26.02.13

RTL-Serie

Kameras im Kreißsaal - Senat stoppt Aufnahmen von Geburten

Der Berliner Senat hat die RTL-Fernsehaufnahmen von Geburten im Vivantes gestoppt. Grund seien der Kinderschutz und die Angestellten-Rechte.

Foto: picture alliance / Arco Images G

Geburten in der Nahaufnahme - der Berliner Senat verbietet RTL, den Dreh zu „Babyboom - Willkommen im Leben“ fortzusetzen
Geburten in der Nahaufnahme - der Berliner Senat verbietet RTL, den Dreh zu "Babyboom - Willkommen im Leben" fortzusetzen

RTL darf vorläufig nicht bei Berliner Geburten mit der Kamera draufhalten. Gesundheitssenator Mario Czaja (CDU) hat die Geschäftsführung des landeseigenen Krankenhaus-Konzerns Vivantes angewiesen, die Filmarbeiten des Senders RTL für die Serie "Babyboom - Willkommen im Leben" auf der Geburtsstation bis zur nächsten Aufsichtsratssitzung am 20. März zu unterbrechen.

Senat sieht RTL-Format kritisch

Als Grund gab er sowohl den Kinderschutz als auch die Rechte der Angestellten an. Das teilte die Gesundheitsverwaltung am Dienstag nach der Senatssitzung mit.

Der Senat sehe dieses Format insgesamt sehr kritisch, teilte der amtierende Senatssprecher Bernhard Schodrowski mit. Es gebe ernste Bedenken, dass die Persönlichkeitsrechte der Kinder wie auch der Angestellten nicht ausreichend gewahrt würden.

Das solle jetzt eingehend bis zur Sitzung des Aufsichtsrates geprüft werden. Das habe der Senator am Mittag Vivantes zunächst mündlich mitgeteilt, hieß es aus dessen Verwaltung.

Geburt in geschützter Zone - mit 30 Kameras

"Auch wenn die Mütter und Familien ihre Einverständnis zu den Filmaufnahmen erklären, wird das Kind später damit zu rechnen haben, mit den Filmaufnahmen konfrontiert zu werden", teilte Senator Czaja dazu mit. "Die Intimsphäre und die allgemeinen Persönlichkeitsrechte des Kindes sehe ich hier in Gefahr."

"Die neue Real Life Doku zeigt die außergewöhnlichen Geschichten, die bewegenden, berührenden, dramatischen und glücklichen Momente rund um die Geburt eines Kindes", hieß es in der RTL-Pressemitteilung. Die einverstandenen Mütter bekommen ihre Babys dann in einem abgetrennten Bereich der Entbindungsstation.


RTL erklärte am Dienstag, der Sender sei von dieser Entscheidung überrascht worden. "Sämtliche Rechtefragen wurden weit im Vorfeld und in enger Zusammenarbeit zwischen Produzent und Klinik geklärt. Wir gehen daher davon aus, dass die Dreharbeiten weitergehen können", sagte RTL-Sprecherin Anke Eickmeyer. "Kritikern empfehlen wir bei aller Wertschätzung, sich zu informieren, bevor sie ein Urteil fällen."

Vivantes von Seriosität der Sendung überzeugt

Bisher habe Vivantes die Weisung noch nicht erhalten, sagte Eickmeyer. Die Gesundheitsverwaltung verwies darauf, dass Czaja sie zunächst mündlich erteilt habe. Der Senator könne als Vertreter der Eigentümer die Vertretungsbefugnis der Geschäftsführung beschränken. Das sei jetzt geschehen.


Auch Vivantes betonte: "Wir sind nach wie vor von der Seriosität des geplanten Formats einer Entbindungsdokumentation im Vivantes Klinikum im Friedrichshain überzeugt."

Der Klinikkonzern habe alle klinischen und juristischen Fragen berücksichtigt, wozu vor allem die Zustimmung aller Beteiligten gehöre. "Sollte das Land Berlin als Gesellschafter von Vivantes dennoch eine Einstellung oder Aussetzung der Filmaufnahmen anweisen, werden wir dieser Anweisung folgen."

RTL: "Wir wollen die Menschen und ihre Geschichten zeigen"

Diese Produktionsweise der Serie ähnelt dem "Big Brother"-Format, bei dem ebenfalls Menschen sowie ihre alltäglichen Handlungen in einem separierten Bereich gefilmt werden.

RTL teilte weiterhin mit: "Wir wollen schlicht die Menschen und ihre Geschichten zeigen, die Mitarbeiter und werdenden Eltern." Vorbild sei die Sendung "One Born Every Minute" aus England.

Die preisgekrönte Serie gibt einen tiefen Einblick in den intimen Bereich der Schwangerschaft. Sie wurde vielfach kritisiert, aber vor allem gelobt und schlussendlich sogar mit dem "BAFTA" (Preis der Britischen Akademie der Film- und Fernsehkunst) ausgezeichnet.

"One Born Every Minute" geht mittlerweile in die vierte Staffel. Auch in Frankreich und Amerika gibt es Adaptionen des Formats.

Quelle: dpa/anni
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