24.05.13

Finale 2015

Erstklassiger Gastgeber - Warum Berlin Champions League kann

Nachdem sich Berlin Lästereien zu BER, S-Bahn und Hertha gefallen lassen musste, vergibt die Uefa das Champions-League-Finale an die Hauptstadt. Das wird gebührend vor dem Brandenburger Tor gefeiert.

Von Thomas Fülling und Sabine Flatau
Foto: dpa

Im Olympiastadion steht ein weiteres Sporthighlight bevor: das Champions-League-Finale 2015
Im Olympiastadion steht ein weiteres Sporthighlight bevor: das Champions-League-Finale 2015

Wie viel Häme musste der Berliner in den letzten Jahren ertragen. "Ihr könnt alles, außer Flughafen, S-Bahn und 1. Bundesliga", war einer der boshaften Sprüche, die sich Hauptstädter landauf landab anhören mussten. Doch nun hat der Hauptstadtverein Hertha BSC nicht nur in kürzester Zeit die Rückkehr ins fußballerische Oberhaus geschafft. Das Olympiastadion, Herthas angestammte Spielstätte, wurde jetzt sogar von den Granden der UEFA auserwählt, Spielort für das Champions-League-Finale 2015 zu sein.

Eines der weltweit größten und populärsten Sport-Ereignisse bei uns in der Stadt – welch Balsam auf die geschundenen Seelen der Hauptstädter. Und die allergrößten Optimisten unter ihnen fabulieren angesichts der sportlichen Leistung von Hertha in der zurückliegenden Saison gar von einem "Endspiel zuhause". Na träumen wird man ja wohl dürfen.

Besonders groß ist die Freude über die Entscheidung der UEFA-Exekutive bei Berlins Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD). Er spricht von einem "starken Signal für die Sportmetropole Berlin" und würdigt zugleich die nationale Bedeutung.

Denn Deutschland dürfe nur drei Jahre nach dem Endspiel in München erneut das Endspiel des wichtigsten europäischen Vereinswettbewerbs ausrichten. "Natürlich hoffen die Berlinerinnen und Berliner, dass 2015 im Olympiastadion erneut eine deutsche Mannschaft im Finale der europäischen Champions vertreten sein wird", sagte Wowereit in Anspielung auf das Finale an diesem Samstag in London zwischen dem FC Bayern und Borussia Dortmund, das auf einer Fanmeile zwischen Brandenburger Tor und Siegessäule verfolgt werden kann.

"Große Auszeichnung" für die Sportstadt

Berlins Sportsenator Frank Henkel (CDU) bezeichnete die UEFA-Entscheidung als "große Auszeichnung" für die Sportstadt Berlin. SMit dem Olympiastadion verfüge Berlin zudem über eine Spielstätte, die höchsten internationalen Ansprüchen genügt. "Bei der WM 2006 hat das Stadion seine Qualitäten unter Beweis gestellt. Nicht von ungefähr wird es in der FIFA-Kategorie mit der Bestnote bewertet", sagte der Sportsenator.

Er sei sicher, dass auch die sportbegeisterten Berlinerinnen und Berliner sich auf diesen Megaevent freuen und für die vielen in- und ausländischen Gäste gute Gastgeber sein werden. Die Tourismusgesellschaft Visit Berlin rechnet mit zwei Millionen Besuchern rund um das Spiel – voraussichtlich am 6. Juni 2015 – und 100 Millionen Fernsehzuschauern weltweit. Nach der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 und der Leichtathletik-WM 2009 steuert die Stadt damit wieder einem sportlichen Großereignis zu.

Luhukay und Preetz zeigen sich hocherfreut

"Das ist eine fantastische Nachricht für Berlin und für dieses wunderbare Stadion", sagte Michael Preetz, Geschäftsführer Sport bei Hertha BSC. "Für die tollen Fußballfans in dieser Stadt, in dieser Region freut mich das sehr. Nicht nur, dass sie durch Hertha BSC in der kommenden Spielzeit wieder Bundesligafußball geboten bekommen, jetzt können sie 2015 auch das Champions League-Finale erleben. Berlin wird ein erstklassiger Gastgeber sein!"

Auch Hertha-Trainer Jos Luhukay freut sich über die UEFA-Entscheidung. "Dann bekommen wir 2015 die besten Teams Europas sozusagen in unserem Wohnzimmer geboten – das ist super für die Berliner!"

Der Deutsche Fußball-Bund kam mit seiner Bewerbung bei der UEFA gut an. "Berlin war weit vorne. Die anderen kamen dahinter", sagte UEFA-Generalsekretär Gianni Infantino, wollte aber weder Namen noch Anzahl anderer Kandidaten nennen. Offenbar hielt sich das Interesse anderer Metropolen in Grenzen. "Es kommen für dieses große und tolle Event nicht viele Städte infrage. Es war mehr oder weniger eine automatische Wahl", sagte Infantino.

Entgegen aller "föderalen Häme"

In der internationalen Wahrnehmung spielten die Probleme Berlins, etwa das Debakel um den Hauptstadtflughafen, keine Rolle, sagte der Geschäftsführer von Visit Berlin, Burkhard Kieker. In Deutschland gebe es eine gewisse "föderale Häme", weltweit traue man Berlin solche Großereignisse zu. "Berlin ist längst in die Champions League der großen Städte aufgestiegen", sagte Kieker. Man dürfe sich mit den eigenen Problemen nicht so ernst nehmen.

Eine Rolle für die UEFA dürften auch die mehr als ausreichenden Hotelkapazitäten in der Stadt gespielt haben. Es gebe insgesamt 24 Unterkünfte im Top-Segment, sagte Thomas Lengfelder, Hauptgeschäftsführer beim Hotel- und Gaststättenverband DEHOGA. Mit 130 000 Hotelbetten steht Berlin bundesweit an der Spitze, nach London und Paris ist die deutsche Hauptstadt die meistbesuchte Destination in Europa.

Zunächst aber freuen sich die Fußball-Anhänger in Berlin auf das Fußball-Ereignis am Sonnabend. Zwar treten die beiden deutschen Teams im englischen Wembley-Stadion an. Doch mitten in Berlin werden Tausende mitfiebern und feiern. Die Bühne am Brandenburger Tor ist schon gebaut, die Straße des 17. Juni abgesperrt. Alle Behörden haben die Genehmigung erteilt. Am Sonnabend, 12 Uhr, öffnen sich die Eingänge zur Fanmeile für das Endspiel der Champions League.

Virtuelles Torwandschießen gegen Manuel Neuer

Das Programm auf der Bühne beginnt um 13 Uhr. Ein DJ legt Musik auf. Ein virtuelles Torwandschießen gegen Manuel Neuer, den Keeper von Bayern München, ist möglich. Ab 16 Uhr treten die Künstler auf. Die Berliner Band "Die Atzen" und die Gruppe "Makeshift Innocence" aus Kanada, sind eingeladen, außerdem die Sänger Buddy, Thomas Godoj und Jürgen Drews. Mit mehr als 100.000 Besuchern rechnet Veranstalter Rainer Wohlthat, obwohl die Meteorologen Regen und kühle Temperaturen angesagt haben. Regenschutz werde es nicht geben, die Besucher sollten sich auf das Wetter einstellen. "Die Sicht auf das Spiel soll von allen Plätzen aus möglich sein."

Fünf Videowände werden aufgebaut, die größte mit rund 80 Quadratmetern Fläche steht am Brandenburger Tor. Die ZDF-Übertragung wird zu sehen sein. Die Hymnen beider Mannschaften werden gespielt. Zwei Fan-Duschen gibt es, in denen man sich mit rotem oder gelbem Pulver aus Maismehl bestäuben lassen kann. "Wir setzen auf die Mischung aus Fußball, Party, Spielen und Unterhaltung", sagte Wohlthat am Donnerstag.

Ausgeklügeltes Sicherheitskonzept

Deshalb rechne er damit, dass nicht nur Anhänger der beiden Fußball-Klubs auf die Fanmeile kommen, sondern vor allem Familien aus Berlin und Touristen.

Dennoch gebe es ein Sicherheitskonzept, das mit der Polizei und dem Bezirksamt Mitte abgestimmt sei (s. Text unten). Die Fanmeile ist am 25. Mai bis eine halbe Stunde nach der Verleihung des Pokals geöffnet. Wann sie genau geschlossen wird, sei eine operative Entscheidung der Sicherheitszentrale, sagte Wohlthat. Der Zeitpunkt hängt davon ab, ob es eine Verlängerung gibt. Am Sonntagmittag soll die Straße des 17. Juni wieder für den Verkehr freigegeben werden.

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Wie kommen Fans an Tickets für das Finale 2015?
  • Wann beginnt der Kartenverkauf

    Die UEFA startet den Ticketverkauf in der Regel rund drei Monate vor dem Spiel, also voraussichtlich im Februar oder März 2015.

  • Wo kann ich Karten bestellen?

    Der Verkauf der frei verfügbaren Karten läuft über die Homepage der UEFA (www.uefa.com).

  • Wie viele Karten sind frei

    Für das Finale in London 2013 waren es 9000, also rund elf Prozent. Die genauen Kontingente für das Finale in Berlin stehen noch nicht fest.

  • Und die restlichen Karten?

    In diesem Jahr gingen knapp 50.000 Karten und damit fast 60 Prozent an die beiden Finalisten aus Dortmund und München. Die übrigen Tickets (rund 30 Prozent) werden von der UEFA an Sponsoren, Medien und die nationalen Verbände vergeben. Der Deutsche Fußball-Bund wird als Gastgeber ein höheres Kontingent erhalten. Die genauen Zahlen stehen noch nicht fest. Diese Karten gehen aber in der Regel nicht in den freien Verkauf, sondern werden von den Verbänden intern vergeben.

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