, setzt die Bahn schweres Gerät ein. Spezialbaumaschinen bewegen 16.700 Schwellen und mehr als 26.000 Tonnen Schotter.

2013 investiert die Deutsche Bahn insgesamt 266 Millionen Euro

Das Verkehrskonzept für die Bauzeit sieht mehrere Fahrmöglichkeiten vor. Damit Fahrgäste ohne Umsteigen nach Hohen Neuendorf und Oranienburg kommen, wird die Linie S1 von Freitagabend an umgeleitet. Vom Bahnhof Bornholmer Straße fahren die Züge über Pankow und Blankenburg in Richtung Hohen Neuendorf und Oranienburg. Zwischen den Stationen Gesundbrunnen und Schönholz können Fahrgäste die Linie S25 nutzen. Tagsüber verdichtet die S-Bahn deshalb den Takt.

Außerdem fahren zwischen Schönholz und Birkenwerder Züge, die ebenfalls die Linienbezeichnung S1 bekommen. Dort gilt in der Regel ein 20-Minuten-Takt, vom 23. bis 29. Juli nur ein 30-Minuten-Takt. Der S-Bahn-Mutterkonzern Deutsche Bahn investiert in diesem Jahr 266 Millionen Euro in das Schienennetz, größtenteils trägt der Bund die Kosten.

Zu den Bauarbeiten und mögliche Umfahrungen auf der S1 und der Ringbahn informiert die S-Bahn: An diesem Dienstag auf dem Ringbahnsteig des Bahnhofs Südkreuz, am Mittwoch auf dem S-Bahnhof Wittenau, jeweils von 15 bis 19 Uhr.

© Berliner Morgenpost 2014 - Alle Rechte vorbehalten
P.S.: Sind Sie bei Facebook? Dann werden Sie Fan von der Berliner Morgenpost.
Die Favoriten unseres Homepage-Teams

Top-Thema
title
Die besten Berlin-Videos

Das sind die Youtube-Favoriten der Redaktion.

Video Nachrichten mehr
Belästigungsvideo "Ich betreibe Kampfsport und habe trotzdem…
Vorsicht Kamera! Hochzeit aus der Sicht einer Whiskey-Flasche
Nach Pokalsieg Pep Guardiola denkt nur noch an Borussia Dortmund
Israel Radikaler Rabbiner überlebt Attentat
Top Bildershows mehr
Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Fotogalerie

Das sind die Berliner Bilder des Tages

Kleine Horror-Show

Halloween, das Fest des Gruselns

In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote