28.02.13

Meteorologie

Das Grau wird heller

Am 1. März beginnt für die Wetterexperten der Frühling.

Foto: dpa

Winterlinge (Eranthis hyemalis) blühen bereits in Berlin im Erholungspark Marzahn. Am 1. März beginnt der meteorologische Frühling
Winterlinge (Eranthis hyemalis) blühen bereits in Berlin im Erholungspark Marzahn. Am 1. März beginnt der meteorologische Frühling

Es wird Frühling, zumindest für die Wetterexperten. Denn am 1. März ist meteorologischer Frühlingsanfang. Der astronomische (kalendarische) Start in die neue Jahreszeit ist in diesem Jahr am 20. März. Am Ostersonntag (31. März) werden dann die Uhren auf Sommerzeit umgestellt.

Wer aber hofft, ab diesem Freitag seien Frost, Streusalz und Schmuddelwetter vorbei, wird enttäuscht: Es bleibt beim Grau in Grau, von Sonne und Wärme keine Spur. Es wird höchstens ein bisschen weniger kalt.

Tagsüber steigen die Temperaturen immerhin auf einstellige Plusgrade, nachts kommt der Frost zurück. "Deutlich höhere Temperaturen wären um diese Jahreszeit nur vorstellbar, wenn sich eine südliche oder südwestliche Strömung einstellen würde", sagte DWD-Meteorologe Helmut Malewski.

Der Wind kommt aber nach wie vor aus dem kalten Norden, die Sonne zeigt sich höchstens kurz, wenn die Wolken eine Lücke lassen. "Es kann nur besser werden."

Und so wird das Wetter in den kommenden Tagen.

"Dunkeldeutschland" liegt doch im Westen

Dabei warten alle so sehnsüchtig auf die Sonne. Denn der trübste Winter seit Beginn der Wetteraufzeichnungen geht zu Ende. Seit Anfang Dezember 2012 gab es in Deutschland im Schnitt nur 96 Sonnenstunden. Damit gehe der Winter 2012/13 als trübster seit Beginn der flächendeckenden Aufzeichnungen im Jahr 1951 in die Geschichte der Meteorologie ein, berichtete der Deutsche Wetterdienst (DWD) in Offenbach am Mittwoch nach der ersten Auswertung seiner 2000 Messstationen.

Dunkelster Ort war der Kahle Asten im Sauerland, dort schien die Sonne in drei Monaten nur insgesamt 43 Stunden lang. Die meiste Sonne bekam Oberstdorf in Bayern mit 178 Stunden ab – aber auch das liegt ein Viertel unter dem Soll.

Normal sind 154 Stunden Sonnenscheinstunden im deutschen Winter, errechnet aus dem Durchschnitt der Jahre 1961 bis 1990.

Die ersten Frühlingsboten zeigen sich

Dennoch gibt es erste untrügliche Zeichen für den nahenden Frühling: Morgen singen die heimischen Vögel lauter als sonst, Krokusse zeigen ihre Blüten und die ersten Störche kehren zurück.

So sind früher als gewöhnlich in Brandenburg die ersten Störche gesichtet worden – in der Prignitz im Norden des Landes. Vermutlich handle es sich um eine Vorhut von Heimkehrern aus dem spanischen Winterdomizil, sagte der Ornithologe vom Naturschutzbund Deutschland (Nabu), Lars Lachmann.

In Lockstädt war am Freitag vergangener Woche ein Storch entdeckt worden. Im nahe gelegenen Blumenthal hatte sich bereits einen Tag vorher eines der Tiere einem Ornithologen gezeigt.

Nach Angaben von Lachmann gehören die beiden vermutlich zur Gruppe der Weststörche, die in Spanien die Wintermonate verbringen. In der Regel kommen nach Brandenburg aber sogenannte Oststörche, die der europäischen Kälte in Afrika entfliehen. Sie kehren meist Ende März/Anfang April in ihre Sommerresidenzen hierzulande zurück.

Um die Frühankömmlinge müsse man sich aber jetzt keine allzu großen Sorgen machen, sagte Lachmann. "Futter finden sie schon reichlich." Die Horste vom vergangenen Jahr können schnell bezogen werden. "Wenn es jetzt nicht wieder kalt wird, stellt sich auch eher Nachwuchs ein", sagte der Vogelexperte.

In Brandenburg werden nach Angaben des Umweltministeriums bis zu 1400 Brutpaare pro Jahr registriert. Jedes der Paare zieht im Durchschnitt etwa zwei Jungvögel auf. Der Weißstorch siedelt in den Flußauen und Niederungen, vor allem in der Prignitz im Europäischen Storchendorf Rühstädt, im Spreewald oder im Oberen Rhinluch mit dem Storchendorf Linum. In Brandenburg gilt der Weißstorch als gefährdet und in Berlin als vom Aussterben bedroht.

Treffen von Gänsen und Kranichen

Ein Treffen der seltenen Art können Spaziergänger derzeit in der Elbtalaue im Nordwesten Brandenburgs erleben. Zu den Wintergästen – wie Singschwäne und Gänse – gesellen sich mit den ersten Kranichen schon Frühlingsboten.

Stare und Rotmilane, die im Mittelmeerraum überwintert haben, sind ebenfalls zurück, wie das Umweltministerium am Dienstag in Potsdam berichtete. Die gleichzeitige Präsenz von Winter- und Frühjahrsgästen ist diversen Reaktionen der Zugvögel auf Wetterveränderungen geschuldet.

Bisherige milde Winter hätten das Zugverhalten der Vögel, die nur kurze Strecken absolvieren, verändert: Entweder bleiben einzelne Arten gleich hier, ziehen nicht mehr so weit oder kehren besonders zeitig zu ihren Brutgebieten zurück, hieß es in der Mitteilung. Einmal gelernt, behalten Vögel dieses Verhalten und kommen trotz des derzeit kalten Wetters in die Elbtalaue zurück.

An der Elbe haben mehr als 10.000 Saat-, Bless- und Graugänse, mehr als 1000 Weißwangengänse und eine Rothalsgans den Winter verbracht. Ende Januar hielten sich in der brandenburgischen Elbtalaue rund 4000 Singschwäne auf, 500 mehr als im Vorjahr. Das länderübergreifende Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe erstreckt sich 400 Kilometer entlang des Flusses.

Mit der Aussaat wird noch gewartet

Der Frühling rückt näher, aber die Landwirte müssen sich noch gedulden: Wegen des kalten und nassen Wetters verzögert sich die Frühjahrsaussaat. "Wir hatten ja einen sehr langen Winter, deshalb wird jetzt erst mal nur gedüngt", sagte die Sprecherin vom Landvolk Niedersachsen, Gabi von der Brelie, in Hannover. Wer Grünland habe, egge jetzt schon seine Weiden ab. Dadurch werde das Wachstum stimuliert.

Mit der Aussaat und dem Setzen von Mais, Kartoffeln und Zuckerrüben müsse gewartet werden, bis es wärmer und trockener werde. "Landwirtschaft findet nun mal unter freiem Himmel statt, da ist der Bauer von der Witterung abhängig."

Was der meteorologische Frühlingsanfang bedeutet

Die Wetterexperten rechnen die Jahreszeiten in vollen Monaten, deshalb endet der Winter für sie mit Ende Februar, der Frühling umfasst März, April und Mai. International hat sich bei Meteorologen die Einteilung des Jahres in Quartale mit ganzen Monaten in den 1920-er Jahren durchgesetzt. Dafür sprachen vor allem statistische Gründe: Daten lassen sich einfacher vergleichen, wenn der Beginn der Jahreszeiten jeweils auf den Ersten eines Monats fällt.

Astronomischer (kalendarischer) Frühlingsanfang ist, wenn die Sonne im Zenit über dem Äquator steht. In diesem Jahr ist es am 20. März um 12.02 Uhr MEZ so weit. Die Sonne geht an diesem Tag genau im Osten auf, steht Mittags im Süden und geht exakt im Westen unter. Tag und Nacht sind gleich lang.

Der phänologische Frühling beginnt an keinem festen Datum. Die Phänologie erfasst den Lauf des Jahres nach periodisch wiederkehrenden Erscheinungen wie dem Entwicklungsstand der Pflanzen. Der Frühlingsanfang wandert dann zum Beispiel mit der Kirschblüte über Wochen von Süd nach Nord durch Europa.

Quelle: dpa/sei
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