04.03.13

Denkmal

Wowereit lehnt Teilabriss der East Side Gallery ab

Der Regierende Bürgermeister hält den Abriss für nicht notwendig. Senator Müller sieht die Schuld für die Baumaßnahme beim Bezirk.

Foto: Getty Images

Polizisten stehen am Sonntag neben der Lücke in der Berliner East Side Gallery
Polizisten stehen am Sonntag neben der Lücke in der Berliner East Side Gallery

Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) hält den Teilabriss der East Side Gallery in Berlin-Friedrichshain für vermeidbar. "Der am Freitag begonnene Abriss eines Teils der East Side Gallery erscheint als nicht notwendig", teilte Wowereit am Montag mit. "Entsprechend müssen Alternativen zur Erschließung der an der Spree gelegenen Grundstücke gefunden werden." Am Wochenende waren Tausende Menschen auf die Straßen gegangen, um gegen den geplanten Teilabriss zu demonstrieren.

Wowereit gab dem Bezirk die Schuld. Die Abrisserlaubnis sei "in Verantwortung des Bezirks" erlassen worden, so der Regierende Bürgermeister. "Ich setze mich für den Erhalt des Mauerstücks ein." Deshalb werde man sich vermittelnd einschalten. Er kündigte an, dass sich am Dienstag der Senat mit dem Thema befassen werde.

Nach den massiven Protesten ist der weitere Abriss vorerst ausgesetzt. Wie es weitergeht, werde beim "Forum Stadtspree" am 18. März besprochen, sagte am Montag ein Sprecher des Investors Maik Uwe Hinkel. Hinkel will zwischen der Spree und dem längsten noch erhaltenen Stück der Berliner Mauer ein Wohnhochhaus errichten. An der bemalten Open-Air-Galerie protestierten am Montag wieder Vertreter von Bürgerinitiativen mit einer Mahnwache.

Unklar ist, wofür die Mauerlücke gebraucht wird

Ursprünglich sollten an diesem Montag weitere Teile aus dem längsten noch erhaltenen Mauerstück herausgetrennt und später an anderer Stelle wieder aufgestellt werden. Es geht um eine rund 20 Meter lange Lücke.

Unklar ist aber, für welches Bauprojekt die Mauerlücke direkt gebraucht wird. Während die Gegner das geplante Luxus-Wohnhaus für ursächlich halten, gaben Bezirk und Investor an, dass die Mauerteile für den Wiederaufbau der im Zweiten Weltkrieg zerstörten Brommybrücke weichen sollen.

Der Sprecher des Investors sagte, Wowereit (SPD) habe am Sonntag mit Hinkel telefoniert. "Wir waren schon immer dialogbereit", sagte er. Hinkel bestätigte die Bereitschaft zum Umplanen, falls der Nachbar, ein israelischer Investor, mitmache. Am Freitag war ein bemaltes Mauerstück herausgebrochen worden. Mit einer Online-Petition werden Unterschriften für den Erhalt gesammelt.

Senator Müller sieht Schuld beim Bezirk

Berlins Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD) wies Vorwürfe an seine Verwaltung zurück. "Ich bin überrascht, dass der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg nicht seine eigene Verantwortung sieht", sagte Müller am Montag vor Journalisten. Den Abriss von Teilen der weltbekannten East Side Gallery habe der Bezirk im Februar durch seinen Beschluss möglich gemacht, sagte der Senator. Noch im Januar bei einer Diskussion über die Zukunft des Spreeraums sei nicht zu erkennen gewesen, dass der Bezirk ein Veto gegen eine Bebauung einlegen werde.

Er habe in seiner Verwaltung eine Chronologie der Beschlüsse erstellen lassen, die zu dem Teilabriss der Mauer am vergangenen Freitag geführt habe, sagte Müller. Danach habe sich 2004 eine Runde, an der auch die Senatsverwaltungen für Kultur und Stadtentwicklung sowie der Bezirk beteiligt gewesen seien, auf einen Kompromiss verständigt.

Dieser habe vorgesehen, dass bei Bebauungswünschen am Spreeufer die dortige 1,3 Kilometer lange East Side Gallery in Teilbereichen geöffnet werden könne, die Mauerstücke aber nicht verschwinden dürften, sagte Müller. So sollten herausgenommene Segmente eingerückt wieder hingestellt werden, so dass eine Öffnung entstehe. Auf dieser Basis habe der Bezirk alle weiteren Beschlüsse gefasst – bis zu jenem im Februar, mit dem Investor einen städtebaulichen Vertrag zu unterzeichnen.



Quelle: BM
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