07.04.13

Berlin

Tod eines 24-Jährigen überschattet Halbmarathon

Beim 33. Berliner Halbmarathon sind am Sonntag zwei Läufer kollabiert. Während der eine reanimiert werden konnte, starb der andere.

Beim 33. Berliner Halbmarathon ist am Sonntag ein Mensch ums Leben gekommen. Wie Polizei und Feuerwehr der Berliner Morgenpost bestätigten, seien zwei Läufer bei dem Wettkampf wenige Meter vor dem Ziel kollabiert. Beide konnten zunächst reanimiert werden. Eines der Opfer kam in die Charité, das andere in das Krankenhaus am Friedrichshain.

Der 24-jährige Mann, der in die Charité eingeliefert wurde, starb allerdings wenig später. Der Läufer war in der Alexanderstraße zusammengebrochen. Die Todesursache war zunächst unklar.

Zuletzt war im Jahr 2010 ein 43 Jahre alter Läufer 500 Meter vor dem Ziel zusammengebrochen und gestorben. Der tragische Todesfall ist der dritte bei einem Berliner Halbmarathon seit dem Jahr 1990. Den ersten Todesfall hatte es 2007 gegeben.

200.000 Zuschauer feuerten die 30.000 Läufer an

Insgesamt waren mehr als 30.000 Teilnehmer bei strahlendem Sonnenschein an den Start gegangen. Rund 200.000 Zuschauer feuerten sie an.

Die Läufer und Läuferinnen aus Kenia beherrschten den 33. Berliner Halbmarathon komplett – neun der Top Ten bei den Männern kamen aus dem afrikanischen Land.

Jacob Kendagor siegte am Sonntag bei strahlendem Sonnenschein und erträglichen acht Grad Celsius in 59:36 Minuten, womit der Kenianer allerdings den angepeilten Streckenrekord bei 2007 (58:56) verfehlte. Bei den Frauen siegte Helah Kiprop in 1:07:54 Stunden vor der Vorjahressiegerin Philes Ongori (1:08:01/beide Kenia) und der Japanerin Mai Ito (1:10:00). Rund 200 000 Zuschauer am Straßenrand jubelten den Läufern zu.

Der 28-jährige Kendagor lief über 21,0975 Kilometer die zehntbeste je beim Halbmarathon gelaufene Zeit und verbesserte seine persönliche Bestmarke aus dem Vorjahr um 1:29 Minuten. Mit Silas Kipruto (1:00:12) und Victor Kipchirchir (1:00:27) standen zwei weitere Kenianer auf dem Podest. Zum 11. Mal seit 2000 kam der Sieger des Berlin-Halbmarathons aus Kenia.

"Ich bin sehr zufrieden, und wollte unbedingt meinen persönlichen Rekord steigern. Ab Kilometer zehn habe ich das Tempo angezogen, das war geplant. Dass ich so schnell weg kam, war etwas überraschend", meinte der international bisher kaum ins Rampenlicht getretene Berlin-Sieger Kendagor.

Leipzigerin vorne

Für die beste Platzierung aus deutscher Sicht sorgte nach mehrmaliger Überarbeitung der Siegerliste die Leipzigerin Sandra Boitz in 1:20:25 Stunden auf Rang neun. Anna Hahner (Fulda), im Vorjahr Achte beim Berlin-Marathon, gab bei ihrem Debüt auf der halben Distanz nach 13 km mit Schmerzen im Fuß auf. Sie verpasste das Ziel, sich für die WM im Sommer in Moskau zu empfehlen. Ein MRT soll nun klären, ob und wie lange Anna Hahner pausieren muss.

Bei den Männern war Falk Cierpinski (Spergau) in 1:05:46 als 13. bester deutscher Starter. "Nach einer Zwischen-Schwächeperiode habe ich in der zweiten Rennhälfte noch einmal angreifen können. Das war von der Renntentwicklung her für mich persönlich ein Meilenstein", sagte Cierpinski.

Nach idealen Laufbedingungen hatte es lange nicht ausgesehen vor dem 33. Berliner Halbmarathon. Am Sonntag allerdings wölbte sich blauer Himmel über Inlinskatern, Handbikern und Läufer. Bei rund acht Grad Celsius und fast ohne Wind nahezu perfekt. Beste Stimmung herrschte dementsprechend auch unter den Zuschauern, die — unterstützt von zahlreichen Musikgruppen — entlang der Strecke den Sportlern zujubelten:

Teigwaren "Pasta", sagte Louis, "Nudeln", sein Bruder Jonas. Klar war, dass es am Abend Kohlenhydrate für Papa Torsten gegen sollte. Jana Otto und die Jungs hatten ihn zum Start begleitet und waren dann mit der S-Bahn zum Bahnhof Tiergarten gefahren. Dort standen sie in der Sonne und warten bei Kilometer sechs. Mit grünen Pappklatschen machen sie Lärm und feuern die Läufer an. "Mein Mann ist Freizeitsportler", sagte Jana Otto. "Der Halbmarathon ist für ihn das Highlight." Jonas und Louis waren am Sonnabend ihren ersten Bambini-Lauf mitgelaufen. Nach dem Halbmarathon wollte die Spandauerin mit den Söhnen noch ein wenig raus in die Sonne, damit sich ihr Mann ausruhen könne. Dann sollte es Nudeln geben. Oder Pasta.

Auftanken Seine Sportschuhe hatte Dieter Rüggen nicht ohne Hintergedanken angezogen. Schließlich hatte der Sportlehrer seinen Sohn Jan Rüggen (28) schon einmal beim Marathon ein Stück begleitet und ihm über ein Formtief geholfen. Der allerdings schien bester Stimmung, als er bei seinen Eltern sowie Freundin Hella Gerber am Kurfürstendamm einen kurzen Stopp einlegte. Nur Sohn Linus (1) konnte nicht ganz begreifen, warum der Papa dann so schnell wieder weiter musste.

Glücksgefühle Um 10.30 hatte Gaye Schulz mit Lily-Frida (6), Ryder (9) und Jakob (12) nahe der Joachimsthaler Straße Aufstellung genommen. Für Dirk-Michael Schulz war es bereits der zweite Berliner Halbmarathon, für seine Familie aber eine Premiere. Auch am Sonntag wartete auf die Berlinerin mit australischen Wurzeln schon kurz nach dem Laufevent wieder ihr Job in Hamburg. Das Anfeuern von Ehemann und Vater wollten sich die vier aber nicht nehmen lassen: "Papa ist so fit", meinte Lily-Frida. Außerdem mache das Laufen ihn glücklich, sagte Gaye Schulz. Jakob und Ryder haben sich trotzdem vorgenommen, den Vater anschließend zu schonen. "Heute lassen wir ihn lieber ausruhen", so der Älteste.

Sportsfreunde Bei Danny Schultz war es ein Nachbar, er selbst motivierte seinen Freund Stephan Türk, und nun steht schon Sohn Kenny Türk (5) in der Warteposition: Die Laufleidenschaft stecke an, sagte Kathrin Türk. Gemeinsam mit Madeleine Schultz wartete sie bei Kilometer 13 auf die Männer. Charlyn Türk (12) sowie ihre Cousine Marlen Engel (16) hielten die Kameras im Anschlag. Der Ansporn sei wichtig, sagte Madeleine Schultz. Nach dem Lauf gehe es zum Essen. "Und nachmittags werden die Zeiten gecheckt und alles wird genau ausgewertet", so Kathrin Türk lächelnd.

Beiprogramm "Wenn wir lauter jubeln, bekommen wir vielleicht mehr Gehalt", sagten Jette, Heidi und Laila und legten sich ins Zeug. "Wir haben unseren Chef zum Halbmarathon begleitet." Die drei Däninnen standen kurz vor dem Alexanderplatz, in den Händen Fähnchen ihres Heimatlandes. Freitag angereist, sonnabends eine Stadtrundfahrt und Sonntagfrüh an die Laufstrecke: "Unser Chef ist schon oft den Halbmarathon in Berlin gelaufen", sagten die Frauen aus Aarhus. "Für uns ist es das erste Mal in Berlin." Gleich nach dem Rennen ging es zurück ins Hotel und vor der Rückfahrt nach Hause noch zum Shoppen in ein Outlet-Center bei Berlin.

Guter Zweck Eine Gruppe Schüler hielt am Potsdamer Platz rote T-Shirts in die Luft und feuert heftig einige Läufer an — auf Französisch. Seit 15 Jahren nimmt die Oberstufe des Lycee Saint-Charles aus der Bretagne an Halbmarathons teil. Der Grund: Bei jedem vierten Kilometer kommt ein Euro schwerbehinderten Kindern zu Gute. In Berlin sind sie zum zweiten Mal. Julie Maurin und Margot Pietrucci konnten aus gesundheitlichen Gründen nicht teilnehmen, desto wilder spornten die 17-Jährigen ihre Klassenkameraden an. 72 der insgesamt 85 Schüler liefen mit.

Umsorgt Stolz trug der vierjährige Lennart ein T-Shirt mit dem Aufdruck "Papa, du schaffst es". Aufgeregt wartete er darauf, dass Oliver Weber vorbeilief, um ihm dann heftig zuzujubeln. Die Familie war morgens aus Ludwigsfelde nach Berlin gekommen. Um den 31-jährigen Maschinenbauingenieur für das Rennen vorzubereiten, wurden im Hause Weber die ganze Woche nur Nudeln gegessen. "Ich habe aber versucht, immer andere Soßen dazu zu machen", sagte Mutter Janine Weber und lachte. Auch an diesem Morgen war die 30-jährige Erzieherin um 3 Uhr morgens zur Tankstelle gefahren, um für ihren Ehemann Toast und Joghurt als Frühstück zu organisieren.

Beruhigungsmusik Mozart und Beethoven helfen Kerstin Kahle, sich vor Marathons zu beruhigen. Immer kurz vor einem Rennen hört sie sich Stücke der beiden Komponisten an. "Das ist für mich zur Routine geworden. Ich fühle mich danach total entspannt", sagte sie. Die 28-jährige Pharmaziestudentin wollte mit ihrer Kommilitonin Susann Schreiter (21) zwei mitlaufende Freundinnen unterstützen. Seit zwei Stunden warteten sie schon am Potsdamer Platz, um einen kurzen Blick auf die beiden zu erhaschen. Im Ziel wollten sie die Freundinnen wieder einsammeln. Als Vorbereitung für das Rennen waren am vorherigen Tag alle vier früh ins Bett gegangen, um kurz vor 7 Uhr fit zu sein. "Auch für das Anfeuern wollten wir heute nämlich frisch sein", sagte Susann Schreiter.

Quelle: dpa/oje
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